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Nach Polizeieinsatz auf Schalke - S04-Fans fordern „Runden Tisch“

Schalke-Fans auf dem Weg zur Tausend Freunde Mauer, wo eine Kundgebung stattfand.

Schalke-Fans auf dem Weg zur Tausend Freunde Mauer, wo eine Kundgebung stattfand.

Foto: Jan Dinter

Gelsenkirchen.   Geschätzte 1500 Schalke-Fans demonstrierten Samstag vor dem Heimspiel gegen Bayern für die Aufklärung des umstrittenen Polizeieinsatzes. Der Vorfall in der Nordkurve soll nicht in Vergessenheit geraten. Unter anderem forderten sie eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten im Stadion.

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Mit dem Burgfrieden, den Politik und Verein nach dem Polizeieinsatz in der Nordkurve während des Spiels gegen Saloniki geschlossen haben, sind viele Schalke-Fans nicht einverstanden. Sie bemängeln die fehlende Aufklärung des Vorfalls, bei dem Unbeteiligte verletzt worden seien. Mit einem Protestmarsch von der Kampfbahn Glückauf zur Arena brachten knapp 1500 Anhänger vor dem Heimspiel gegen die Bayern ihre Meinung lautstark, aber friedlich zum Ausdruck.

Auf Plakaten und mit Sprechchören machten die Fans, überwiegend junge Männer aus der aktiven Fanszene, ihrem Ärger Luft.

Fragenkatalog an Minister Ralf Jäger

Aber auch ältere Schalker, die gegen das Vorgehen der Polizei und die fehlende Aufarbeitung Flagge zeigen wollten, mischten sich unter die Teilnehmer. Begleitet von der Polizei, u.a. mit Helikopter und Kamerawagen, machte sich der Zug um 15 Uhr über die Kurt-Schumacher-Straße auf den Weg zur Veltins-Arena. Aufgerufen hatte ein breites Fan-Bündnis: Ultras Gelsenkirchen, Schalker Fanprojekt, Supportersclub, Schalker Fan-Initiative.

Die Auflagen der Polizei (u.a. Glasverbot, keine Pyrotechnik) wurden eingehalten, eigene Ordner sorgten für den reibungslosen Ablauf. Auch die Plakate blieben inhaltlich meist über der Gürtellinie. Die Fans nahmen darauf die Politik ins Visier. Zu sehen war eine Karikatur mit Hannelore Kraft, die ihren Innenminister Jäger auf den Mond schießt. Auch der Einsatzleiter wird weiter in die Verantwortung genommen.

Auf der Abschlusskundgebung bemängelte Roman Kolbe (Fan-Initiative), dass Polizeigewalt nicht gerechtfertigt werden müsse. Er erinnerte daran, dass bei dem Einsatz eine Asthma-Patientin wegen Pfeffersprayeinsatzes mit Atemstillstand im Krankenhaus landete. „Und das wegen einer Fahne“, schimpfte er unter dem Beifall der gut 2000 Zuhörer an der 1000-Freunde-Mauer. Kolbe vermutet politisches Kalkül: „Wer glaubt denn, dass die Sicherheit der Fans im Mittelpunkt stand?“

„Wir waren friedlich und haben unseren Forderungen Ausdruck verliehen“

Andreas Jour (Vorstand Supportersclub): „Wir müssen zusehen, dass die Sache nicht vergessen und totgeschwiegen wird.“ Jour verlas einen Fragenkatalog an Hannelore Kraft und Ralf Jäger sowie an den Verein: „Warum seid ihr eingeknickt und habt die berechtigte Kritik an der Polizei zurückgezogen?“ Die Aufarbeitung müsse am runden Tisch und transparent für die Öffentlichkeit erfolgen, findet Hendrik Jochheim (Schalker Fanprojekt). Seine Forderung nach einer Kennzeichnungspflicht für Polizisten erntete viel Applaus. Dennis von Heesen (Ultras GE): „Wir können stolz sein – wir waren friedlich und haben unseren Forderungen Ausdruck verliehen.“

SO4-Anhänger haben Fragen an die Politik

Der Fragenkatalog des Supportersclub an Hannelore Kraft und Ralf Jäger bezieht sich auf Hintergründe des Polizeieinsatzes, u.a. zur Angemessenheit und zum vorgeworfenen Tatbestand der Volksverhetzung. Eine Stellungnahme fordern die Fans zu den Vorwürfen des Kriminologen Prof. Feltes, der die Polizei ebenfalls kritisiert.

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