Amateur-Radio-Club

Funker lassen Ballon in Richtung Weltraum steigen

Daniel Roth und seine Mitstreiter vom Mülheimer Amateur Radio Club MARC starten den Stratosphärenballon mit einer Onboard-Kamera.

Daniel Roth und seine Mitstreiter vom Mülheimer Amateur Radio Club MARC starten den Stratosphärenballon mit einer Onboard-Kamera.

Foto: Alexandra Roth

Broich.   Clubmitglieder sammeln mit „Stella-9“ Daten und schießen imposante Bilder aus der Stratosphäre. Drei bis vier Starts pro Jahr.

Es ist Samstagmorgen, 11 Uhr vormittags, als auf dem Hof der Realschule Broich fünf Männer freudig-vergnügt in den blauen Himmel schauen. „Siehst du ihn noch?“, fragt einer. Aber da hat sich der gelbe Ballon auch schon hinter einer großen weißen Wolke versteckt. Die fünf Herren sind Mitglieder des Mülheimer Amateur-Radio-Clubs (MARC) und haben gerade erfolgreich ihren Stratosphärenballon „Stella 9“ gen Weltraum geschickt.

Nach dem verlorenen Sichtkontakt bleiben jetzt nur noch GPS- und Funksignale, um Infos über seine Position zu erhalten. Und die sind weit über Mülheims Grenzen hinaus zu orten. Daniel Roth, Vorsitzender des MARC, hält sein Handy in den Händen und schaut nach den ersten Empfangsbestätigungen: „Hier ist sogar aus Schweden eine dabei.“ So weit wird der Ballon nicht fliegen. „Nach den Wetterprognosen wird er sehr wahrscheinlich in Hessen in der Nähe von Marburg landen“, mutmaßt Daniel Roth. Zwischenzeitlich hat der Ballon dann wohl drei Stunden Flug hinter sich und ist in 30 km Höhe weit über die Wolkengrenze vorgestoßen.

Ballonhülle aus Latex platzt

Aufgrund des geringen Luftdrucks platzt dort die mit Helium gefüllte Ballonhülle aus Latex und ein Fallschirm sorgt dann für den abgebremsten Fall zurück auf die Erde. Zurückgebracht werden dann nicht nur die Funksender, sondern auch von Sensoren ermittelte Messwerte und Bilder zweier Kameras. „Das sind wirklich beeindruckende Bilder, die man zu sehen kriegt“, meint MARC-Kollege Frank Nadj. „Denn in der Stratosphäre ist der Himmel auch tagsüber schwarz. Und darunter ist die sauerstoffreichere Luft in der Erdatmosphäre nur noch als dünne blaue Linie erkennbar.“

Die imposanten Bilder sind nicht die einzige Motivation für die Radioamateure, um solche Flüge zu unternehmen: „Die kalten Temperaturen setzen die an den Ballon installierten Geräte einem echten Härtetest aus“, erläutert Roth. Außerdem sind die Apparaturen bis auf die Kameras alle im Selbstbau erstanden. Hinzu kommt die abenteuerliche „Schnitzeljagd“, das Auffinden des gelandeten Ballons. Dafür wird direkt nach Start per Auto die Fährte aufgenommen.

Drei bis vier Ballon-Starts pro Jahr

„Stella-9“ ist nicht der erste Ballon, den die Funkamateure in die Atmosphäre schicken. Daniel Roth: „Pro Jahr sind es drei bis vier Starts, die wir machen. Aber wir fahren nicht allen hinterher. Dies machen wir nur, wenn wir wiederverwertbare Geräte einsetzen.“ Fliegt der Ballon ohne diesen Ballast in die Lüfte, kann er sogar Reichweiten bis nach Kreta erreichen, was den Hobbyfunkern kürzlich gelungen ist. Eine halbwegs gelungene Bergung konnten die Mitglieder am nächsten Tag vermelden. „Stella 9“ hatte es doch ein wenig weiter getrieben, wie prognostiziert: Als kuscheligen Landeplatz suchte er sich einen Tannenwipfel im Thüringer Wald aus. Da wartet er nun darauf vom Wind auf den Boden gepustet zu werden, um schließlich vom hilfsbereiten Jagdaufseher zurück nach Mülheim geschickt werden zu können.

Eigener Youtube-Kanal

Bilder vom Flug des Ballons werden demnächst auf dem Youtube-Kanal von DL6 OW zu finden sein. Jeden Sonntag findet um 10.30 Uhr auf der Frequenz 145,275 Mhz ein Rundspruch des MARC statt.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten der Amateur-Funker gibt es im Internet: www.marc-radioclub.de

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