Lesung

Geschichten über Flucht, Liebe und das Ankommen in Mülheim

Autoren der Redaktion "Neu in Deutschland" lesen im Mülheimer Restaurant Leineweber: Dima Halabi, Issam Alnajm und Laila Ammi.

Autoren der Redaktion "Neu in Deutschland" lesen im Mülheimer Restaurant Leineweber: Dima Halabi, Issam Alnajm und Laila Ammi.

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.  Junge Autoren der Zeitung „Neu in Deutschland“ waren zu Gast im Restaurant Leineweber. Sie beeindruckten mit ihrer ganz persönlichen Sicht.

Sie erzählen von der Flucht, sie erzählen von der Liebe, sie erzählen vom Ankommen – mithilfe ihrer Geschichten, ihrer Gedichte, ihrer Texte. Die, das sind die jungen und auch mal älteren Autoren von „Neu in Deutschland“ (nid), einer deutschsprachigen Zeitung, gefüllt mit den Texten geflüchteter Frauen und Männer. Drei von ihnen waren jetzt im Restaurant Leineweber in der Innenstadt zu Gast. Und machten diesen Ort unter den Platanen innerhalb kürzester Zeit und weniger gesprochener Worte zu einem besonderen Ort der Begegnung.

Auf Einladung des Teams der Gleichstellungsstelle mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Antje Buck, und Cäcilia Tiemann, ihrer Stellvertreterin, waren die jungen Autoren nach Mülheim gekommen. Was ausblieb, war das Interesse der Mülheimer. Nur wenige waren an diesem späten Nachmittag gekommen. Die Gäste von nid störte es aber nicht.

Vertrauen in die Zuhörer

Die drei Autoren Laila Ammi, Issam Alnajm und Dima Halabi könnten so viel über Flucht, Heimat und das Ankommen erzählen, dass es für viel mehr als für eine Lesung reicht. Mit dabei war auch Rusen Tayfur, die die Texte von weiteren Autoren, die für nid schreiben, eindringlich vortrug. „Das alles ist sehr aktuell“, sagt Antje Buck und auch: Anderen Menschen die eigenen Texte vorzutragen, das mache „Glücksgefühle“ und sei ein „Vertrauensbeweis“ für jeden Zuhörer.

Und so fühlt es sich auch an, beim Zuhören. Die vier Lesenden nahmen die Gäste mit, auf eine Reise der Gefühle – da ist große Freude, Liebe, Spannung, Neugier, aber auch Angst, Sehnsucht und Wut. Vor allem aber auch die Möglichkeit, sich in die Geflüchteten hineinzuversetzen, eine ganz persönlicher Perspektive eben.

Appell an die Mülheimer Bevölkerung

Dima Halabi kam vor einem Jahr nach Deutschland. Ihr in Syrien begonnenes Studium der Pharmazie möchte sie in Deutschland fortsetzen. Ihr Aufruf, ihr Text geht raus in den Mülheimer Abend und könnte präziser doch gar nicht sein: „Steckt uns nicht in eine Wasserpfeife!“ schließt sie. Wie wahr – ganz egal ob Wasserpfeife oder Schublade! Issam Alnajm, der junge Mann, kam vor drei Jahren nach Deutschland, für nid schreibt er seit zwei Jahren. Seine Gedichte sind Werke voller Geschichte, der eigenen, voller Gefühle, der eigenen. Er sagt, stellvertretend für die anderen: „Wir machen gerne Lesungen, um den Menschen zu begegnen und um neue Menschen kennenzulernen“.

Er freut sich – gemeinsam mit seinen Autorenkollegen – „dass wir mit unserer Stimme die Deutschen erreichen können“. Laila Ammis Stimme ist eine ganz besondere. Sie beginnt an diesem Abend auch zu singen, in ihrer Heimatsprache, so eindringlich, so einfühlsam, ihr Lied geht nahe. Und das, obwohl man nicht ein Wort versteht.

Ehrenamtliches Engagement

Neu in Deutschland ist seit zwei Jahren die Basis für die unterschiedlichsten persönlichen Begegnungen, mithilfe von öffentlichen Aktionen, Lesungen, Interviews. Die preisgekrönte Bochumer Initiative fördert Sprachkompetenz, gesellschaftliche Teilhabe, demokratisches Bewusstsein. Die drei Autoren, die in Mülheim gelesen haben, haben noch viele weitere Autorenkollegen bei nid. Sie alle lesen und arbeiten ehrenamtlich und kostenlos für nid.

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