Gesundheit

Organspende in Gelsenkirchen: Was bringt ein neues Gesetz?

Würde die Widerspruchslösung zu mehr Organspenden in Gelsenkirchen führen? (Symbolbild)

Würde die Widerspruchslösung zu mehr Organspenden in Gelsenkirchen führen? (Symbolbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache / picture alliance / dpa

Gelsenkirchen.  In Gelsenkirchen werden im Jahr durchschnittlich sehr wenige Organe gespendet. Was versprechen sich Experten vor Ort von der Widerspruchslösung?

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Auch wenn die erweiterte Widerspruchslösung am Donnerstag eine Mehrheit im Bundestag finden sollte: Dass die Zahl der Organspender in Gelsenkirchen dadurch spürbar in die Höhe schnellt, glaubt Dr. Uwe Wildförster, Chefarzt der Neurochirurgie am Bergmannsheil Buer, nicht. Er ist seit vielen Jahren Transplantationsbeauftragter im Haus, das als „Explantationshaus“ geführt wird. Das bedeutet: Hier werden zwar keine Organe implantiert, aber explantiert, also entnommen.

Die Situation im Bergmannsheil Buer

Seit mehreren Jahren gebe es im Haus jeweils einen bis drei Patienten pro Jahr, bei denen Organe, in der Regel mehrere, entnommen werden. Bundesweit werden je Patient 3,4 Organe entnommen. Die aktuelle Gesetzeslage sieht vor, dass Patienten und auch Angehörige auch bestimmte Organe zulassen und andere ausschließen können für eine Transplantion.

2018 und 2019 waren es im Bergmannsheil Buer jeweils zwei Patienten, von denen Leber, Niere, Herz, Bauchspeicheldrüse und bisweilen auch die Lunge entnommen wurden. „Und es gibt keine Altersgrenze, wie viele glauben. Es ist in der Regel auch nicht der verunfallte Motorradfahrer, sondern ein Patient nach einem Schlaganfall oder einem Herzstillstand“, erklärt Wildförster.

Er selbst befürwortet die erweiterte Widerspruchslösung, bei der einer Organspende ausdrücklich widersprochen werden müsste. „Ich erwarte dadurch keinen Anstieg der Zahlen auf spanisches Niveau, aber für uns Ärzte mehr Sicherheit. Wir könnten dadurch den Willen der Patienten klarer erkennen.“ An Spenderzahlen wie in Spanien komme man schon deshalb nicht, weil dort ein anderes Verständnis von einem toten Patienten vorliege. In Spanien, der Schweiz und England etwa sei der Tod des Spenders nicht durch den Hirntod definiert wie bei uns. Und dass diese Basisdefinition in Deutschland verändert werde, kann (und mag) er sich nicht vorstellen.

Die Situation am St. Marien-Hospital Buer

Im St. Marien-Hospital Buer gibt es zwar ebenfalls einen Transplantationsbeauftragten, den Leitenden Oberarzt der Anästhesiologie, Dr. Jochen Jordan; zu Organspenden kam es hier in den letzten beiden Jahren dennoch nicht.

Die Situation am Marienhospital Gelsenkirchen

Auch im Marienhospital Gelsenkirchen, wo die Fachärztin für Anästhesie Martina Krumsdorf als Transplantationsbeauftragte fungiert, gibt es selten Organentnahmen. „Für Spenden infrage kommende Patienten, die das Kriterium des Hirntods erfüllen, sind bei uns selten. Aber wir schulen die Mitarbeiter regelmäßig, um ihren Blick zu schärfen für möglicherweise geeignete Patienten“, erklärt Krumsdorf den Hintergrund. Die zur Abstimmung stehende doppelte Widerspruchslösung befürwortet sie persönlich.

Die Situation an den Evangelischen Kliniken

An den Evangelischen Kliniken, wo es eine Klinik für Neurologie sowie eine Stroke Unit für Schlaganfallpatienten gibt, hat Dr. Yvonne Gacek, Oberärztin in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, als Transplantationsbeauftragte mögliche Spender im Blick. Ein bis zwei Organspender gibt es nach Angaben der Klinik an der Munckelstraße. Dass es nicht mehr sind, liege zum einen an den zu selten erfüllten Kriterien dafür, häufig stoße man aber auch auf Ablehnung bei den Angehörigen.

Yvonne Gacek befürwortet ebenfalls eine Widerspruchsregelung für Organspenden, da sich dabei jeder Einzelne bewusst mit dem Thema befassen und sich somit auch bewusst dafür oder dagegen entscheiden müsse.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben