Dampföl mit verschiedenen Gerüchen statt Duftkerzen füllt bei Liebhabern der Modellbahn die Raumluft. Das zweite Mal in diesem Jahr kamen Sammler und Bastler in der Alten Dreherei zur Modellbahn-Börse zusammen. Händler boten am Sonntag unter anderem Ersatzteile an, die anderswo nicht mehr erhältlich sind.

„Die Modellbahn stirbt aus“, sagt Veranstalter Willi Breidenbach mit Bedauern. „Vor 20 Jahren gab es noch in jeder Stadt ein bis zwei größere Läden. Heute sind Börsen wie diese und der Internethandel oft die einzige Möglichkeit, Teile zu erwerben.“ Bäume, Figuren, Häuser, Autos – alles, was benötigt wird, um die Schienenstrecke authentisch zu gestalten, ist hier zu haben: Lokomotiven und Züge, von einer Miniaturversion der V200 Diesellok bis zum modernen ICE; vieles stammt oft von Herstellern, die schon lange nicht mehr produzieren. Über Aufziehantrieb bis zum Gleich- oder Wechselstrom – Liebhaber finden hier ein vielfältiges Angebot.

Erste Eisenbahn mit fünf Jahren

Walter Euler ist gelernter Fernmeldetechniker und mit seiner Frau Käthe als Händler in der Alten Dreherei. Seine erste Eisenbahn hat er mit fünf Jahren bekommen. Jetzt ist er neben seinem Beruf Fachmann für Reparaturen und Digitalumbauten, seine Frau Geschäftsführerin des Modelleisenbahnladens an der Grabenstraße. Er verrät, dass das Basteln früher oft zum Hobby „Modellbahn“ gehörte. „Die V200 Diesellok kostete damals etwa 36 Mark. Als Bastelsatz nur 28 Mark.“

Für Michael Löhmann liegt die Leidenschaft in der Familie. Schon sein Großvater arbeitete bei der Bahn, von ihm hat er seine erste Modellbahn bekommen. Auch er ist mit seinem Stand, an dem er Waggons, Loks und Schienenstücke verkauft, Teil der Börse. „Es ist aber nur ein Hobby und daher bin ich auch nicht regelmäßig auf den Veranstaltungen. Den Lebensunterhalt verdienen kann man damit nicht“, so Löhmann.

Sammler und Spieler.

Christian Eisenbeis lockt nicht das Hobby, dennoch ist er sehr angetan von der Börse: „Es ist eine schöne Veranstaltung, die die Alte Dreherei belebt und durch das Ambiente besser ist als ein Straßenmarkt.“ Willi Breidenbach teilt die Liebhaber der Modellbahn in zwei Gruppen: Sammler und Spieler.

„Die Sammler stellen ihre Modelle in die Vitrine, die „Spieler“ sind eigentlich Bauer, Künstler und Tüftler.“ Mit dem Angebot ist er am Sonntag zufrieden. Die Besucherzahl? Könnte besser sein, doch sei das bei dem Wetter nicht verwunderlich. „Viele Leute sind jetzt lieber draußen im Freibad. Im Winter sitzt man eher im Keller – und bastelt.“