Online-Nachhilfe für die Kandidaten

Netz- - Vernetzung - Interaktion. Der Online-Wahlkampf ermöglicht Politikern, näher am Bürger zu sein, direkter zu kommunizieren. Eben weil der Kandidat ständig verfügbar ist. Man muss ihn nicht am Wahlstand besuchen, sondern kann ihm einfach eine Nachricht schicken. Schließlich ist man ja mit ihm bei Facebook und Twitter verbunden - So in etwa sieht die Vision aus. Die Realität stellt sich aber anders dar: Interaktion - nein danke. Zu diesem Ergebnis kommt Kay Hinz. Der promovierte Politikwissenschaftler, der in der Beratungsbranche arbeitet, hat den Online-Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013 deutschlandweit analysiert. Er fordert nun von den aktuellen Kandidaten eine Kurskorrektor.

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Netz- - Vernetzung - Interaktion. Der Online-Wahlkampf ermöglicht Politikern, näher am Bürger zu sein, direkter zu kommunizieren. Eben weil der Kandidat ständig verfügbar ist. Man muss ihn nicht am Wahlstand besuchen, sondern kann ihm einfach eine Nachricht schicken. Schließlich ist man ja mit ihm bei Facebook und Twitter verbunden - So in etwa sieht die Vision aus. Die Realität stellt sich aber anders dar: Interaktion - nein danke. Zu diesem Ergebnis kommt Kay Hinz. Der promovierte Politikwissenschaftler, der in der Beratungsbranche arbeitet, hat den Online-Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013 deutschlandweit analysiert. Er fordert nun von den aktuellen Kandidaten eine Kurskorrektor.

Kaum Interaktion

Aber zunächst die Ergebnisse seiner Untersuchung, die für alle diejenigen ernüchternd wirken müssen, die sich vom Online-Wahlkampf eine Revolution des Politiker-Bürger-Verhältnisses erhoffen: Politiker nutzen ihre Plattformen bei Facebook oder Twitter vor allem zur Verkündung von Nachrichten, Interaktion findet kaum statt. Das Problem dieser Nachrichten: Ihr Informationswert wird von den Absendern, also den Politikern, offensichtlich höher eingeschätzt als von den Empfängern. Fotos von Sitzungen, Besuchen bei Parteiveranstaltungen oder Ähnliches füllen ohne Zweifel den Terminkalender eines Politikers, für den Bürger sind sie aber nicht gerade brennend interessant. Diesen Effekt macht Hinz an einer wichtigen Kennzahl fest: Im Schnitt hat im letzten Bundestagswahlkampf nur jeder 14. Unterstützer einen Beitrag eines Kandidaten geteilt. Hinz verwendet hier den Begriff „Unterstützer“ ganz bewusst für den Besucher des Netzwerk-Auftritts. Denn immerhin hat dieser Besucher diesen Netzwerk-Auftritt geliked, damit also seine Sympathie für den Politiker zum Ausdruck gebracht. Er steht ihm also grundsätzlich positiv gegenüber. Umso bezeichnender sei dann, wenn dieser die Botschaften seines Favoriten für nicht interessant genug hält, um sie mit seinen Facebook-Freunden zu teilen oder bei Twitter weiterzuleiten. Diese Unterstützer seien schließlich wichtige Multiplikatoren, also Brückenbauer zu den Bürgern, die noch als Unterstützer gewonnen werden sollen.

Persönlichkeit zum Ausdruck bringen

Besonders bezeichnend: Selbst in der heißen Wahlkampf-Phase, 30 Tage vor dem Wahl-Termin, teilten 2013 im Schnitt nur sieben Prozent der Unterstützer die Beiträge bei Facebook, bei Twitter waren es neun Prozent. Aus Hinzs Sicht bleibt hier also noch ein erhebliches Mobilisierungspotenzial ungenutzt.

„Authentizität“, so Hinz, begeistere Unterstützer. Jeder Kandidat sei natürlich auf unterschiedliche Weise authentisch, weil jeder ein ganz eigener Kommunikations-Typ sei. Die Beiträge müssten auch nicht alle so aussehen, als seien sie von Agentur-Experten durchgestylt worden. Ganz im Gegenteil. Aber in den Beitragen sollte eben etwas über die Person des Kandidaten zum Ausdruck gebracht werden. Persönlichkeit lasse sich aber nur in einem persönlichen Stil vermitteln. Den müsse letztlich jeder Kandidat selbst finden. Aber eines sei auch klar: Lediglich den Terminkalender aufzulisten, reicht nicht. Dann sollte man lieber auf einen Auftritt ganz verzichten.

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