15 Jahre Ledermuseum

Mülheimer Ledermuseum erneut mit Liquiditätsengpässen

Zum Tag der offenen Tür im Ledermuseum gab es im erweiterten, museumspädagogischen Teil gut besuchte Workshops für jedermann.

Zum Tag der offenen Tür im Ledermuseum gab es im erweiterten, museumspädagogischen Teil gut besuchte Workshops für jedermann.

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Streit um die Bürgschaft der Stadt: Muss das Museum wegen 4000 Euro Insolvenz anmelden? Trägerverein: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

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Die Zukunft des Ledermuseums hängt offenbar weiter an einem dünnen Faden – obwohl der im Jahresabschluss fehlende Betrag angesichts sonstiger Ausgaben der Stadt gering erscheint: 4000 Euro benötigt Ina Pfeng-Bungert, Geschäftsführerin des Trägervereins, für das laufende Jahr, um nicht Insolvenz anmelden zu müssen. Doch Stadt und Teile der Mülheimer Politik schießen derzeit quer.

Dabei hatte die Stadt eine Ausfallbürgschaft bei der Museumsgründung 2003 beschlossen, „die Finanzierung des Museums ist damit gesichert“, verkündete Oberbürgermeister Ulrich Scholten noch im Februar 2018.

Stadt sieht ihre Bürgschaft nicht als vollumfassend

Doch in der aktuellen Haushaltslage wird der Ton spitzfindiger. Dabei geht es um die Erweiterung des Museums um den so genannten pädagogischen Teil, in dem etwa Schulen, Kinder und Jugendliche das Museum praktisch näher gebracht wird. Oder Ausstellungen von Künstlern gezeigt werden. „Die Stadt zweifelt an, dass sie auch dafür bürgen müsse“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Kurtludwig Lindgens. Die Betriebskosten und die Miete müssten dafür herausgerechnet werden, weil dieser Teil des Museums bei der Gründung nicht vorhanden war. Ergo, so meint die Stadt, gelte auch ihre Bürgschaft nicht dafür.

Bei Lindgens sorgt das für Kopfschütteln: „Der Beigeordnete Peter Vermeulen hat zur Eröffnung der Erweiterung gesprochen, Bürgermeisterin Renate aus der Beek das Band durchgeschnitten – jetzt hat die Stadt damit nichts zu tun?“

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“

Trennen lassen sich die Museumsfläche und die Räumlichkeiten ohnehin schwerlich: Ein Durchbruch zwischen den Bereichen ist gemacht, Kindergeburtstage können hier gefeiert werden, es gibt Workshops, die Teil des kulturellen Bildungsangebots der Stadt sind. Das alles trage in den Augen der Museumsmacher auch dazu bei, dass der Ort attraktiver wird, sich herumspricht.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, wirkt Ina Pfeng-Bungert frustriert über die zähen Verhandlungen mit der Stadt: Das Museum wird von einer halben Stelle betreut, der Eintritt wurde deutlich erhöht, ein Museumsshop mit Ehrenamtlichen eingerichtet, Fördergelder für Ausstellungen und Programme wurden beantragt. Wie aber solle sie Ehrenamtliche motivieren, die ihre Zeit für das Museum investieren, wenn am Ende über einen solchen geringen Betrag gestritten werde?, fragt Pfeng-Bungert.

Gut 60.000 Euro Betriebskosten fallen jährlich an

Gut 60.000 Euro Betriebskosten muss das Museum im Jahr für seinen Erhalt aufbringen. Ausstellungen und Honorarkräfte werden bereits aus Fördergeldern finanziert. Die Kosten sollten ursprünglich aus den Zinsen des Stiftungsfonds – eine Millionen Euro – getragen werden. Nur waren die Zinsen um die Jahrhundertwende noch hoch. In der heutigen Niedrigzinsphase werfe die stolze Summe nur noch gut 10.000 Euro ab, rechnet Lindgens vor. Die Stadt kommt daher in diesem Jahr für rund 33.000 Euro auf. Strittig sind nur besagte 4000 Euro.

Lothar Reinhard, Chef der MBI-Fraktion, hält es für „Unfug, die Bürgschaft der Stadt so festzunageln. Das ist kein Umgang.“ Die MBI sind für die Zahlung des strittigen Betrags, Reinhard befürchtet jedoch, nicht die Mehrheit dafür zu finden. Positive Signale gebe es nach seiner Sicht nur aus der CDU.

>> STADT WILL SICH BEMÜHEN, WEG ZU FINDEN

„Wir sind in einem guten Gespräch“, betont hingegen eine Sprecherin aus dem Referat des Oberbürgermeisters. Nur dürfe die Stadt in der aktuellen Lage nicht einfach Kosten übernehmen, zu denen sie nicht rechtlich verpflichtet sei.

Das betreffe auch die Miete des Museums, die auf Quadratmeter der Altfläche festgelegt sei. Die Stadt sei aber bemüht, einen Weg zu finden.

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