Marc Buchholz

Neu gewählter Sozialdezernent will sein Erbe hinterfragen

Neu in Mülheims Dezernenten-Riege: Marc Buchholz wird absehbar die Nachfolge von Ulrich Ernst antreten.

Neu in Mülheims Dezernenten-Riege: Marc Buchholz wird absehbar die Nachfolge von Ulrich Ernst antreten.

Foto: Martin Möller

Mülheim.   Marc Buchholz (50) wird Dezernent in Mülheim für Bildung, Soziales, Jugend, Gesundheit, Sport und Kultur. Wir baten ihn zum ersten Gespräch.

Auf den neuen Mann im Rathaus richten sich gespannte Blicke: Marc Buchholz, 50 Jahre alt und mit CDU-Parteibuch ausgestattet, wird absehbar den Chefsessel im Dezernat für Bildung, Soziales, Jugend, Gesundheit, Sport und Kultur besetzen. Der CDU-Mann übernimmt nicht nur das Dezernat, das rund 60 Prozent des städtischen Etats verantwortet und für das die Sozialdemokraten lange Zeit Hausmacht beansprucht hatten. Buchholz kommt auch zu einer Zeit ins Rathaus, in der ein Gemisch aus Führungslosigkeit, politischen Revolten und Bürgerzorn als explosiv einzustufen ist.

Beim Besuch der Redaktion am Freitagmittag ist Buchholz trotz allem aufgeräumt, entspannt, in Plauderlaune. Keine Angst vor einem Start in Mülheimer Chaoszeiten? „Angst habe ich keine, wir sind alles erwachsene Menschen“, sagt Buchholz. „Ich glaube, dass alle den Anspruch an sich haben, professionell miteinander umzugehen.“ Buchholz ist seit 20 Jahren im Geschäft von Politik und Verwaltung. „Das wird hilfreich sein.“

Buchholz hat Respekt vor neuer Aufgabe in Mülheim

Buchholz war CDU-Fraktionsgeschäftsführer in Düsseldorf, ist 2009 Oberbürgermeister-Kandidat in Bottrop gewesen, seit 2005 ist er Beigeordneter für Schule, Jugend, Sport und Soziales in Kevelaer. Lange war er in der Arbeitsvermittlung der heutigen Agentur für Arbeit tätig. Um im Jugendamt in Kevelaer ein Qualitätsmanagement einzuführen, hat er auf eigene Kosten einen Master in Sozialmanagement hingelegt. Buchholz verweist darauf, gut vernetzt zu sein in dieser oder jener Sache. Selbstbewusstsein ist ihm nicht fern. Zu seiner neuen Aufgabe in Mülheim sagt er trotzdem: „Ich habe Respekt davor.“ Die Themen Gesundheit und Kultur sind für ihn Neuland. „Ich werde mir Infos und Ratschläge holen müssen“, sagt er.

Als Fachmann, der Mülheimer Zahlen bereits im Vorfeld studiert hat, ist Buchholz dem Vernehmen nach schon in den Vorstellungsrunden bei der Politik aufgetreten. „Jetzt räumt mal einer auf“, wird da schon von manch einem Politiker frohlockt. Buchholz bestätigt im Redaktionsgespräch, dass ihm durchaus Benchmarks bekannt seien, die Mülheim „im unteren Drittel“ sähen, etwa im Bereich des Jobcenters oder bei den Hilfen zur Erziehung. Es sei schon die Frage, ob Mülheim in einigen Bereichen nicht besser abschneiden müsse im Vergleich zu anderen Städten, wenn doch vergleichsweise viel Geld hineingesteckt werde.

In ersten 100 Tagen sei Grundlagenarbeit erforderlich

Ein vorschnelles Urteil liege ihm aber fern, betont Buchholz. „Ich will mir erst einmal Unterlagen aus den Fachämtern geben lassen. Ich möchte gerne wissen, welche Verträge es gibt, was das Ziel der Verträge ist, wer die vertraglich zugesagten Leistungen überprüft.“ Es bedürfe zunächst einer Bestandsaufnahme; Buchwald setzt auch auf Einordnung seines Vorgängers Ulrich Ernst, mit dem er ebenso schnell ins Gespräch kommen will nach seinem Amtsantritt wie mit Amtsleitungen und Mitarbeitern, denen der neue Mann Raum geben will, Ideen vorzubringen. Auch mit Partnern, etwa den Wohlfahrtsverbänden, will der 50-Jährige das Gespräch suchen.

In den ersten 100 Tagen sei zunächst „solide Grundlagenarbeit“ erforderlich, betont Buchholz, nicht auf Schnellschüsse zu setzen. Klar sei ihm angesichts des Bürgerprotestes vor seiner Wahl am Donnerstag aber sehr wohl geworden, dass auch von ihm zu verlangen sei, genau hinzusehen, was in welcher Weise und mit welchem Ergebnis mit öffentlichen Mitteln finanziert werde.

Noch ist Buchholz nicht in Mülheim, da wird schon über eine mögliche OB-Kandidatur von ihm spekuliert. Es heißt, der 50-Jährige könne der Mann für die CDU werden, gelingt ihm ein guter Start. Buchholz will davon nichts wissen: „Ich bin als Beigeordneter gewählt. Darauf will ich mich jetzt konzentrieren.“

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