Stadtentwicklung

Mülheim: Politik gegen Anschluss der Hochschule an die U18

ÖPNV festgefahren: Die Linie 901 wird weiterhin Hochschule und Hauptbahnhof verbinden, die Pläne für eine U18 bis zur HRW nahm die politische Mehrheit nun vom Tisch.

ÖPNV festgefahren: Die Linie 901 wird weiterhin Hochschule und Hauptbahnhof verbinden, die Pläne für eine U18 bis zur HRW nahm die politische Mehrheit nun vom Tisch.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Mehrheit aus CDU, Grünen, AfD, MBI findet das Mülheimer Projekt zu teuer. Und zementiert den Erhalt des Ruhrtunnels für die nächsten 25 Jahre.

Die Mehrheit der Politik hat einer Anbindung der Hochschule Ruhr West (HRW) an die ­U-Bahnlinie U18 eine Absage erteilt. Die Investition sei zu teuer, habe nicht genügend positive Effekte – so der Tenor von Verwaltung, CDU und auch Grünen. Damit allerdings stirbt nicht nur das ambitionierte Projekt, sondern auch die Chance für die Stadt, sich in den kommenden 25 Jahren aus ihrer zementierten Situation im Nahverkehr – dem Ruhrtunnel – zu befreien.

Als „lehrreich“ kommentierte Daniel Mühlenfeld, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, mit feiner Doppeldeutigkeit die Erläuterungen der Verwaltung: „Wir müssen also im Status Quo verharren.“

Entscheidung zementiert Ruhrtunnel ohne Chance auf Entwicklung

Und das bedeutet: Die hohen Betriebs- und kommenden Sanierungskosten für den Ruhrtunnel bleiben bestehen , ohne dass die Stadt den damaligen, eigentlichen Grund für den Tunnelbau sinnvoll weiterentwickeln wird. Mehr noch: Durch die Entscheidung im Mobilitätsausschuss am vergangenen Donnerstag wird dies für die kommenden 25 Jahre nicht mehr ohne noch größere Investitionen möglich sein.

Zur Erinnerung: Der Durchbau der U18 sogar bis Duisburg war ein Kernanliegen des Verkehrsentwicklungsplans von 1980. Die Duisburger Linie 901 sollte durch die U18 ersetzt werden. Doch schon drei Jahre nach dem Rohbau 1992 beschnitt der Mülheimer Rat 1995 die U-Bahn-Linie. Seitdem endet sie am Hauptbahnhof. Stattdessen wurde die Linie 901 – mit ihrer eigenen Gleiskonstruktion – ins Zentrum der Stadt durchgeschleift. 1999 eröffnete Mülheim den Ruhrtunnel schließlich. Ohne den ursprünglich geplanten Nutzen einer durchgehenden Linie von Essen bis Duisburg.

Alternative zum Regional- und S-Bahnverkehr vergeben

Ein Durchziehen der U18 zur HRW wäre nicht nur eine „sinnvolle Anbindung“ zur HRW gewesen, hielt Mühlenfeld der Idee die Stange, sondern eine Alternative zum bestehenden Regional- und S-Bahnverkehr, der in der jüngsten Vergangenheit etwa durch den Stellwerksbrand und die Zerstörung der A 40-Brücke mangels Alternativen auf Busverkehr umstellen musste.

Der nun vorgelegte Prüfauftrag von Verwaltung und Ruhrbahn betrachtete drei Varianten: Ein Durchbau bis zur Hochschule, wo dann auch die 901 enden würde. Ein Durchbau bis zur Königstraße – ebenfalls mit Ende der Linie 901. Die Kosten schätzt die Ruhrbahn in jedem Fall mit rund 16 Millionen Euro ein. Dagegen lassen sich jedoch die ohnehin jetzt notwendigen Sanierungskosten für die Linie 901 im Ruhrtunnel rechnen, die somit wegfielen.

Tiefbauamt: Vorteile überwiegen nicht die Nachteile

Die letzte Variante sieht vor, die U18 durchzubauen, die 901 jedoch zu belassen. Da dies die aufwendigste wäre, schlug die SPD vor, die 901 dann besser oberirdisch bis zum Hauptbahnhof zu verlegen. Hier wiederum regte sich der Unmut der Verwaltung: „Wie wollen Sie die denn zum Hauptbahnhof führen?“, fragte Roland Jansen (Tiefbauamt) nicht ohne Berechtigung. Auch zöge eine oberirdische Verlegung der 901 zusätzliche Kosten in Millionenhöhe nach sich .

Für Jansen waren alle drei Varianten keine Alternativen: Wer von Speldorf und Duisburg in die Innenstadt wolle, müsse dann einmal umsteigen. Hingegen könnten diejenigen durchfahren, die von Essen und Heißen kommen – das seien allerdings deutlich weniger Fahrgäste. „Die Vorteile überwiegen nicht die Nachteile“, bilanzierte Jansen. CDU und auch die Grünen schlossen sich dem an. Mühlenfelds Mahnen, dass damit die Situation für die kommenden 25 Jahre entschieden wäre, verhallte.

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