Kirchenfenster

Leuchtende Kirchenfenster mit Licht und Farbe gemalt

Das  Christuskind in der Krippe zeigt diese Malerei in St. Augustinus des Gelsenkircheners Walter Klocke (1887-1965), den das Buch ebenfalls erwähnt.

Das Christuskind in der Krippe zeigt diese Malerei in St. Augustinus des Gelsenkircheners Walter Klocke (1887-1965), den das Buch ebenfalls erwähnt.

Gelsenkirchen.  Die Autoren Brigitte und Rolf-Jürgen Spieker setzen sich auf die Spuren des fast vergessenen Gelsenkirchener Künstlers Günther Reul.

Die Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm leuchtet in überirdisch prächtigen Farben. Die Figuren umrahmen üppige Rot-, Blau- und Goldtöne. Ein flammend roter Engel mit goldener Posaune verkündet Rettung und Heil. Bilder, mit glühendem Licht gemalt. Der Gelsenkirchener Künstler Günther Reul setzte mit Glas, Farbe und Licht sakrale Themen in fantastische Kunst um. Und dennoch geriet der Glasmaler im Laufe der letzten Jahre in Vergessenheit. Seine Wiedergeburt erlebt er nun passenderweise zum Weihnachtsfest durch das neue Buch von Brigitte und Rolf-Jürgen Spieker.

Die erste umfassende Arbeit über den Kunstmaler, der 1910 im Kreis Eupen geboren wurde und 1985 in Gelsenkirchen starb, richtet den Scheinwerfer auf einen vergessenen „Grenzgänger in Zeiten der Umbrüche.“ Das Dortmunder Autorenpaar Brigitte (73) und Rolf Jürgen (75) Spieker setzte sich bereits vor einigen Jahren als Mitglied der Dokumentationsstelle für Kirchengeschichte erfolgreich auf die Fährten der einstigen Gelsenkirchener Glasmaler Heinrich Stephan und Walter Klocke. Beide legten bereits einige Veröffentlichungen vor.

Der neue Band bildet den Abschluss einer ganzen Reihe über Gelsenkirchener Glasmaler. Beiträge sind unter anderem in den Jahresbänden des Vereins für Orts- und Heimatkunde in Buer erschienen.

Beide Autoren sind bis heute erstaunt über den üppigen Fundus an Glasmalerei, den gerade Gelsenkirchen aufzuweisen hat: „Günther Reul ist der jüngste von sieben Glasmalern, die im 20. Jahrhundert zumindest zeitweise in Gelsenkirchen gelebt und künstlerisch gearbeitet haben. Eine erstaunlich große Zahl für eine Stadt dieser Größe“, meint Brigitte Spieker. „Alle haben sie Spuren weit über Gelsenkirchen hinaus hinterlassen.“

Intensive Recherchearbeiten

Über anderthalb Jahre haben die Autorin und der Fotograf recherchiert, besuchten unzählige Kirchen, in den Reul Fenster gestaltet hat, trafen Zeitzeugen und Familienangehörige, um ihm nun ein umfassenden Porträt zu widmen. Mit zahlreichen Abbildungen und wertvollen Informationen über Werk und Vita des Künstlers. Damit liegt erstmals eine Publikation über Günther Reul vor mit zahlreichen Quellenbelegen und einem ausführlichen Werkverzeichnis.

Arbeiten von ihm lassen sich im ganzen Stadtgebiet finden. Das Titelbild des Buches ziert die Marienfigur mit Kind. Diese im Jahre 1954 entstandene Fensterrose schmückt die Herz-Jesu-Kirche in Hüllen. Für das St. Josef-Hospital Horst schuf Reul um 1955 drei figürliche Chorfenster. Für St. Josef in Ückendorf entstanden zwei Turmfenster.

„Für die einstige Gaststätte im Hans-Sachs-Haus schuf Reul zwei Hinterglas-Landschaften“, weiß die Autorin. Der Verbleib dieser Arbeiten ist unbekannt. Andere Werke sind irgendwann der Zerstörung oder der Übermalung anheim gefallen.

Dass sich Günther Reul irgendwann der Glasmalerei widmen würde, war ihm praktisch in die Wiege gelegt worden. Denn auch Vater Wilhelm Reul arbeitete als erfolgreicher Kirchenmaler. Er siedelte während des Ersten Weltkrieges zeitweise mit seiner Familie in die Heimatstadt seiner Frau um, nach Gelsenkirchen. Endgültig zog die Familie dann im Jahre 1927 nach Gelsenkirchen, zuerst in die Ottilienstraße, später in die Rheinelbestraße.

„Die Malerlehre und die Arbeit im Betrieb des Vaters, der sich Kunstmaler und Kopist nannte, genügten Günter Reul offenbar schon bald nicht“, fand die Buchautorin heraus. So schrieb sich der junge Mann an der Folkwang-Schule in Essen ein. Er erlernte Reul schon früh dekorative Malerei, figürliche Komposition und Mosaikarbeit, Fähigkeiten, für die er rund 20 Jahre später öffentliche Aufträge erhielt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Aufträge und vor allem das Material Glas knapp waren, wandte sich Günter Reul Holz- und Linolschnitten und der Aquarellmalerei zu. Auch aus dieser Zeit enthält das Buch einige Beispiele.

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