Mülheim-Mumie

Neue Hinweise auf Mülheimer Mumien-Stifter

Zur Ausstellungseröffnung im November 2016: Ägyptologin Prof. Angelika Lohwasserund die Mumie, die aus der Zeit um 950 vor Christus stammt. 

Foto: Archiv, dpa

Zur Ausstellungseröffnung im November 2016: Ägyptologin Prof. Angelika Lohwasserund die Mumie, die aus der Zeit um 950 vor Christus stammt.  Foto: Archiv, dpa

Mülheim.   Nicht Hugo Stinnes soll dem Ziegler-Gymnasium die 2700 Jahre alte Mumie gestiftet haben. Die Spur führt nun zu einer anderen Unternehmerfamilie.

Zur Herkunft der altägyptischen Mumie, die als Dauerleihgabe des Karl-Ziegler-Gymnasiums schon Ende der 1970er-Jahre zur Westfälischen Wilhelms-Universität nach Münster ging und dort 2016 als zentrales Exponat einer archäologischen Ausstellung für Furore sorgte, gibt es eine neue Theorie. Nicht der Industriebaron Hugo Stinnes soll der Schule einst die Mumie gestiftet haben, sondern eine andere Mülheimer Wirtschaftsikone: Wilhelm Schmitz-Scholl aus der zweiten Generation des Tengelmann-Unternehmens.

Als das Archäologische Museum im Herbst 2016 die Ausstellung „Tod und Ewigkeit“ mit der Mülheim-Mumie ankündigte, war das Rätselraten in Mülheim groß, wie denn einst eine Mumie in die Biologische Sammlung des Ziegler-Gymnasiums geraten sein könnte.

Nach dem Krieg an die Schule gekommen

Erst vermuteten Zeitzeugen, dass ein vielgereister Biologie-Hilfslehrer das 2700 Jahre alte Stück nach dem Krieg mit in die Schule gebracht haben könnte. Später verdichteten sich die Hinweise von Lesern, dass der Großindustrielle Hugo Stinnes die Mumie gestiftet haben könnte. Ein ehemaliger Stinnes-Vorstand hielt die Version für stichhaltig, verwies auf Stinnes’ Geschäftsbeziehungen nach Ägypten; möglicherweise sei Stinnes die Mumie dort als Gastgeschenk mitgegeben worden.

Ein anderer Mülheimer meinte sich zu erinnern, dass die Mumie in den 1930er-Jahren gar im „Aquarium“ an der Delle ausgestellt war, bevor sie zur Schule weitergegeben worden war. In dem im Krieg zerstörten Gebäude präsentierte die Familie Stinnes einst neben allerlei exotischen Pflanzen gar lebendige Alligatoren. „Von einem Nebenraum aus führte bei dämmriger Beleuchtung eine steile Treppe zum Keller hinunter“, erinnerte sich der Zeitzeuge im November vor einem Jahr. „Auf einem länglichen Tisch lag in einem Glaskasten die Mumie. Das war für uns Jungen natürlich abenteuerlich, die Mädchen gingen uns gar nicht hinterher. Denen war das zu gruselig.“

Stadtarchivar lieferte interessanten neuen Ansatz

Hat die Zeitzeugen ihre Erinnerung getäuscht? Jedenfalls hat Stadtarchivar Dr. Kai Rawe Schülern des Ziegler-Gymnasiums, die aktuell in einem Zusatzkurs Geschichte die Herkunft der Mumie zu ergründen versuchen, jüngst einen interessanten neuen Ansatz geliefert. Rawe war ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1977 in die Hände gefallen, in dem die Rede davon ist, dass ein „W. Schmitz“ die Mumie im Jahr 1904 der Schule gestiftet haben soll. Dabei handele es sich um den späteren Kommerzienrat Wilhelm Schmitz-Scholl.

Auf Anfrage stützt die Unternehmensgruppe Tengelmann diese Version. Petra Czech aus dem Firmenarchiv verweist zwar darauf, dass ihre Einrichtung sich immer noch im Aufbau befinde und die in altdeutscher Handschrift verfasste familieninterne Korrespondenz aus den Jahren 1900 bis 1905 noch nicht ausgewertet sei. Doch habe man einen Hinweis auf das Mumien-Geschenk finden können.

Sohn der Firmengründer war Asienreisender

„Der spätere Kommerzienrat Wilhelm Schmitz-Scholl, der älteste Sohn der Firmengründer, hat 1903 mit seiner Frau eine Orientreise gemacht, von der er – so die Überlieferung – diese Mumie mitbrachte“, so Petra Czech. „Wir haben keine Angaben dazu, wie oder von wem er sie erworben hat. Wir wissen aber, dass der mittlere Sohn der Firmengründer, Dr. Hermann Schmitz, ab circa 1900 im Auswärtigen Dienst des Hamburger Senats tätig, ein begeisterter Orient- und Asienreisender war und auch Verbindungen zum Deutschen Institut für Ägyptische Altertumskunde in Kairo pflegte.“

Unklar sei, ob jener Hermann seinen Bruder Wilhelm auf dessen Orientreise begleitet habe. Wohl aus Verbundenheit zu seiner ehemaligen Schule habe Wilhelm Schmitz-Scholl dem damaligen Realgymnasium die Mumie überlassen.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik