Thema der Woche: Mülheimer Stiftungen

Ein Schatz für die Stadt

Foto: WAZ

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Die Leonhard-Stinnes-Stiftung fördert allein dieses Jahr 161 Projekte mit knapp zwölf Mio Euro. Die Augenklinik profitiert dauerhaft von der Schenkung der Eheleute – aber auch Bildung und Kultur, Jugend, Sport und Soziales.

Das Stiftungsvermögen gehört in Mülheim in die nicht ganz so große Rubrik „gut gehütete Geheimnisse”. Nur soviel wird verraten: Im dreistelligen Millionenbereich ist das Vermögen der Leonhard-Stinnes-Stiftung angesiedelt. Ein Schatz für die Stadt, von dem fast alle profitieren. Denn die Stiftung ist einer der großen und stillen Geldgeber. Kaum ein Projekt, das nicht profitiert. 161 waren es allein im laufenden Jahr, für die der Stiftungsrat Geld locker machte – und zwar eine enorme Summe: insgesamt knapp zwölf Mio Euro, Tendenz steigend.

Angeblich 4,3 Mio Goldmark lieferten die finanzielle Basis für die Stiftung. Das Vermögen stammt aus dem Besitz von Dr. Hermann Leonhard und seiner Frau Margarete, einer geborenen Stinnes. 1904 entschloss sich der Mülheimer Arztsohn, der Stadt Mülheim das Grundstück des Ausflugslokals „Johannesburg” zu schenken. An der Hingbergstraße wollte Leonhard, damals schon 69 Jahre alt, eine Augenklinik betreiben.

Der Mediziner hatte ursprünglich eine Bergbau-Karriere einschlagen wollen, bekam aber Probleme durch die staubhaltige Luft unter Tage und litt zeitlebens unter einer Augenerkrankung. So wechselte er zum Medizinstudium und interessierte sich vor allem für das recht junge Fach Augenheilkunde. Durch seine Kliniktätigkeit am Evangelischen Krankenhaus (1864 bis1884) wurde Leonhard der Bedarf an speziellen Augenärzten und Heilmethoden deutlich.

Auslöser für die Klinikpläne und die „Schenkung Augenanstalt” für „Unbemittelte und Arme” war wohl auch der Tod der Tochter Gretchen, der potenziellen Erbin des Familienvermögens. Das Geld kam auch von der Stinnes-Seite. Leonhards Frau Magarete (1840-1911) war die jüngste Tochter des legendären Firmengründers Mathias Stinnes. Der Schenkungsvertrag wurde am 23. April 1904 geschlossen, die Einweihung der Klinik am 4. Juli 1907 erlebte der Stifter nicht mehr. Margarete Leonhard starb 1911, testamentarisch fiel der Stadt danach ein größeres Vermögen zu, aus dem nach wie vor die (übrigens ohne öffentliche Mittel gebaute) Augenklinik unterstützt wird. Aber eben nicht nur. Allein 2008 wurden laut Stadtsprecher Volker Wiebels im Bereich Bildung und Kultur 77 Projekte gefördert, 32 im Jugend- und Sport-, 22 im Sozialbereich. In 25 Fällen profitierte die Augenklinik von der Stiftung.

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