Bildung

Mülheim: Baufirmen erteilten Brüder Grimm Schule eine Abfuhr

Eingerüstet ist der neue Verbindungsbau an der Brüder Grimm Schule. Die Fenster sind nach langem Warten in den Rohbau und das angrenzende Gebäude (r.) eingesetzt, dennoch haben sich die Bauarbeiten erneut verzögert.

Eingerüstet ist der neue Verbindungsbau an der Brüder Grimm Schule. Die Fenster sind nach langem Warten in den Rohbau und das angrenzende Gebäude (r.) eingesetzt, dennoch haben sich die Bauarbeiten erneut verzögert.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Geduld ist gefragt: Erst 2023 werden die Arbeiten an der Mülheimer Grundschule fertig werden. Die Pläne haben sich geändert, die Kosten steigen.

Lang schon wartet man in Styrum darauf, dass die Sanierung und der Ausbau der Brüder Grimm Schule ein Ende haben. Bereits aus Sommer 2015 stammt der Baubeschluss – an der Zastrowstraße aber geht es langsamer voran als erhofft. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Stadt einen Bauauftrag mehrfach ausgeschrieben, aber niemand zugegriffen hat. Die Kosten sind mittlerweile um rund 1,5 Millionen Euro auf etwa 15 Millionen Euro gestiegen, ursächlich ist unter anderem ein Feuchtigkeitsschaden. Um das Projekt doch noch erfolgreich zu Ende zu bringen, wurden die Baupläne überarbeitet. Der Finanzausschuss hat jetzt grünes Licht für die Veränderung und die Mehrkosten gegeben.

Festgehalten wird auf alle Fälle am „Münchener Lernhauskonzept“ und an der damit einhergehenden so genannten Modulbauweise – das bestätigten Schulverwaltung und Immobilienservice auf Nachfrage. Das besondere Konzept hatte den städtischen Bildungsausschuss von Anfang an fasziniert: Unter dem Dach der Brüder Grimm Schule sollen gewissermaßen viele kleine Schulen – die so genannten Lernhäuser – entstehen.

Wissensvermittlung, Selbstverantwortung und soziale Fähigkeiten

Im Alltag der Brüder Grimm Schule soll es nicht allein um Wissensvermittlung gehen, sondern auch um Selbstverantwortung und soziale Fähigkeiten – ganz wie in einer Familie. In überschaubaren Einheiten – den Clustern – sollen Lern- und Lebensorte geschaffen werden. Wie in einer familiären Wohnung werde ein solches Cluster künftig zum Beispiel von einer ganzen Jahrgangsstufe genutzt. Die Wege sollen kürzer werden, Räume und Personal nicht mehr über verschiedene Bereiche verteilt sein. In Verwaltung und Politik ist man überzeugt davon, dass sich Talente so besser entdecken lassen und entfalten können. Der Beziehung zwischen Lehrern und Schülern tue das Modell gut.

Da die Umsetzung großzügige Räumlichkeiten voraussetzt, zudem ein spezielles Farbkonzept vorsieht, hatte die klamme Stadt die Leonhard-Stinnes-Stiftung schon vor längerem um Unterstützung gebeten. Und tatsächlich wurden Fördermittel in Höhe von 1,9 Millionen Euro zugesagt – allerdings nur, wenn so genannte Modulbauten entstehen, die das Münchener Lernhauskonzept ermöglichen.

Ausschreibungen im April und Dezember 2019 blieben ohne Erfolg

Dementsprechend sah die Planung bislang vor, drei Gebäudeteile in besagter Modulbauweise zu errichten. Baufirmen aber ließen sich davon nicht ansprechen; die Ausschreibungen des Bauauftrages im April sowie im Dezember 2019 blieben gänzlich ohne Erfolg. Dabei sei man im zweiten Fall durchaus auf Wünsche möglicher Bieter eingegangen, hieß es von der Stadt. Eines der Gebäude aber lasse sich nur sehr schwer auf die angedachte Art und Weise umsetzen. Erschwerend kam hinzu, dass ein anderes der drei Gebäude mittlerweile einen Feuchtigkeitsschaden aufweist, den die Stadt mit rund 600.000 Euro veranschlagt.

Gerettet werden soll das Vorhaben nun dadurch, dass nur noch zwei der ursprünglich drei Gebäude in Modulbauweise errichtet werden. Das Hauptgebäude wird einen Anbau in eben dieser Bauweise erhalten und der bisherige OGS-Pavillon – die Immobilie mit dem Feuchtigkeitsschaden – wird abgerissen und entsprechend neu errichtet. Das dritte Gebäude mit Aula und Toiletten soll aus bautechnischen Gründen auf konventionellem Wege entstehen, Stiftungsmittel können dafür dann nicht mehr eingesetzt werden. Man gehe davon aus, dass es nun einfacher ist, Baufirmen für diesen Arbeitsschritt zu finden, so die Stadt.

Schule soll im Sommer 2023 fertig werden

Die ersten Arbeitsschritte in Styrum fanden bereits 2016 statt; die Bauarbeiten werden Schritt für Schritt abgewickelt, damit der Schulbetrieb weiterlaufen kann. Seit 2018 laufen der Ausbau der Schule und die Grundsanierung der Turnhalle. Aktuell und wohl noch bis zum Ende der Herbstferien wird zum Beispiel das Dach der Halle gedeckt. In den Sommerferien waren außerdem Trockenbauer am Werk; die die Unterkonstruktion im Sanitärbereich fertiggestellt haben, damit die Sanitärfirma anrücken kann. Zudem ist mit der technischen Gebäudeausrüstung begonnen worden; eine Maßnahme, die sich wohl noch über zweieinhalb Jahre ziehen wird, so die Stadt. Die aktuell noch separaten Baukörper sollen letztlich übrigens alle miteinander verbunden sein.

Was mit einem Baubeschluss im Sommer 2015 begonnen hat, wird voraussichtlich erst im Sommer 2023 Realität sein. Das, so heißt es von Schulverwaltung und Immobilienservice, sei eine lange Zeit. Ganze Grundschulgenerationen würden nicht mehr von dem Projekt profitieren, „doch die Schulgemeinschaft hat immer vor Augen gehabt, dass dort etwas ganz Besonderes geschaffen wird, auf das es sich zu warten lohnt“, so Peter Hofmann, stellvertretender Schulamtsleiter. Weder Schulträger noch Schulgemeinde hätten auf das Münchener Lernhauskonzept – und auch die Finanzspritze der Stiftung – zugunsten einer möglicherweise schnelleren Lösung verzichten wollen.

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