Nötigung

Religiös motivierte Drohungen gegen Rewe-Supermärkte

Die Flasche des Anstoßes: Das Logo soll in der linken Hälfte Ähnlichkeit mit dem arabischen Schriftzug für Mohammed haben. Die Schlange im rechten Teil fresse angeblich den Propheten auf.

Die Flasche des Anstoßes: Das Logo soll in der linken Hälfte Ähnlichkeit mit dem arabischen Schriftzug für Mohammed haben. Die Schlange im rechten Teil fresse angeblich den Propheten auf.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.  Unbekannte forderten in drei Gelsenkirchener Rewe-Märkten, die Wodka-Marke Kaliskaya aus dem Sortiment zu nehmen – das Logo beleidige Mohammed.

In drei Rewe-Märkten in der Altstadt, in Bulmke-Hüllen und in Ückendorf sind im November und Dezember Männer und Frauen aufgetaucht, die Beschäftigten drohten, im Laden mal kräftig „aufzuräumen“. Die Personen verlangten, sofort die Wodka-Marke Kaliskaya aus dem Sortiment zu nehmen. Das Logo auf der Flasche, so erklärten sie dem Personal, beleidige den Propheten Mohammed. Die Polizei bestätigte, dass sie in drei Fällen wegen Nötigung ermittelt und einen Mann als Täter identifizieren konnte.

Besonders drastisch sollen ein Mann und mehrere Frauen bei Rewe an der Ückendorfer Straße nach Beobachtung eines Zeugen ihre Forderungen untermauert haben. Sollte die Wodka-Marke nicht verschwinden, würden die ihn begleitenden Frauen den Laden kurz und klein schlagen, soll der Mann gesagt haben. Beobachter, die bei der Drohung im Laden anwesend waren, vermuten, dass es sich bei den Personen um Mitglieder eines Familien-Clans handeln könnte.

Polizeisprecher Christian Zander bestätigte die Vorfälle, die man sehr ernst nehme. Ob eine bestimmte Gruppe hinter den Drohungen stecke, sei nicht festgestellt worden. Nach den Ermittlungen der Kripo hat ein zunächst unbekannter Mann einen 21-jährigen Mitarbeiter im Markt an der Ückendorfer Straße aufgefordert, die Flaschen aus dem Regal zu nehmen. Das Logo habe in der linken Hälfte Ähnlichkeit mit dem arabischen Schriftzug für Mohammed. Die Schlange im rechten Teil des Logos fresse offensichtlich den Propheten auf. Dies empfand der Mann als Beleidigung. Er drohte, die Flaschen zu zerstören, wenn sie weiter im Regal blieben. Im Laufe der Ermittlungen, so Zander, sei ein 41-jähriger Gelsenkirchener als Täter identifiziert worden.

Es ist Nötigung, keine Erpressung

Zum Schutz der Ermittlungen habe die Polizei zunächst davon abgesehen, den Fall öffentlich zu machen. Strafrechtlich handele es sich um Nötigung, nicht um Erpressung, betonte Zander. Es seien zwar Drohungen ausgesprochen worden, nicht aber in der Absicht, finanzielle Vorteile zu erzielen. Die Polizei hat das Logo auf der Flasche prüfen lassen und keine Anzeichen gefunden, die auf eine Lästerung Allahs oder Mohammeds schließen ließen.

Nach den Drohungen in den drei Supermärkten sind der Kripo keine weiteren Vorfälle bekannt geworden. Möglicherweise diente die vermeintliche Lästerung des Propheten den Leuten nur als Vorwand, Angst zu erzeugen und die Ladeninhaber unter Druck zu setzen. Noch sind die Ermittlungen der Kripo nicht abgeschlossen.

Der Schnaps, der bei Wodka-Tinkern auch wegen seines günstigen Preises geschätzt wird, war in dieser Woche bei Rewe an der Ückendorfer Straße nicht mehr im Regal zu finden. In den anderen Märkten wird er noch angeboten. Man lasse sich schließlich nicht von ein paar Verrückten einschüchtern, hieß es dort. Die Staatsanwaltschaft will vor einer Bewertung der Vorfälle zunächst den Bericht der ermittelnden Gelsenkirchener Kripobeamten abwarten.

>>> Der Ärger um den Wodka ist nicht neu

  • Es ist nicht das erste Mal, dass eine Wodka-Marke wegen Beschwerden von Muslimen aus dem Handel genommen wurde: 2012 machte der Wodka Baiterek Schlagzeilen, weil der Hersteller (nach eigenen Angaben unwissentlich) am Flaschenhals ein Muster mit arabischen Schriftzeichen angebracht hatte.

  • Gläubige Muslime lasen darauf „Allahs Stärke ist für alle genug“. Im Islam ist der Genuss von Alkohol aber streng verboten.

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