Legionellen

Mülheimer Krankenhaus nimmt Stellung zu Legionellen-Ausbruch

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Ein Blick ins Legionellen-Labor: Nach dem schlagzeilenträchtigen Legionellen-Fall 2013 in Warstein hatte das Landesamt für Natur-, Umwelt-, und Verbraucherschutz NRW ein eigenes mikrobiologisches Labor aufgebaut.

Ein Blick ins Legionellen-Labor: Nach dem schlagzeilenträchtigen Legionellen-Fall 2013 in Warstein hatte das Landesamt für Natur-, Umwelt-, und Verbraucherschutz NRW ein eigenes mikrobiologisches Labor aufgebaut.

Foto: Lars Heidrich, Archiv

Mülheim.   Die Ärztliche Leitung des Evangelischen Krankenhauses hat zum Legionellen-Ausbruch Stellung bezogen. Es gibt Kritik an der Informationspolitik.

Im Fall des Legionellen-Ausbruchs Anfang September hat am Sonntag auch das betroffene Evangelische Krankenhaus erstmals öffentlich zu Fragen dieser Redaktion Stellung bezogen. Die stellvertretende Ärztliche Direktorin Dr. Andrea Schmidt brachte dabei ihre Kernbotschaft zum Ausdruck: Der Legionellen-Ausbruch sei durch schnelles Handeln längst gestoppt. Die wenigen Patienten mit Legionellen-Pneumonie, die weiter stationär behandelt würden, seien allesamt „auf dem Weg der Besserung“.

Bereits am 4. September habe das Krankenhaus „Auffälligkeiten“ festgestellt, die auf einen Legionellen-Ausbruch hinwiesen, hatte das NRW-Gesundheitsministerium am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung bekannt gegeben. 16 Personen seien an Legionellen-Pneumonie, einer schweren Lungenentzündung, erkrankt. Darunter vier Menschen, die an „schwersten Grunderkrankungen“ litten und verstorben sind. Ein Zusammenhang zwischen den Legionelleninfektionen und dem Tod dieser Patienten sei aber unklar.

Krankenhaus: Anfang September Maßnahmen ergriffen

Andrea Schmidt, die für das Krankenhaus das „Ausbruchsmanagement“ leitet, sprach am Sonntag von 18 Patienten, die aufgrund der Legionellen-Pneumonie im Haus behandelt worden seien. Unter den Patienten seien auch Personen gewesen, „die bei uns vorher nicht stationär behandelt worden sind oder Kontakt zu uns hatten“.

Das Krankenhaus reklamiert für sich, bereits am 4. und 5. September „alle Sofortmaßnahmen“ ergriffen zu haben. Direkt seien Filter in allen Duschen installiert worden, im Anschluss an allen Wasserhähnen. Zudem sei das auf dem Dach des Hauses installierte „Rückkühlwerk“ stillgelegt worden, um einen Aerosolaustrag auszuschließen.

All das ist laut Schmidt im engen Austausch mit den Behörden am 5. September bei einer gemeinsamen Begehung besprochen worden. „Mit hoher Expertise im Haus haben wir den Vorgang abgearbeitet“, sagt Schmidt. „Der Ausbruch ist abgeschlossen. Es besteht lange keinerlei Gefahr mehr für Patienten, Mitarbeiter und andere.“ Die von der Klinik eingeleiteten Maßnahmen zur Beseitigung der Infektionsquelle funktionierten offenbar, hieß es am Sonntag auch seitens des NRW-Gesundheitsministeriums und der Stadtverwaltung.

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Überprüfung von Proben noch nicht abgeschlossen

Aus den Gesundheitsbehörden kam am Sonntag jedoch der Hinweis, dass die Überprüfung von diversen Proben noch nicht abgeschlossen sei. Der Zusammenhang der Legionellen-Pneumonie mit dem Wassersystem in der Klinik sei aber sehr wahrscheinlich. Zwar habe man auch in einer Probe aus der klimatechnischen Anlage Legionellen gefunden, diese sei aber mit dem Wassersystem verbunden.

Das Krankenhaus sieht durch die eingebauten „Sterilfilter“ alle Gefahren ausgeschaltet. Ein Stufenplan regelt laut Schmidt nun, welche Leitungen „in den nächsten Tagen“ mittels thermischer oder chemischer Desinfektion gereinigt werden. Modernisierungen der Trinkwassersysteme liefen seit Jahren und fortlaufend.

Kritik an Öffentlichkeitsarbeit

Nach dem Bekanntwerden der Legionellen-Ausbreitung im Evangelischen Krankenhaus wird Kritik laut, dass weder das städtische Gesundheitsamt noch das Krankenhaus die bereits am 4. September aufgefallenen Probleme öffentlich gemacht hatten.

Die Informationspolitik seitens des Krankenhauses und der Stadtverwaltung sei „merkwürdig“, kritisierte am Samstag der ehemalige CDU-Ratsfraktionschef und Leser Paul Heidrich in einem Brief an die Redaktion. Das Krankenhaus sei sonst für seine „offensive Öffentlichkeitsarbeit bekannt“, doch es habe das Legionellen-Problem ebenso verschwiegen wie die Stadt.

„Haben das Amt frühzeitig informiert“

„Für die Gesundheit der Mülheimer Bevölkerung ist das Gesundheitsamt die zuständige Behörde. Und wir haben das Amt frühzeitig informiert“, reagierte auf Nachfrage Dr. Andrea Schmidt als stellvertretende Ärztliche Direktorin des Krankenhauses.

Stadtsprecher Volker Wiebels nahm dazu auch am Sonntag Stellung. Die Stadtverwaltung habe den üblichen Meldeweg in Richtung Landeszentrum Gesundheit eingehalten. Da aufgrund der eingeleiteten Gegenmaßnahmen (Abschalten des Rückkühlwerkes, Einbau von „Sterilfiltern“ an Wasserquellen) in der Klinik schnell klar geworden sei, dass sich die Ursache der Legionellen-Ausbreitung allein auf das Krankenhaus beschränkt habe und keine Epidemie im Umfeld zu befürchten gewesen sei, habe man darauf verzichtet, die Bevölkerung zu informieren.

Bakterien: Lebensbedingungen in Trinkwassersystemen

Zurückgerudert ist Stadtsprecher Wiebels bezüglich der Zuständigkeiten der Hygieneaufsicht beim Gesundheitsamt. Am Freitag noch hatte er bei der Mülheimer Behörde lediglich eine „Bindeglied“-Funktion verortet. Nun, nachdem diese Version aus Reihen des Ministeriums zurückgewiesen worden war, räumte er ein, dass das Gesundheitsamt sehr wohl federführend sei, die Aufarbeitung des Legionellen-Falls zu „begleiten und kontrollieren“.

Die Legionellen-Pneumonie (Legionärskrankheit) ist eine durch Legionellen hervorgerufene schwere Lungenentzündung. Die Bakterien finden gute Lebensbedingungen unter anderem in Trinkwassersystemen, Klimaanlagen und Luftbefeuchtern.

In Warstein gab es 2013 eine Reihe von Erkrankungen, die offenbar durch Legionellen ausgelöst wurden. Die Bakterien waren daraufhin in Kläranlagen gefunden worden. Möglicherweise gelangten sie über eine Kühlanlage in die Luft.

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