Nahverkehrsangebot

Abgehängt: Junge Familien verlassen Ortsteil Mintard

Bus 134 in Mintard .

Bus 134 in Mintard .

Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Ein Jahr sind Bürger in Mintard nun schon ohne Direktverbindung zur Stadtmitte. Ein Ringbus über Kettwig soll das Dorf besser anbinden.

Ihren Direktanschluss in die Mülheimer Stadtmitte haben die Mintarder vor fast genau einem Jahr verloren. Aber ihre Proteste über die Verschlechterung des Busangebotes verstummen nicht.

„Wer diesen einen Fahrplan gemacht hat, der hat keine Ahnung von Logistik. Wenn ich den Anschluss an der Haltestelle Alte Straße verpasse, muss ich 59 Minuten auf den nächsten Bus warten. Dann bin ich fast nach Mintard gelaufen.“ Heinrich Färber empört sich über so viel Unzuverlässigkeit. „Wie geht die MVG mit ihren Kunden um, wenn sie bei einem dünnen Stundentakt noch nicht mal Anschlüsse garantiert?“

Junge Familien sind weggezogen

Seit 12. Juni 2016 fühlen sich viele Mintarder wie auf einer Insel, schilderten einige Besucher des WAZ-Lesercafés. Der Bus der Linie 134 erreicht nur noch einmal pro Stunde das Dorf unter der Ruhrtalbrücke. Der 132er fuhr vorher zweimal stündlich zum Hauptbahnhof. „Wir haben keine Verbindung nach Kettwig, kein Bus fährt nach Breitscheid oder Ratingen, und nach Mülheim müssen wir umsteigen“, wettert auch Liane Budde. Früher habe es solche Busverbindungen gegeben.

„Einige junge Familien sind wieder aus Mintard weggezogen, weil ihre Kinder nicht mehr pünktlich zum Unterricht kamen oder sie viel zu früh vor der noch geschlossenen Schule standen. Ein anderes Mädchen musste jetzt das Gymnasium wechseln, weil die Lehrer nicht akzeptierten, dass es morgens immer zu spät kam und nachmittags mehr als eine Stunde für den Heimweg brauchte, „schildert Budde einige Begebenheiten aus der Nachbarschaft.

Nicht jeder Mintarder hat ein Auto

„Wieso kann es keine Ringbuslinie geben, die von Mülheim nach Kettwig zum Bahnhof, von dort über die Ruhr und über Mintard und Saarn nach Mülheim fährt“, fragt Heinrich Färber. „Wir haben doch ein Gemeinschaftsunternehmen mit MVG (Mülheimer Verkehrs-Gesellschaft) und Evag (Essener Verkehrs AG). Also wäre es nur konsequent, diese Verbindung zwischen den Städten in beide Richtungen zu schaffen. Die Mintarder hätten dann sogar einen S-Bahn-Anschluss am Kettwiger Bahnhof. Warum geht das nicht?“, setzt Färber nach. Selbst wenn es nur ein Stundentakt wäre. „Bei garantierten Anschlüssen könnte man sich darauf einrichten.“

Weder im Mülheimer noch im Essener Nahverkehrsplan ist eine solche Ringbuslinie jedoch bisher vorgesehen. „Es besteht dafür kein Bedarf“, hatten die Nahverkehrsunternehmen stets abgewunken. Aber nicht jeder Mintarder habe ein Auto für seine Einkaufstour. Noch ein Unding: „Die Busfahrer der Bahn, die auf der Linie 134 unterwegs sind, können über Funk nicht mit den MVG-Fahrern über Anschlüsse für Fahrgäste reden. Moderne Kommunikationstechnik geht anders“, fügt Herbert Greiner hinzu. „Warum haben die Fahrer für solche Fälle keine Diensthandys?“

Politische Unterstützung fehlt

Für die nächste Sitzung des Mobilitätsausschusses hat Wolfgang Budde, Vorsitzender von „Wir in Mintard“ (WiM), einen neuen Antrag gestellt, der die Wiedereinführung der Direktverbindung von Mintard zum Stadtmitte wünscht. Bei der Eingemeindung 1975 wurde das im Vertrag so festgelegt. „Wo bleibt die politische Unterstützung für uns?“, fragt Budde. „Alle versprechen, uns zu helfen. Aber wenn es darauf ankommt, hilft doch keiner.“ So fühlen sich die Mintarder im Stich gelassen.

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