Muttersprache

Mülheimer Schülerinnen und Schüler sprechen viele Sprachen

Elyona, Hala, Daris, Leon, Abdullah Nabila und Azra-Nur (v.l.) aus derBrüder-Grimm-Schule in Mülheim an der Ruhr stehen in der Schul- und Stadtteilbibliothek Styrum vor einer Tafel mit ihren Fotos. Unter Anleitung ihrer Lehrerin haben sie zum Internationalen Tag der Muttersprache Hinweise zur Benutzung der Bücherei in ihren Muttersprachen aufgenommen. Diese können andere Kinder nun auf Bildtafeln in der Kinderbibliothek mit Hilfe eines speziellen Hörstiftes abhören.

Elyona, Hala, Daris, Leon, Abdullah Nabila und Azra-Nur (v.l.) aus derBrüder-Grimm-Schule in Mülheim an der Ruhr stehen in der Schul- und Stadtteilbibliothek Styrum vor einer Tafel mit ihren Fotos. Unter Anleitung ihrer Lehrerin haben sie zum Internationalen Tag der Muttersprache Hinweise zur Benutzung der Bücherei in ihren Muttersprachen aufgenommen. Diese können andere Kinder nun auf Bildtafeln in der Kinderbibliothek mit Hilfe eines speziellen Hörstiftes abhören.

Foto: Martin Möller

Mülheim.   Woche der Muttersprache gestartet: Schüler präsentieren mehrsprachiges Info-System für Bücherei in Styrum. Fiedelbär-Kinder singen international.

Was man in der Schul- und Stadtteilbibliothek Styrum alles ausleihen kann und wie das mit der Ausleihe überhaupt funktioniert, erfahren neue Nutzer ab sofort in fünf verschiedenen Sprachen. Die Kinder aus der „Rabenklasse“ der Brüder-Grimm-Schule haben eine Art Lotsensystem für die Bücherei entwickelt. Kleine und große Besucher müssen sich nur einen sogenannten Audiostift an der Info-Theke holen und können dann an fünf Hörstationen Informationen abrufen – in Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch oder Serbisch.

Das Projekt, das gestern im Rahmen der „Tage der Muttersprachen“ vorgestellt wurde, lief schon im letzten Sommer an. Die Rabenklassen-Kinder und ihre Lehrerin Hilke Schrey trafen sich regelmäßig mit den Mitarbeitern der Bibliothek, um einige Fragen zu klären: „Wir haben darüber nachgedacht: Wie kann man Leute unterstützen, die noch nicht so gut Deutsch können, aber die Bücherei nutzen möchten? Und was müssen sie über die Bibliothek alles wissen?“, berichtet Petra Sachse, Leiterin der Stadtteilbücherei.

Drittklässler erklären das Ausleihsystem der Bücherei

Dann wurden Portrait-Fotos von sieben der Drittklässler gemacht und Schautafeln damit gebaut. Wer mit dem Audiostift die Sprechblase neben einem Foto berührt, kann sich die Informationen in der Muttersprache des abgebildeten Kindes anhören. Leon erklärt auf Deutsch, Hala und Nabila haben die Hinweise auf Arabisch eingesprochen, Asra-Nur und Abdullah sind für die türkische Fassung verantwortlich. Daris gibt neuen Nutzern auf Serbisch Tipps: „Ich erkläre, dass man hier Bücher und auch Spiele ausleihen kann“, sagt er. Und Elyona, die daheim in der Familie Englisch spricht, erzählt: „Die Texte haben wir uns zusammen mit den Erwachsenen ausgedacht und in unsere Muttersprachen übersetzt.“

Das Projekt hat nicht nur Vorteile für die Büchereibesucher gebracht, es hatte auch einen pädagogischen Zweck. „Wir wollten die Kinder in ihrer speziellen Kompetenz, der Zweisprachigkeit, stärken, ihnen vermitteln, dass es sehr hilfreich sein kann, zwei Sprachen zu können“, erläutert Lehrerin Hilke Schrey.

Kinder mit Wurzeln aus mehr als 20 Ländern

Standortwechsel: Im Familienzentrum Fiedelbär in der Innenstadt wird die Woche der Muttersprachen mit einer Singstunde begangen. Und weil es so schön warm draußen ist, findet diese sogar auf dem Außengelände statt. Fünfzig Zwei- bis Sechsjährige sitzen im Kreis auf dem Boden und singen mit den Müttern der „Rucksackgruppe“ (ein Sprachprojekt des Kommunalen Integrationszentrums) den Kanon „Bruder Jakob“ – auf Deutsch und natürlich auch auf Französisch. Denn hier in der Kita spricht man so viele Sprachen wie sonst fast nirgendwo. „Arabisch, Türkisch, Chinesisch, Russisch, Serbisch – wir haben Kinder aus weit über 20 Ländern hier“, sagt Kita-Leiterin Beate Staudinger.

Fast alle Kinder wachsen zweisprachig auf, manche sogar dreisprachig. Weil die Eltern aus verschiedenen Nationen stammen oder aus afrikanischen Staaten, in denen man neben Englisch auch weitere Sprachen nutzt – etwa Ghanaisch. Die Hauptsprache in der Kita ist aber Deutsch, es ist die gemeinsame Sprache aller Kinder. „Es ist gar nicht so einfach, meine Tochter zu motivieren, Serbisch zu sprechen, sie mag Deutsch lieber – weil die anderen Kinder im Kindergarten Deutsch reden“, berichtet Zlatija Hasic. Trotzdem „üben“ die beiden regelmäßig.

Damit es nicht zu langweilig wird, stimmen die Fiedelbär-Knirpse zum Schluss einige Bewegungslieder an. Da zählt dann eine weitere Sprache – die Körpersprache.

>>>Internationale Tage der Muttersprache

Die Woche der Muttersprache läuft bis Freitag. In vielen Kitas, Schulen, Büchereien und an anderen Orten finden (auch öffentliche) Veranstaltungen statt. Programm: www.muelheim-ruhr.de/cms/bildungsneztwerke

Menschen aus 140 Nationen sind in Mülheim zuhause, viele von ihnen sprechen neben Deutsch eine Muttersprache.

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