Salafismus

Pädagogen wollen Salafismus präventiv begegnen

Sorgen nehmen, Demokratie stärken, Vorbeugen - das waren Ziele der Bildungskonferenz in der Stadthalle zum Thema Salafismus, die sich unter anderem an Pädagogen richtete.

Foto: Oliver Müller

Sorgen nehmen, Demokratie stärken, Vorbeugen - das waren Ziele der Bildungskonferenz in der Stadthalle zum Thema Salafismus, die sich unter anderem an Pädagogen richtete. Foto: Oliver Müller

Mülheimer Bildungskonferenz informierte über Präventionsmaßnahmen gegen religiösen Extremismus. Neue Fälle von Mülheimer Salafisten nicht bekannt

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Neue Fälle von radikal-islamistischen oder salafistischen Jugendlichen in Mülheim sind im Bildungsbüro nicht bekannt. Vor gut drei Jahren erregte der Fall des Mülheimer Schülers Nezet S. bundesweites Aufsehen. Aktuell nahm Bildungsbüroleiterin Brita Russack die Sorge um einen allgemein erstarkenden Salafismus zum Thema der Bildungskonferenz am gestrigen Mittwoch in der Stadthalle.

Wie geht man damit um, wenn ein Schüler Druck auf Mitschüler ausübt, weil sie seine religiösen Ansichten nicht teilen? Wenn erste Tendenzen zur Radikalisierung erkennbar werden? Gut 180 Pädagogen und Mitarbeiter von Bildungseinrichtungen informierten sich über Präventionsansätze.

„Es ist in solchen Situationen bei Pädagogen oft auch Angst im Spiel, weil im Hintergrund der Terror steht“, räumt Russack ein. Gerade deshalb aber sollte das Gespräch mit Jugendlichen, die Radikalisierungsverhalten zeigen, nicht vermieden werden.

Der Salafismus ist als Subkultur „attraktiv“ geworden, weil er vermeintlich klare Glaubenspositionen in einer komplexen Welt vermittelt. „Und weil er das Missionieren mit einem sozialen Umsorgen verbindet“, sagt Russack. Bei jungen Menschen trifft er fruchtbar auf den Wunsch, sich abzugrenzen, zu rebellieren – oft gegen das eigene Elternhaus, das den Glauben nach salafistischer Ansicht nicht streng genug vertrete.

Wie können Pädagogen, Eltern und Freunde diese Entwicklung erkennen? Nezet S. fiel dadurch auf, dass er plötzlich Gebetszeiten einhielt, fastete, den Koran las, einen Bart wachsen ließ.

Prävention vor Staatsschutz

Vor einer solchen „Checkliste“ allerdings warnt Russack, „man sollte sich erst ein Gesamtbild von dem Jugendlichen machen“.

Das Einschalten des Staatsschutzes sieht die Bildungsbüro-Chefin erst am Ende einer Reihe von Möglichkeiten der Prävention. Gesellschaftlich müsse auch die Frage gestellt werden, ob nicht Diskriminierung und fehlende soziale Wärme dazu geführt haben, dass sich junge Menschen radikalisieren.

Das NRW-Ministerium für Inneres und Programme wie der Duisburger „Wegweiser“ richten sich mit präventiven Hilfsangeboten an Lehrer und Sozialarbeiter. Gerade bei Lehrern sei die Schwelle hoch, radikalreligiösen Äußerungen zu begegnen, sagt eine Mitarbeiterin des Ministeriums: „Sie haben Angst davor, als fremdenfeindlich zu gelten.“ Denn auch die Taktik sich als Opfer darzustellen, gehöre zur Strategie des Salafismus.

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