Nahverkehr

Posten-Gerangel vor Nahverkehrs-Fusion von Evag und MVG

Nach der Fusion von MVG und Evag soll ein Teil der Arbeit in der Mülheimer Zentrale und im Depot erledigt werden, steht in Vetragsentwürfen.

Nach der Fusion von MVG und Evag soll ein Teil der Arbeit in der Mülheimer Zentrale und im Depot erledigt werden, steht in Vetragsentwürfen.

Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Vor der Fusion von MVG und Evag wollen Essener ihre Pfründe sichern. Parteien versuchen, die Lage zu entschärfen. Ein Scheitern ist noch möglich.

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Die Räte in Mülheim und Essen haben die Fusion ihrer Nahverkehrsbetriebe beschlossen. Hinter verschlossenen Türen geht aber das Gerangel um Posten und Machterhalt weiter. Befürworter der Fusion fürchten jetzt, dass sie scheitern und eine landesweite Blamage droht.

Als neuer Geschäftsführer der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) soll Uwe Bonan im fusionierten Betrieb mit der Essener Verkehrs AG neben Finanzen das Personalressort für alle dann 2500 Beschäftigten übernehmen. Das blockieren einflussreiche Teile der Essener Belegschaft, weil Bonan „kein ausgewiesener Nahverkehrs- und Personalfachmann“ sei. Sonst hätte er nicht die Betriebsvereinbarung mit dem MVG-Betriebrat unterschrieben, deren Kosten (genannt werden 6,7 Millionen Euro) im fusionierten Betrieb Ruhrbahn die Evag mittragen müsse.

Evag-Aufsichtsrat Weber: Feller soll Personalressort verantworten

Wolfgang Weber, seit mehr als 25 Jahren im Aufsichtsrat der Evag, argumentiert: „Das Personalressort bleibt in Essen bei Evag-Geschäftsführer Michael Feller. Die Evag hat rund 2000 Mitarbeiter, die MVG nur 500. Die beschlossene Fusion wird daran aber nicht scheitern.“

„Der Plan, die Verschmelzung von Evag und MVG rückwirkend zum 1. August hinzukriegen, sei ehrgeizig“, zitiert Weber die Unternehmensberater der KPMG. Ob es beim Aushandeln des Kleingedruckten zusätzliche Leiterstellen geben soll, sagte Weber nicht.

Regierungspräsidentin fordert Konsequenzen aus dem Deloitte-Gutachten

Ein klares Signal gegen neue Versorgungssessel kommt aus dem Düsseldorfer Regierungspräsidium: Finanz- und Verkehrsaufsicht erwarten nach den jüngsten Entwicklungen in Essen jetzt monatliche Berichte über die Fusionsentwicklung. Regierungspräsidentin Anne Lütkes „hat die deutliche Erwartung ausgesprochen, dass die Städte Konsequenzen aus dem vorliegenden Deloitte-Gutachten ziehen“, sagt Sprecherin Stefanie Klockhaus.

Schon im März 2015 hatte die Aufsichtsbehörde „die zu aufwändigen und teuren Führungsstrukturen der Verkehrsunternehmen“ beanstandet und sieht sich durch das Deloitte-Gutachten bestätigt. „Vielmehr bleibt die aktuell gebotene Qualität im Nahverkehr hinter den gesetzlichen Anforderungen zurück“, beschreibt Klockhaus.

Düsseldorfer Aufsicht hält zusätzliche Führungspositionen nicht für erforderlich

Die Menge der Fahrtausfälle bei der Evag wegen Fahrermangels „bei überdurchschnittlich stark besetzten stationären Diensten“ sei in NRW-Betrieben bisher nicht bekannt. „Aus verkehrsfachlicher und -aufsichtlicher Sicht sind zur Einhaltung der gesetzlichen Pflichten zusätzliche Führungspositionen nicht erforderlich“, lautet die Ansage aus Düsseldorf.

Diese Weckrufe wollte in Essen bisher niemand hören. „Sie behandeln dort nur ihre eigenen Beförderungsfälle, nicht die der Wartenden an den Haltestellen“, sagt ein Insider der Redaktion. Bei der Essener SPD laufen ebenfalls viele Krisengespräche, eine Fusion von MVG und Evag ohne teure Posten auf die Schiene zu bringen. Dazu änderte sich gestern stündlich die Nachrichtenlage. „Scheitert die Fusion, weil die Evag auf ihre Sessel beharrt, wäre das eine große Blamage“, heißt es bei SPD und CDU in beiden Städten. „Der Schwanz (MVG) darf nicht mit dem Hund (Evag) wackeln“, meint dazu ein Evag-Betriebsrat. Am Freitag stellt sich Uwe Bonan den Aufsichtsräten.

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