Polizeieinsatz

Video: Gelsenkirchener Polizist brüllt rüde auf Familie ein

Polizeibeamte führen den Freund und den Mann von Tanja Kaschowitz bestimmt aus der Wohnung in Gelsenkirchen.

Polizeibeamte führen den Freund und den Mann von Tanja Kaschowitz bestimmt aus der Wohnung in Gelsenkirchen.

Foto: Screenshot / Facebook

Gelsenkirchen.  Nach dem Derby ist die Polizei zwei Mal zu einem Einsatz in eine Wohnung in Gelsenkirchen ausgerückt. Verhalten eines Beamten sorgt für Empörung.

Mehr als 1000 Mal wurde ein heimlich aufgenommenes Video eines Polizeieinsatzes in einer Wohnung in Gelsenkirchen-Feldmark inzwischen auf Facebook geteilt. In den Kommentaren unter dem Mitschnitt hagelt es Kritik für die Beamten – insbesondere für einen. Die Polizei hat mittlerweile Stellung genommen.

Am Samstagabend, so schildert es Tanja Kaschowitz, habe die Hausfrau und Mutter mit ihrem Freund, ihrem Vater, Bruder und ihren Schwiegereltern erst zusammen das Derby zwischen Schalke und BVB geguckt und anschließend eine Runde Karten gespielt. „Wir hatten die Musik dabei laufen und es war auch etwas laut“, räumt die 29-Jährige ein.

Polizeieinsatz wegen Ruhestörung in Gelsenkirchen-Feldmark

In der Folge kam die Polizei vorbei, die wegen der Ruhestörung von Nachbarn alarmiert wurde. „Ich öffnete die Tür und als ich zurück in die Wohnung ging, um meinen Ausweise zu holen, den der Beamte verlangte, trat dieser die Tür auf. Ich war total perplex, wusste gar nicht, was los ist. Die Beamten haben meine Schwiegereltern und meinen Bruder der Wohnung verwiesen. Wie haben die Musik dann ausgemacht und die Polizisten gingen wieder“, berichtet Kaschowitz.

Anschließend hätten die 29-Jährige, ihr Freund und ihr Vater ihr Kartenspiel wieder aufgenommen und seien „nicht mehr laut gewesen. Schließlich haben meine beiden Kinder auch geschlafen“. Als jemand später ununterbrochen an der Wohnungstür schellt, stellt Tanja Kaschowitz ihr Handy so auf, dass es das Wohnzimmer in Richtung Flur filmt.

Polizist brüllt genervt Familie an

„Guten Morgen, die Polizei ist da – schon wieder. Weil ihr zu laut seid. Hört das jetzt endlich auf? Entweder ihr kommt mit oder ihr seid leise“, sagt ein hörbar genervter Polizist. Tanja Kaschowitz versucht dem Beamten zu erklären, dass sie gar nicht laut seien und angeblich nur Karten spielen würden, doch die Gelsenkirchenerin kommt kaum zu Wort. „Das interessiert mich nicht, was ihr tut. Ich will doch hier nicht so ‘ne Scheiße diskutieren. Also willst du mitfahren? Was ist jetzt die Antwort auf meine Frage gewesen? Ist jetzt hier Ruhe oder nicht? Ihr geht mir voll auf den Sack – und zwar extremst auf den Sack“, brüllt der Beamte, der inzwischen von Kaschowitz ins Wohnzimmer gebeten worden ist, damit sein Geschrei zumindest nicht weiter durch den Hausflur schallt.

Begleitet wird der wortführende Polizist von drei weiteren Beamten. Im Wohnzimmer stehend wendet er sich nun an den Freund und den Vater von Tanja Kaschowitz, die währenddessen noch auf der Couch sitzen. „Wenn ihr nicht sofort verschwindet, pennt ihr bei uns“, schimpft der Polizist. Keiner der Beamten trägt – im Gegensatz zur 29-Jährigen und ihrem Freund – während des Einsatzes einen Mund-Nasen-Schutz, wie die zweifache Mutter betont. „Und das, obwohl ich die Beamten darauf hingewiesen habe, dass mein kleiner Sohn vorerkrankt ist.“

Handy filmt das Wohnzimmer in Richtung Flur

Die Polizisten führen die beiden Männer bestimmt aus dem Wohnzimmer in Richtung Wohnungstür, im Hintergrund ist zu hören, wie der Beamte weiter lautstark schimpft. Von dem Geschrei sind mittlerweile auch die Kinder wach geworden, einer der Söhne wimmert, während der Polizist in unmittelbarer Hörweite des Jungen jetzt Tanja Kaschowitz droht: „Hör zu, wenn wir noch einmal heute Nacht kommen müssen, kommt ihr beide (Anm. d. Red.: Kaschowitz und ihr Lebensgefährte) in Gewahrsam. Um die Kinder kümmert sich dann das Jugendamt.“

„Seither“, das berichtet die 29-Jährige, schlafe ihr Sohn wieder bei ihr im Bett. „Der ist total panisch.“ Tanja Kaschowitz ist entsetzt über den Einsatz und das Vorgehen des Polizisten und kündigt an, nun einen Anwalt aufsuchen zu wollen.

Stellungnahme der Gelsenkirchener Polizei

Die Gelsenkirchener Polizei erklärt am Montagnachmittag schließlich ihre Sicht, bewertet allerdings das aufgezeichnete Verhalten nicht: „Dieses Video zeigt nur einen Teilausschnitt aus dem gesamten komplexen Einsatzgeschehen der beiden korrespondierenden Einsätze. Bei dem ersten Einsatz war die Ruhestörung für die einschreitenden Beamten bereits vor dem Haus deutlich wahrnehmbar. In der Wohnung wurden sieben Personen angetroffen. Die angetroffenen Personen waren teilweise uneinsichtig, so dass weitere Unterstützungskräfte hinzugezogen wurden. Vier Personen erhielten einen Platzverweis, die einschreitenden Polizeibeamten leiteten außerdem ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen der Ruhestörung und ein Strafverfahren wegen Beleidigung ein“, so eine Polizeisprecherin.

In der Folge sei es jedoch zu weiteren Anrufen wegen Ruhestörung gekommen. Danach hätten die Beamten beim nächsten Einsatz zwei Besucher der Wohnung verwiesen, um die weitere Nachtruhe sicherzustellen. Erneut gab es eine Anzeige. Das Video sei der Polizei Gelsenkirchen bekannt und werde geprüft. Es wurde deshalb der zuständigen Staatsanwaltschaft in Essen übersandt.

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