Coronavirus

Coronavirus: Mülheimer Freilichtbühne droht die Insolvenz

Stephan Bevermeier, Hans-Uwe Koch, Peter Szabowski, Susanne Beckers und Peter-Michael Schüttler vom Mülheimer Verein Regler Produktion stehen vor dem Aus. (Archivbild)

Stephan Bevermeier, Hans-Uwe Koch, Peter Szabowski, Susanne Beckers und Peter-Michael Schüttler vom Mülheimer Verein Regler Produktion stehen vor dem Aus. (Archivbild)

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Die Mülheimer Freilichtbühne, ein tragender Pfeiler der freien Kulturszene, schlägt Alarm. Wie das Coronavirus das Projekt in Existenznot bringt.

Ein tragender Pfeiler der freien Kulturszene in der Stadt schlägt Alarm: Der Freilichtbühne – seit Jahren über Mülheims Grenzen hinaus beliebt – droht die Insolvenz, wenn die Ausbreitung des Coronavirus das öffentliche Leben weiterhin massiv einschränkt.

Schon jetzt – kurz vor dem eigentlich geplanten Saisonstart im Mai – sieht der Vorsitzende Hans-Uwe Koch die Existenz des gemeinnützigen Vereins Regler Produktion massiv bedroht: „Man kann nicht so tun, als würde es schon, wenn wir mit unserem Programm etwas später anfangen.“ Koch muss als Vorsitzender nun handeln, denn unsicher ist, wie lang die Zwangspause für die Kultur dauern wird.

Spätestens im Juli wären Rücklagen der Mülheimer Freilichtbühne aufgebraucht

„Wir stehen unter Druck, denn zu uns kommen ja viele Menschen, die der Risikogruppe zugehören. Es wäre unverantwortlich und sogar grob fahrlässig, Veranstaltungen zu machen, wenn die Ausbreitung des Virus nicht eingedämmt ist“, so Koch.

Daher sieht Freilichtbühne mit Sorge auf die vom Land beschlossene Stilllegung aller so genannten Amüsierbetriebe bis zum 19. April. Wird die Frist vielleicht verlängert? „Wir sind aktuell nicht in der Lage, verlässlich zu sagen, dass wir im Mai mit dem fertig geplanten Programm anfangen können“, ist Koch als Veranstalter besorgt und als Vereinsvorsitzender alarmiert, denn die Fixkosten kann der gemeinnützige Verein maximal bis Juli stemmen. Spätestens dann wären die Rücklagen aufgebraucht.

Finanzieller Verlust durch Coronavirus kaum noch aufzuholen

Nicht nur die freischaffenden Künstler, die an der Freilichtbühne auftreten, und die begleitende Kreativwirtschaft sind damit bedroht. Denn als Konzert-Ort unter freiem Himmel kann er ohnehin nur von Mai bis Oktober bespielt werden. Bis zu 60.000 Besucher erreichen die gut 50 Veranstaltungen in dieser Zeit, an einem guten Wochenende gerne mal mehrere tausend.

Fiele also eine Saison teilweise aus, wäre auch der finanzielle Verlust praktisch nicht mehr aufzuholen. Denn die Einnahmen werden zu einem wesentlichen Teil aus der Gastronomie und von Gagen aus dem Spendenhut eingespielt.

Konzerte und Kulturveranstaltungen aus dem Hut bezahlt

Der kulturelle und soziale Verlust für die Stadt allerdings wäre bei einer Insolvenz unabschätzbar hoch. Als das Team der Regler Produktion vor gut 14 Jahren die totgesagte Open-Air-Bühne an der Dimbeck als Pächter und Veranstalter übernahm, galten „die Regler“ als Kultur-Anarchos mit einem schrägen Konzept und einem idealistischen Gedanken: Konzerte und andere Kulturveranstaltungen sollten hauptsächlich aus dem Hut bezahlt werden. Ob das funktionieren würde?

Was damals von manchen Beobachtern belächelt wurde, erhielt zunächst von der Politik einen Vertrauensvorschuss. Mit der Mittwochsreihe starteten die Regler um 2006 ihr kleines gallisches Dorf an der Dimbeck. 2010 knackten sie die 10.000-Besucher-Marke, 2017 schauten schon 50.000 vorbei. Und überraschend gut funktionierte auch das aus dem Hut gezauberte Solidaritätsprinzip. So gut tatsächlich, dass der bald schon an anderen Mülheimer Spielstätten herumging.

Vereinsvorsitzender Koch: „Es ist Eile geboten“

Für sein besonderes kulturelles und soziales Engagement erhielt der Verein Regler Produktion im vergangenen Jahr den Rheinlandtaler des Landschaftsverbands Rheinland (LVR): „Ihr Wirken hier hat auch das soziale Miteinander in unserer Stadt in den letzten Jahren beeinflusst und verändert“, lobte der stellvertretende LVR-Vorsitzende Prof. Dr. Jürgen Wilhelm.

Mit einer Insolvenz verlöre Mülheim folglich auch eines von großem Engagement und Idealismus angetriebenes Projekt. „Es ist Eile geboten“, mahnt Koch. „Wir hoffen darauf, dass Land und Bund zu ihrem Wort stehen, und die versprochene finanzielle Hilfe unbürokratisch umsetzt.“

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