Kommentar

Maskenpflicht: Stadt muss Unverständnis ernst nehmen

Ein Kommentar von Linda Heinrichkeit zur Maskenpflicht in Mülheimer Einkaufszonen.

Ein Kommentar von Linda Heinrichkeit zur Maskenpflicht in Mülheimer Einkaufszonen.

Foto: WAZ

Mülheim.  Hitzig diskutiert wird über die Maskenpflicht in Mülheimer Einkaufsstraßen. Die Stadt sollte das Unverständnis vieler Bürger ernstnehmen.

Selten gab es eine solch hitzige Diskussion in sozialen Netzwerken über aufgestellte Corona-Regeln wie über die seit Dienstag geltende Maskenpflicht in der Innenstadt sowie in mehreren Stadtteilen. Da echauffierten sich Mülheimer nicht nur über die zunächst fehlende Eppinghofer Straße, für die die Stadt am Dienstagmittag nachjustierte. Viele hinterfragten den Sinn – volle Straßen in Mülheim? Die gebe es doch kaum. Die Stadt sollte das Unverständnis zahlreicher Bürger ernstnehmen.

Nichts ist gefährlicher in einer Pandemie-Lage als die Leugner derselben. Wer nicht an die reelle Gefahr des Coronavirus glaubt, der wird Regeln nicht einhalten, wird zur potenziellen Virenschleuder – bis er gegebenenfalls durch eine eigene Erkrankung eines besseren belehrt wird. Umso wichtiger ist es, bei all den – größtenteils sinnvollen und gesundheitsschützenden Maßnahmen – die Mehrheit der Bürger hinter sich zu wissen.

Familienfeste als Corona-Hotspots: Kaum einer kritisiert die Einschränkungen

Familienfeiern als Corona-Hotspots – kaum ein vernünftiger Mensch kritisiert die Maßnahme, dass Feste stark eingegrenzt werden, waren doch sowohl in Mülheim als auch in den Nachbarstädten größere Zusammenkünfte oft Grund für dutzende Infektionen. Anders aber sieht es aus, wenn es um die Maskenpflicht an der frischen Luft geht.

Wie die Stadt bestätigt, gibt es keine nachweisbaren Infektionen, die mit Begegnungen in den Stadtteilzentren und der Innenstadt begründet sind. Auch die Nachbarstadt Essen sieht in der Fußgängerzone keinen Ort, der das Infektionsgeschehen in die Höhe schnellen ließe und verzichtet deshalb auf die Maskenpflicht im Zentrum, ebenso wie Duisburg. Zumal laut RKI das Coronavirus erst übertragen wird, wenn zwei Menschen mindestens 15 Minuten mit weniger als eineinhalb Metern Abstand miteinander verbringen.

Unverständliche Maßnahmen führen zu Missmut und Anti-Haltung

Spricht die Stadt von einer Bewusstseinsschärfung für die aktuelle Infektionslage, dann ist das Erlassen von Maßnahmen, die ein großer Teil der Bürger nicht nachvollziehen kann, nicht der richtige Weg. Dies kann zu Missmut führen, zu einer Anti-Haltung.

Keinem tut es weh, eine Maske auch draußen zu tragen. Doch sind Regeln, die sich nicht in einer reellen Infektionsgefahr begründen, Wasser auf die Mühlen derjenigen, die ohnehin meinen, der Staat greife zu sehr in ihre Rechte ein – und die mit gefährlichem Leugnen der Corona-Bedrohung selbst zu einer echten Gefahr werden. Wenn die Pandemielage es zwingend erfordert, darf der Staat die Rechte seiner Bürger einschränken. Doch sollte der Gesundheitsschutz immer gegen andere Rechtsgüter abgewogen werden, muss jeder dieser Eingriffe gut erklärt, mit Fakten untermauert sein – und nicht wie purer Aktionismus wirken.

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