Gemeinde

Tag der offenen Tür bei der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen

Die Gruppe Chesed tritt bei der Jewrovision 2017 für die Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen an. Beim Tag der offenen Tür zeigte sie den Besuchern bereits, was sie kann.

Die Gruppe Chesed tritt bei der Jewrovision 2017 für die Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen an. Beim Tag der offenen Tür zeigte sie den Besuchern bereits, was sie kann.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Rund 300 Besucher kommen anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Jüdischen Gemeinde, um den Glauben und die Neue Synagoge kennenzulernen.

Rund 300 Besucher nutzten am Sonntag die Gelegenheit, die Neue Synagoge kennenzulernen. Kinder tanzten und sangen, begabte junge Musiker spielten sich in die Herzen der Zuschauer und der Rundgang durch das genau zehn Jahre alte „Haus der Gebete für alle Völker“ unter fachkundiger Begleitung musste mehrfach unternommen werden – so stark war das Interesse.

„Tragen alle Herren eine Kopfbedeckung? Gut. Wenn nicht: Hier sind welche zum Leihen!“, lud Monika Brendgen die Gäste ein, bevor der Gebetsraum betreten werden durfte. Die Bochumerin ist der Gemeinde freundschaftlich verbunden und verstand beim Tag der offenen Tür, auf lebendige und heitere Art jüdische Riten und Glaubensgrundsätze zu erklären. „Dies ist eine orthodoxe Gemeinde. Das zeigt sich auch in der Schmucklosigkeit des Raumes. Hier werden Sie keine Orgel finden wie beispielsweise in der Alten Synagoge Essen.“

Orthodox bedeutet auch: Die Männer beten zusammen und sitzen vorne beim Rabbiner, die Frauen ganz hinten und von ihren getrennt. Grund: „Die Männer sollen nicht durch Geschwätz und Schönheit von Frauen abgelenkt werden, außerdem ist der Anteil der Männer am Gebet größer. Im jüdischen Gottesdienst ist alles auf das Gebet ausgerichtet“, so Monika Brendgen. Es gebe in Deutschland aber auch liberale jüdische Gemeinden, wo Männer und Frauen zusammensitzen.

Durch das ganze freundlich wirkende, offene und helle Gebäude zogen köstliche Düfte von Kaffee und frischen Waffeln. Gäste genossen Barrierefreiheit, die sich nicht nur in der Architektur ausdrückt. Die Besucher bestaunten die zahlreichen Sportpokale in den Vitrinen und die Sammlung alter Schriften und Bücher.

Die Kleinsten der Kinder- und Jugendgruppen sangen ein Medley jüdischer Lieder, spielten eine Szene vom Chanukka-Fest nach und tanzten im Saal.

Mit den Auftritten des jungen Ausnahmegeigers David Sarazhynski und Benjamin Sarainski wurde schon große Kunst geboten. Sarazhynski wurde von Noah Reis Ramma am Klavier begleitet. Monika Sarainski begleitete, ebenfalls am Klavier, ihren Sohn Benjamin, dessen Klarinettenspiel betört.

Überaus lebendige Gemeinde

Dass die Jugendgruppe der Gemeinde zur kommenden Jewrovision 2017 eingeladen ist, steht schon fest und macht die Mitglieder sehr stolz, wie die Vorsitzende Judith Neuwald-Tasbach erklärte: „Sie sind schon ganz aus dem Häuschen.“ Am 18. Februar werden die jungen Gelsenkirchener in Karlsruhe ihr Programm präsentieren.

Es ist eine überaus lebendige Gemeinde. Allein die Sportpokale zeigen, wie stark sich deren Makkabi-Gruppe engagiert.

>> JÜDISCHE MÄRCHEN IN DER SYNAGOGE

Rund 350 Mitglieder gehören der orthodox ausgerichteten Gemeinde an.

Kinder- und Jugendarbeit wird intensiv betrieben, es gibt ein Jugendzentrum. Zum Gemeindeleben gehören Chöre, Tanz- und Theatergruppen sowie eine Sportabteilung (Makkabi).

Die VHS und die Gemeinde präsentieren am Mittwoch, 22. März: Jüdische Märchen – ein lyrisch-musikalischer Abend mit Paula Quast und Henry Altmann. Los geht’s um 19 Uhr in der Neuen Synagoge, Georgstraße 2. Karten: 8 Euro an der Abendkasse.

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