Schule

Kaum Platz in Mülheimer Schulen für Seiteneinsteiger

Zugezogene beim Physikunterricht: Bald müssen auch die

Zugezogene beim Physikunterricht: Bald müssen auch die

Foto: Kerstin Bögeholz

Mülheim.   Alle Schulen sind voll ,so das Schulverwaltungsamt. Gleichzeitig bleiben Anmeldezahlen von Migranten hoch. Mobile Pavillons als einzige Lösung?

In den Mülheimer Schulen wird es eng – nicht nur aufgrund der steigenden Geburtenrate, auch aufgrund der hohen Zahl an Seiteneinsteigern, also neu eingereisten Kindern mit wenig Deutschkenntnissen. 45,5 Seiteneinsteiger melden sich derzeit pro Monat an, erwartet hat das Kommunale Integrationszentrum (KI) lediglich um die 30. Der Durchschnittswert im Jahr 2017 lag nur bei 40 pro Monat.

Die Verwaltung muss also mehr Kinder unterbringen als früher, plant deshalb an einer Hand voll Schulstandorten mobile Pavillons aufzustellen. Schuldezernent Ulrich Ernst begründete den umstrittenen Schritt im Bildungsausschuss erneut damit, dass es darum gehe, „schnell Lösungen zu finden“. Es seien dringend weitere Kapazitäten erforderlich und für klassische Neubauten fehle schlicht die Zeit. „Die sind nicht bis zum Sommer fertig, da muss man mit zwei, drei Jahren rechnen.“

Kapazitäten werden weiter belastet

Die erwarteten 30 Anmeldungen sind für das KI ein Standardwert für Phasen regulärer Einwanderung. Dass eine solche Phase mit Blick auf die Schulanmeldung – trotz stetig sinkender Flüchtlingszahlen – noch nicht erreicht ist, erklärt sich das KI unter anderem durch den Schulwechsel jugendlicher Ausländer. Denn neben Migranten, die sich erstmals in einer Schule anmelden, wechseln auch zahlreiche, länger in Deutschland lebende Seiteneinsteiger in die Sekundarstufe I – womit die Anmeldezahlen steigen und die Kapazität der weiterführenden Schulen weiter belastet wird. Dabei seien die Plätze in den Jahrgängen 5-7 bereits jetzt vollständig ausgeschöpft.

Eine weitere Herausforderung ist, sich von der „Übergangslösung“ des Systems „Schule 2.0“ zu verabschieden. In der ehemaligen Max-Kölges-Schule – heute Teilstandort der Realschule Mellinghofer Straße – werden rund 70 Geflohene ohne täglichen Kontakt zu deutschen Schülern unterrichtet. Wie Ernst berichtete, habe die Bezirksregierung Düsseldorf bei einem Besuch im letzten Jahr deutlich gemacht, dass Seiteneinsteiger eigentlich von Anfang an in den Regelunterricht integriert werden müssen. „Auf Dauer wird die Bezirksregierung die Schule 2.0 nicht tolerieren, wir müssen da Abhilfe schaffen“, so Ernst. Nur: Die Kapazitäten der Regelklassen werden so noch weiter ausgeschöpft.

1154 Seiteneinsteiger an Mülheimer Schulen

Aktuell gibt es an den Mülheimer Schulen insgesamt 1154 Seiteneinsteiger, davon 503 an Grundschulen, 646 an weiterführenden Schulen und fünf an der Waldorfschule. Den größten Zuwachs im Februar an neuen Seiteneinsteigern verzeichnen dabei die Berufskollegs, unter anderem durch die Einrichtung von drei neuen Gruppen im Landesprogramm „Fit für Mehr“, über das sich Neuzugewanderte, im Alter über 18 Jahren schulisch auf den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt vorbereiten können. Seit Beginn des Jahres haben sich 91 Seiteneinsteiger aus 23 Nationen angemeldet, vor allem aus dem Irak (25), Afghanistan (14) Guinea (7) und Syrien (6).

Angesichts dieser Zahlen sprach auch Schulverwaltungsamtsleiter Uwe Alex im Ausschuss von einer „angespannten“ Situation. „Alle Schulen sind voll.“ An der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, die sich in der Vergangenheit durch die hohe Zahl der Seiteneinsteiger überbelastet sah, wurden seit August 2016 insgesamt 93 Seiteneinsteiger aufgenommen, 108 seien grundsätzlich möglich. Auf diese Kapazitäten könne man nicht verzichten. „Manchmal ist es einfach so, dass man auch auf nachvollziehbare Wünsche nicht eingehen kann.“

Die Gustav-Heinemann-Schule hat auf Anfrage dieser Zeitung dazu keine Stellung bezogen.

>> Gesonderter Deutschunterricht

- Nicht nur Flüchtlinge, auch alle anderen Migrantenkinder werden in den ersten zwei Jahren nach ihrer Ankunft grundsätzlich in Seiteneinsteiger-Klassen unterrichtet.

- Normalerweise sollen die Seiteneinsteiger direkt am regulären Unterricht teilnehmen – neben zehn bis zwölf wöchentlichen Stunden gesondertem Deutschunterricht.

- Unterrichtet werden die Kinder dabei von Integrationslehrern. Für 15 bis 18 Seiteneinsteiger rechnet die Stadt mit einer halben Stelle für die Sprachförderung.

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