Internetnutzer

Menschen hinterlassen zu oft unbedacht Spuren im Netz

Auch das Thema „Fake-News“ ist nicht neu, so der Wissenschaftler. Schon die alten Römer hatten mit gefälschten Nachrichten zu tun.

Foto: Ingo Otto

Auch das Thema „Fake-News“ ist nicht neu, so der Wissenschaftler. Schon die alten Römer hatten mit gefälschten Nachrichten zu tun. Foto: Ingo Otto

Mülheim.   Medienwissenschaftler Oliver Zöllner trägt dazu bei, dass Menschen zu mündigen Internetverbrauchern werden. Kaum Gedanken über Konsequenzen

Fast jeder ist mittlerweile im Netz unterwegs. Aber machen sich die Menschen auch Gedanken darüber, welche Spuren sie dort hinterlassen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Oliver Zöllner. Der Medienwissenschaftler hat am vergangenen Freitag an der Volkshochschule einen Vortrag darüber gehalten. Der Professor, der an der Stuttgarter Hochschule für Medien das Fach Digitale Ethik unterrichtet, ist in Mülheim schon ein alter Bekannter. Bereits zum dritten Mal hat er nun in der Volkshochschule über korrektes Verhalten im Internet referiert. Oliver Zöllner, der ursprünglich auch einmal als Journalist gearbeitet hat, lebt in Essen.

Ihr Fach heißt Digitale Ethik – was kann man darunter verstehen?

Ethik, das klingt natürlich für manche Menschen etwas abgehoben. Aber tatsächlich geht es um ganz praktische Dinge. Wir wollen dazu beitragen, dass die Menschen zu aufgeklärten Nutzern des Internets werden. Vielen, die in den Sozialen Netzwerken aktiv sind, ist nicht klar, dass ihre Daten gespeichert und kommerziell verwertet werden. Ein Experiment: Menschen bekommen fünf Euro für ihre Daten geboten. Die meisten nehmen das Geld. Viele sagen, es sei ihnen egal, dass ihre Daten gesammelt würden. Dabei kann man die Konsequenzen noch gar nicht abschätzen. Bei Facebook zum Beispiel treten die Nutzer die Rechte an ihren Bildern dort für immer ab. Wir wissen ja gar nicht, was so ein Konzern vielleicht in zehn Jahren mit diesem Material macht.

Würden Sie dafür plädieren, dann lieber auf Aktivitäten im Netz zu verzichten?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht grundsätzlich gegen Social Media. Wichtig ist nur, dass die Nutzer wirklich wissen, unter welchen Voraussetzungen sie dort aktiv sind. Das fängt etwa damit an, dass man auch die Nutzungsbedingungen liest und nicht einfach auf „Zustimmen“ klickt.

Nur wenn der Verbraucher wirklich weiß, worauf er sich einlässt, kann er verantwortlich entscheiden, was er will und was nicht. Man kann ja auch sagen: Ich finde es nicht schlecht, dass meine Daten gesammelt werden und ich dann auf mein Profil zugeschnittene Werbung bekomme. Das kann man ja auch als Service verstehen. Um so eine Entscheidung zu treffen, muss man aber einen realistischen Blick auf die Sozialen Netzwerke haben. Das sind eben Konzerne und die haben wirtschaftliche Interessen.

Es geht Ihnen also um den mündigen Verbraucher. Sind da nicht letztlich in der digitalen Welt die gleichen Fähigkeiten wie in der analogen gefordert?

In der Tat, so ist es. Auch das Thema „Fake-News“ ist nicht neu. Auch die alten Römer hatten schon mit gefälschten Nachrichten zu tun. Die Phänomene kennen wir also eigentlich. Der Unterschied zu früher liegt darin, dass im Netz die Reichweiten größer sind. Um diese Wirkung zu untersuchen, haben wir vor vier Jahren das Institut für digitale Ethik gegründet. Wichtig ist für uns neben der Lehre und der Forschung auch die Wirkung nach außen. Deswegen halte ich auch gerne solche Vorträge.

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