Nahverkehr

Das Mülheimer Straßenbahnnetz kappen oder ausbauen?

Ob die Straßenbahn die neuen Weichen auf der Oppspringkreuzung noch braucht, wird gerade geprüft.

Ob die Straßenbahn die neuen Weichen auf der Oppspringkreuzung noch braucht, wird gerade geprüft.

Foto: Alexandra

Mülheim.   Obwohl die Oppspringkreuzung im Sommer neue Weichen erhält, soll die Stadt prüfen, ob die Tram auf dem Kahlenbergast wirtschaftlich fährt.

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Sollen dauerhaft Straßenbahnen oder Busse über die Bismarckstraße fahren? Die Debatte darüber reißt nicht ab. Während die Christdemokraten lieber heute als morgen die Schienen des Kahlenbergastes herausreißen wollen, erwarten die Sozialdemokraten erst eine dezidierte Prüfung, ob Busse überhaupt wirtschaftlicher fahren. Außerdem wird in diesem Jahr die Oppspringkreuzung erneuert – mit neuen Abzweigweichen zum Kahlenberg für die Linie 104. Land und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) geben 3,6 Millionen Euro als Zuschuss. Bei einer Stilllegung des Kahlenbergastes sind Rückzahlungen an das Land in fast fünffacher Höhe (mindestens 16 Millionen Euro) fällig

Verlängerung zum Hauptbahnhof wird untersucht

Wie Verkehrsplaner im Rathaus damit umgehen, lässt sich bereits an der Formulierung erkennen: „Wir haben vom Rat den Auftrag erhalten, die Stilllegung des Kahlenbergastes in die Wege zu leiten und die Wirtschaftlichkeit zu prüfen“, sagte Roland Jansen kürzlich im Mobilitätsausschuss. Der Abteilungsleiter nannte dazu drei mögliche Varianten. Die Linie 104 endet an der Wertgasse oder am Kaiserplatz. Auch eine Verlängerung der Straßenbahnstrecke zum Hauptbahnhof wird untersucht. Die Ergebnisse sollen laut Jansen im Sommer vorliegen.

„Von Prüfung auf Stilllegung des Kahlenbergastes ist im Ratsbeschluss keine Rede“, stellt Daniel Mühlenfeld für die SPD klar. „Wir erwarten, dass die Varianten auf wirtschaftlichen Betrieb hin untersucht werden. Wir möchten wissen, wie die Stadt das Geld aufbringen will, wenn das Land seine Zuschüsse zurückfordert. Wie schnell muss Mülheim zurückzahlen? Wie soll ein Busliniennetz in Holthausen aussehen?“, fragte Mühlenfeld. Die Stilllegung des Kahlenbergastes sei damit nicht verbunden.

Fahrgastzahlen werden erhoben

Einer Endhaltestelle für die Linie 104 am Kaiserplatz erteilte Mühlenfeld ebenfalls eine Absage. „Wir sprechen gerade über eine Neugestaltung des Platzes mit mehr Freiflächen und nicht von einer Endstelle für die Linie 104.“

„Wenn die Straßenbahnlinie 104 zum Hauptbahnhof verlängert wird, passt sie dann in die neue Bushaltestelle?“, wollte Axel Hercher (Grüne) wissen. Die Möglichkeit werde berücksichtigt, erklärt Jansen. Aus Brandschutzgründen müsse der Durchgang fallen. Ein großes Dach soll als Ersatz entstehen. Konkrete Pläne reifen. Auch in anderen Stadtteilen, wie Styrum, würden Fahrgastzahlen erhoben, um Linien zu optimieren. „Wir haben aber noch keine Fakten zur ökonomischen Bewertung“, ergänzte Planungsdezernent Peter Vermeulen.

das Land will Fördergelder zurück

„Es gibt auch Bürger, die ihre Straßenbahn behalten wollen und eine Initiative pro Tram gründen“, sagte Ramona Baßfeld vom Bürgerlichen Aufbruch (BAMH).

Mit einer Verlängerung der Straßenbahn zum Verknüpfungspunkt Hauptbahnhof kann sich das Land anfreunden, „wenn dafür parallele Buslinien durch die Innenstadt wegfallen“, kommen Signale aus Düsseldorf. Andererseits will das Land jeden Fördercent zurück, sollte der Rat den Kahlenbergast in den nächsten Jahren kappen.

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