„Weltenwanderer“

Erinnerungen einer Lebensreise im Kunstmuseum Mülheim

Maryam Motallebzadehsind Schriften und die innere Reise zentrale Themen ihrer Kunst. Ab heute ist ihre Installation im Kunstmuseum zu sehen

Foto: Oliver Müller

Maryam Motallebzadehsind Schriften und die innere Reise zentrale Themen ihrer Kunst. Ab heute ist ihre Installation im Kunstmuseum zu sehen Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Die Künstlerin Maryam Motallebzadeh zeigt ihr jüngstes Werk im Rahmen der „Weltenwanderer“-Ausstellung. Auch ihr Film „Zweie“ ist dort zu sehen.

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Knieend arbeitet Maryam Motallebzadeh an ihrer Installation. Meterlange Papierbahnen liegen auf dem Boden, handschriftlich beschrieben. Was darauf steht, ist nicht klar zu erkennen. „Es sind Erinnerungen, die langsam verwischen“, erklärt die Iranerin, die zu den 23 Künstlern zählt, die ihre Arbeiten in der neuen Ausstellung „Weltenwanderer“, die heute um 18 Uhr eröffnet wird, im Kunstmuseum zeigen.

Ein Labyrinth aus Schleiern

Bevor sie in dem großen Ausstellungsraum weiter arbeitet, schreitet die zierliche Frau aus Tabriz durch den schon fertigen Part ihres Werks: Ein Labyrinth aus fünf Meter langen zarten Schleiern. Mal tief blau, mal eher türkis. Nur unterbrochen von den ebenfalls in gut fünf Metern Höhe befestigen Papierbahnen. Das hereinscheinende Licht erzeugt in Kombination mit den Collagen eine Kirchenfensteroptik. Motallebzadeh nickt zufrieden. Jedes Mal, wenn sie sich auf die Reise durch das Labyrinth macht, begibt sie sich auch auf ihre eigene Lebensreise, das zentrale Element ihrer Kunst.

1999 kam die lebensfrohe Künstlerin nach Deutschland, fühlt sich aber auf der ganzen Welt zu Hause. „Ich habe mich noch nie irgendwo fremd gefühlt“, sagt sie und setzt ihre Arbeit am Ende des Labyrinths fort. Hier wollen noch viele kleine Papierschnipsel mit einander verbunden werden. Knoten für Knoten, bis auch sie die fünf Meter erreicht haben und eine weitere Station der inneren Reise darstellen. Dabei ist es überhaupt nicht wichtig, was genau auf dem Papier steht. „Jeder, der durch dieses Labyrinth geht, soll mit sich selbst und seinen Erinnerungen und seiner eigenen Lebensreise konfrontiert werden“, berichtet Motallebzadeh, die an ihrer Installation nicht etwa spontan arbeitet.

Im kleinen schwarzen Notizbuch notiert

Alles ist bis ins kleinste Detail geplant, erzählt sie und holt wie zum Beweis ihr kleines schwarzes Notizbuch aus der Tasche. Mit Bleistift sind die Grundrisse ihrer Installation zu erkennen: Meter-Angaben, Materialien und auch die Video-Wand, die die Besucher ebenfalls in ihrer Installation erwartet. Zu sehen sein wird „Zweie“, ihr Film, der die Auseinandersetzung im seelischen Erleben zwischen den Welten veranschaulicht.

„Und zum Abschluss“, Motallebzadeh lächelt und streicht ihr dunkles, lockiges Haar zurück, „kommt noch etwas sehr Schönes, wofür ich dem Team des Museums sehr dankbar bin.“ Sie stellt sich in ein auf dem Boden gekennzeichnetes Quadrat. „Hier kommt noch eine Schreibecke hin, in der man Postkarten von dieser Ausstellung schreiben kann“, erklärt die 47-Jährige. „Die Karten werden dann von hier verschickt, denn das Museum war früher ja schließlich eine Post.“

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