Ausstellung

Martin Sieverding schafft Kunstwerke, die man berühren will

Martin Sieverding in seinem Atelier in der Ruhr-Galerie in Mülheim. Der Künstler schafft dort Gemälde und Raumbilder aus unterschiedlichen Materialien wie Sumpferde, Asche oder Strumpfhosen.

Martin Sieverding in seinem Atelier in der Ruhr-Galerie in Mülheim. Der Künstler schafft dort Gemälde und Raumbilder aus unterschiedlichen Materialien wie Sumpferde, Asche oder Strumpfhosen.

Foto: Udo Gottschalk

Mülheim.  In der Ausstellung „Deconstructures“ zeigt Martin Sieverding Gemälde, Fotos und Raumbilder, die Einblick in tieferliegende Strukturen gewähren.

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„In der Regel gehen meine Werke nur kaputt, wenn ich das will“, sagt Martin Sieverding und schmunzelt. Der 56-Jährige steht vor einem Gemälde in Grautönen, welches Furchen durchkreuzen, die eine Schicht rote Farbe hindurchschimmern lassen. Er kreiert Gemälde, die Reliefs aus unterschiedlichen Materialien bilden. Schicht für Schicht trägt der Künstler Farbe, kaltes Wachs, Sumpfkalk oder andere Texturen auf eine Leinwand auf, nur um diese neu erschaffenen Strukturen teilweise wieder zu zerstören.

Zu sehen sind seine Werke unter dem Titel „Deconstructures“ ab Samstag, 3. März, in der Galerie an der Ruhr. „,Deconstructures’ ist eine Wortneuschöpfung, die zum Nachdenken anregen soll“, erklärt der Künstler. Für ihn steht der Begriff zum einen für die „Dekonstruktion von Schichtungen“, zum anderen spiegelt er die Faszination des Künstlers für Strukturen wider.

Kombination aus Zartheit und Kraft

Seine Werke sind für ihn eine Kombination aus „großer Zartheit und roher Kraft“. Besonders Stoffe, die sich abstießen, seien für ihn interessant. „Daraus ergeben sich wunderschöne Strukturen“, erklärt Sieverding. Die feinsten, hauchdünnen Materialien werden an einigen Stellen bewusst rissig und eröffnen den Blick auf darunterliegende Texturen. „Ich begeistere mich für Transparenzen“, sagt er. Darum zeigen auch viele seiner Fotos Fenster oder sich überlagernde Fasern, wie Tapetenfetzen an einer Wand.

Schicht für Schicht zum fertigen Kunstwerk

Schicht für Schicht zum fertigen Kunstwerk

Die Ausstellung in der Ruhr-Galerie zeigt Fotografien, Gemälde und Raumbilder des Künstlers. Letztere seien der Idee entsprungen, die verschiedenen Ebenen noch weiter auseinanderzuziehen. „Jeder von uns besteht aus Erinnerungsschichten. Die versuche ich, zu visualisieren“, erklärt er. Seine fließende Gestik und seine aufrechte Haltung verraten, dass Sieverding, wenn er nicht im Atelier ist, Tango unterrichtet. Er beschreibt seine Werke als „Spiegel meiner Seele“, allerdings offenbarend und verschlüsselnd zugleich: „Meine Kunst ist sehr abstrakt, zeigt aber viel von mir.“

Verschiedenste Materialien

In seinem geräumigen „Arbeitszimmer“ finden die unterschiedlichsten Materialien Platz. An der einen Wand stapeln sich Eimer. Daneben, in einem kleinen Regal, liegen Tuben, Pinsel und andere Malutensilien. An der gegenüberliegenden Wand stehen säuberlich aufgereiht Farben in einem niedrigen Regal. Sieverding entdeckt immer wieder recht außergewöhnliche Gegenstände für sich und entfremdet diese für seine Kunst ihrem eigentlichen Zweck. So finden sich in einem seiner Raumbilder hautfarbene Strumpfhosen, ein anderes Gemälde zieren geschmolzene Plastikflaschen. „Viele halten die für chinesisches Porzellan“, sagt er und lächelt mehr mit den Augen als mit dem Mund.

Einige seiner Arbeitsmaterialien stammen von Reisen. Sieverding erzählt, wie er Ocker aus Südfrankreich mitbringen wollte. „Da standen überall Verbotsschilder, weil das wohl schon zu viele gemacht haben. Meine Freundin hat dann Schmiere gestanden.“ Nach einiger Zeit hätten sich die Hände der beiden von der Erde rötlich verfärbt. „Die haben wir dann hinter unserem Rücken versteckt, um nicht aufzufliegen.“ Erzählt er und lacht verlegen.

Blick für das Vergängliche

Der Maler arbeitet gerne mit natürlichen Materialien und hat einen Blick für das Vergängliche. „Darin liegt viel Schönes“, sagt er. Darum sei es auch ihm als vergänglichem Wesen wichtig, in seiner Zeit auf Erden etwas Schönes zu erschaffen.

>>>INFO: Werke von Martin Sieverding in der Ruhr-Galerie

Martin Sieverdings Ausstellung „Deconstructures“ findet vom 3. bis zum 24. März in der Galerie an der Ruhr statt. Ausgestellt werden Gemälde, Raumbilder und Fotografien.

Die Vernissage ist am Samstag, 3. März, um 19 Uhr. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind Montag bis Sonntag von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr sowie nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei.

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