Justiz

Mit Kokain vor der Nase beim Prostituierten-Besuch gefilmt

Vor dem Essener Landgericht wird derzeit ein Fall von räuberischer Erpressung verhandelt, der sich in Gelsenkirchen ereignet hat.

Vor dem Essener Landgericht wird derzeit ein Fall von räuberischer Erpressung verhandelt, der sich in Gelsenkirchen ereignet hat.

Foto: Friso Gentsch / picture alliance / dpa

Gelsenkirchen/Essen.  Vorm Essener Landgericht wird ein Fall wegen räuberischer Erpressung verhandelt. Freier wurde mit Kokain bei einem Prostituiertenbesuch gefilmt.

Wenn die Anklage stimmt, dann war es eine Falle: Vor rund elf Monaten soll ein Mann beim Besuch einer Gelsenkirchener Prostituierten plötzlich mit einer Schusswaffe bedroht, gefilmt und anschließend erpresst worden sein. Seit Freitag beschäftigt der Fall das Essener Landgericht.

Nackt und mit Kokain vor der Nase gefilmt

Das Video ist gleich doppelt verfänglich: Der Mann ist nackt, sitzt vor einem Tisch, auf dem gleich mehrere Kokain-Linien zu sehen sind. 5000 Euro sollen damals von ihm gefordert worden sein. Die angebliche Drohung: „Wenn Du nicht zahlst, zeigen wir den Film deiner Ehefrau.“ Und er hat gezahlt. Das steht fest. Gleich im Anschluss war er damals zur Sparkasse gefahren, hatte 1000 Euro abgehoben und übergeben. Das Geld nahmen die Prostituierte und ihr Freund entgegen, die sich nun beide vor Gericht verantworten müssen.

Von einer räuberischer Erpressung wollen sie jedoch nichts wissen. „Der Mann kam regelmäßig zu mir“, sagte die 27-jährige Bulgarin zum Prozessauftakt. „Bestimmt schon vier Jahre lang.“ In der Regel habe man sich in ihrem Wohnwagen getroffen, diesmal war man jedoch in ihrer Wohnung in der Cheruskerstraße. Doch dann sei überraschend ihr nun mitangeklagter Freund aufgetaucht. Ihrem Kunden sei das natürlich peinlich gewesen. „Er hat mich dann gefragt, ob wir meinem Freund nicht Geld geben sollten, damit er weggeht – am besten zurück nach Bulgarien“, so die 27-Jährige. „Er wollte mich von ihm befreien und mich in einer Villa seines Vaters unterbringen.“ Deshalb sei man zur Sparkasse gefahren. „Wir haben das Geld aber nicht verlangt.“

Freund der Prostituierten posierte für Fotos mit einer Maschinenpistole

Die gleiche Geschichte hat auch ihr Freund den Richtern erzählt. Er habe auch gar keine Waffe. Die Bilder, die die Polizei auf seinem Handy gefunden hatte, seien alt und in seiner bulgarischen Heimat aufgenommen worden. Darauf ist er einmal sogar mit einer Maschinenpistole zu sehen. Dass er den Film gemacht hat, gab der 44-Jährige zu. Aber nur, damit sich der Freier von seiner Freundin fernhalte und sie nicht weiter mit Kokain versorge. Das finde er nämlich gar nicht gut.

Laut Anklage war der Kunde nach der Zahlung von 1000 Euro weiter bedroht und erpresst worden. Mehr Geld hat er den Angeklagten allerdings nicht gegeben. Er hatte sich schließlich doch seiner Ehefrau offenbart und war zur Polizei gegangen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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