Corona-Regeln

Mülheimer Gastronomen: „Boden unter den Füßen weggezogen“

Bald reicht das Desinfizieren nicht mehr: Die Gastronomien in Mülheim sollen nächste Woche schließen.

Bald reicht das Desinfizieren nicht mehr: Die Gastronomien in Mülheim sollen nächste Woche schließen.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  In der Mülheimer Gastronomie herrscht Wut und Unverständnis über den Teil-Lockdown ab Montag. Auch Theater und Schwimmbäder müssen schließen.

Die Mülheimer Gastronomen sind enttäuscht und wütend: „Was wir uns sechs Monate lang in mühsamer Kleinstarbeit erarbeitet haben, wird nun zunichte gemacht“, sagt Jörg Thon, Mülheimer Dehoga-Vorsitzender und Betreiber des Ratskellers und des Bürgergartens. Bund und Länder haben sich am Mittwoch darauf verständigt, dass die Gastronomien sowie unter anderem Theater, Kinos und Schwimmbäder ab dem 2. November bis Ende des Monats schließen sollen.

„Wir werden verantwortlich gemacht für etwas, für das wir gar nichts können“, ärgert sich Jörg Thon. Die Zahlen sprechen für ihn: Gastronomien gelten nicht als Hot-Spots des Coronavirus, in Mülheim gibt es keine Infektionen, die auf Restaurants und Kneipen zurückgehen. „Wir waren dabei, auf eine schwarze Null zuzusteuern, das ist nun nicht mehr machbar.“ Thon spricht nicht mehr von Gewinnen; „ich verringere nur noch meine Verluste“. Er habe bislang, außer seinen Azubis, noch niemanden komplett aus der Kurzarbeit zurückgeholt, nun muss er die Kurzarbeit wieder voll in Anspruch nehmen.

Corona in Mülheim: „Die Angst liegt in der Luft“

Denn der Trend habe sich schon vorher bemerkbar gemacht. „Das Mittagsgeschäft, das sonst immer gut lief, ist tot“, sagt Thon. Auch Richard Reichenbach, Betreiber des Wasserbahnhofs in Mintard und des neuen „Franky’s an der Ruhrpromenade“, sieht seit längerem die negative Tendenz. „Die Gästefrequenz ist rapide gesunken“, sagt der Gastronom. „Die Angst liegt in der Luft. Die Leute wollen nicht rein, und draußen wird es zu kalt.“

Die Stimmung sei gedrückt, das Unverständnis groß. Klar müsse etwas gegen die steigenden Infektionszahlen unternommen werden, „aber diese Maßnahmen werden am falschen Fleck gemacht“. Die Verteilung sei unfair, gehen doch mit Abstand die meisten Infektionen auf private Zusammenkünfte zurück. „Jetzt schickt man die Leute wieder nach Hause, damit sie sich da anstecken“, sagt dazu Jörg Thon.

Kinobetreiber: Ungewissheit geht wieder los

Erneut hart getroffen sind auch die Mülheimer Kinos. Meinolf Thies, Betreiber der Filmpassage im Forum und acht weiterer Lichtspielhäuser, verweist auf einen Appell des Branchenverbandes HDF Kino, in dem mehr als 600 Unternehmen zusammengeschlossen sind. Sie hatten schon im Vorfeld der Ministerpräsidentenkonferenz dringend davor gewarnt, Beschränkungen auf Kosten derjenigen zu erlassen, die bisher höchst verantwortungsvoll auf das Pandemiegeschehen reagiert hätten. Weltweit sei keine einzige Covid-Infektion in Verbindung mit einem Kinobesuch bekannt. „Es steht ein 125 Jahre altes Kulturgut auf dem Spiel!“, warnen die Kinobetreiber.

Thies kann das nur unterschreiben. „Und da es anscheinend wieder losgeht mit der Ungewissheit, wann wir auch diesmal wieder öffnen dürfen, werde ich keine sonstigen Prognosen abgeben können.“ Man habe die Phase „Kurzarbeit“ gerade überstanden...

Theater an der Ruhr: „Keine Ansteckungen, die auf die Theater zurückzuführen sind“

Ein weiterer Ort, der zwar von den Maßnahmen, aber nie von Corona-Infektionen betroffen war, ist das Theater an der Ruhr: „Es gibt keine Ansteckungen, die auf Theater zurückzuführen sind“, sagt Sprecherin Jessica Otten. Die erneute Schließung bedeute für sie und ihre Kollegen einen immensen Planungsaufwand: Zwei Premieren werden im November nicht stattfinden können, unklar ist, ob geprobt werden kann und sie im Dezember nachgeholt werden können.

Zuletzt sei das Theater immer ausgebucht gewesen, die Zahl der Plätze musste auf rund 40 begrenzt werden. „Die Leute haben Lust zu kommen, sie wollen Theater sehen“, sagt Otten. Man habe sich an alle Regeln gehalten, habe noch mehr aufgestellt als nötig waren. Nun heißt es für einen Monat: Der Vorhang bleibt zu. „Wir sind traurig“, sagt Jessica Otten.

Schwimmbäder werden geschlossen: Kinder sind Leidtragende

Etwas optimistischer ist da Andreas Wildoer, Geschäftsführer der Mülheimer SWiMH. „Lieber gehen wir jetzt noch mal für vier Wochen in den Lockdown, als im Januar wieder für mehrere Monate.“ Es gebe schon jetzt einen „dramatischen Einbruch der Badegästezahlen“, sowohl im Bereich der Sportvereine als auch bei den normalen Besuchern. Leidtragende, so Wildoer, seien nun aber wieder die Kinder: „Viele waren gerade auf einem guten Weg, schwimmen zu lernen, und werden nun wieder unterbrochen.“

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