Radschnellweg

Radler kritisieren Nutzen der RS1-Teilstrecke an der Ruhr

Autos waren nur ausnahmsweise zur Eröffnung zugelassen. Viele Mülheimer genossen den freien Weg zur Ruhr. Kritiker bemängeln scharfkantigen Stahl zur Abgrenzung sowie schleppenden Ausbau

Autos waren nur ausnahmsweise zur Eröffnung zugelassen. Viele Mülheimer genossen den freien Weg zur Ruhr. Kritiker bemängeln scharfkantigen Stahl zur Abgrenzung sowie schleppenden Ausbau

Foto: Herbert Höltgen

Mülheim.   Nach der Euphorie zur Eröffnung der RS1-Teilstrecke an der Ruhrpromenade kritisieren Radler Gefahrenpunkte und schleppenden Ausbau über die Ruhr.

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Der Andrang zur Eröffnung des neuen Radwege-Teilstücks am vergangenen Dienstag war groß. Zahlreiche Radler genossen es, autofrei hoch auf dem Viadukt zwischen Hauptbahnhof und Ruhrufer zu strampeln. Doch nach der Euphorie tritt bei manchen auch Ernüchterung ein, Kritik und Ungeduld.

Ungeduld vor allem darüber, dass der Weg, nach gut einem Jahr Wartezeit, bereits nach 650 Metern endet – v o r dem Ruhrufer. „Am Ende stellt der überraschte Radler fest, dass er nur mit einem Aufzug den Weg verlassen kann oder wieder 700 Meter zurückfahren muss“, kommentiert ein Leser im WAZ-Forum offenbar enttäuscht: „Dieser RS1-Abschnitt gibt wirklich erst dann Sinn, wenn die Ruhrbrücke fertig ist und der Weg bis Speldorf ausgebaut ist.“

Es passen zwei Räder in den Aufzug

Dass der Aufzug als Verbindung zum Ruhrufer bei Andrang bereits in Kürze „außer Betrieb“ sein wird – und damit die Strecke „ohne Sinn“ – befürchten andere. „Es passen genau zwei Räder in den Aufzug und oben gibt es genau drei Bügel zum Anschließen der Räder, wenn man über die Treppe zum Ruhrufer möchte“, so ein Kritiker. Sollte der Aufzug ausfallen, steht eine Treppe zur Verfügung. Bis man aber mit dem Drahtesel über die Ruhr strampeln kann, wird es voraussichtlich noch ein gutes Jahr dauern, muss Stadtplanerin Sabine Noack vertrösten. Selbst wenn die Eisenbahnbrücke wohl einige Zeit vor Ende 2018 fertig wird, fehlte es links der Ruhr an den notwendigen Ab - und Zuwegen auf die Brücke.

„Es macht daher wenig Sinn, die Brücke vorher zu öffnen.“ Wenigstens aber könne man derweil autofrei mit dem Rad von Essen bis an die Ruhrpromenade kommen, sieht Noack dennoch einen Gewinn in dem neuen Teilstück. Bislang musste man dafür recht umständlich unterhalb des Viadukts über die Max-Kölges-Straße und Löhstraße bzw. Heinrich-Melzer-Straße fahren.

Stadt prüft eine Nachbesserung

Kritisch sehen manche Fahrradfahrer die Beeteinfassungen im Industriedesign, die die Radstrecke von dem Fußgängerweg abgrenzen. Die Rahmen aus Cortenstahl bildeten Hindernisse, sind manchen sogar zu „scharfkantig“. Wer diese „auf dem Teilstück und die Enge gesehen hat und Erfahrungen hat, kann sich jetzt schon die Schwere der Unfälle dort ausrechnen“, so ein Kommentar, der auch weitere Widersprüche sieht: „Da wird auf einem Radschnellweg eine ,Langsamstrecke’ konzipiert. Was soll das?“

Ob die Einfassungen eine mögliche Gefahr für Radfahrer darstellen, will die Verwaltung noch einmal prüfen, sagt Planerin Noack.

>>> BELEUCHTUNG NOCH MANGELHAFT

Mancher Leser wundert sich über die noch schwache Beleuchtung der RS1-Teilstrecke.

Ähnlich wie im Streckenverlauf zwischen Hauptbahnhof und Heißen erscheint der Weg besonders Fußgängern zu dunkel.

Das Licht soll sich auf dem Viadukt verbessern, so Noack.

Von Lichtmasten sei man abgerückt, um Tiere nicht zu stören. Die Beleuchtung im Handlauf und an den Bänken wird erst in Kürze vollständig installiert.

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