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Schalke kündigt 24 altgedienten Fahrern der Knappenschmiede

Die Spieler der Schalker Knappenschmiede werden künftig nicht mehr von dem gewohnten Fahrdienst gefahren.

Die Spieler der Schalker Knappenschmiede werden künftig nicht mehr von dem gewohnten Fahrdienst gefahren.

Foto: Daniel Tomczak / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Schalke 04 hat 24 altgedienten Fahrern der Knappenschmiede gekündigt, denn der Dienst soll ausgegliedert werden. Der S04-Betriebsrat ist empört.

Die negativen Schlagzeilen über Schalke 04 häufen sich. Nun sorgte die Kündigung von 24 Fahrern im Fahrdienst der „Knappenschmiede“ für Aufsehen. Viele der erfahrenen Mitarbeiter, die größtenteils über 400- oder 450-Euro-Verträge beschäftigt waren, sind seit mehr als zehn Jahren im Einsatz, manche sogar doppelt so lange. Unter ihnen sind auch einige Rentner, die durch die Fahrten etwas nebenher verdienen. Bei durchschnittlich zehn Euro liegt der Stundenlohn. Jetzt soll ein externer Dienstleister die Arbeit übernehmen.

Sowohl für den Schalker Betriebsrat als auch für die Betroffenen kommt die Kündigung überraschend. Zunächst hatte der Verein, ohne den Betriebsrat zu informieren, die Fahrer in kleinen Gruppen zu Gesprächen eingeladen und ihnen mitgeteilt, dass man den Fahrdienst ausgliedern wolle und ihnen darum gekündigt werden müsse. Der Betriebsrat wurde erst danach in Kenntnis gesetzt, dieser widersprach den Kündigungen.

Betriebrat rügt Schalke 04 als „sozial verantwortungslos“

Die Betriebsratsvorsitzende Martina Lenz hält die Kündigung für „sozial verantwortungslos“. Die Fahrer hätten die jungen S04-Spieler teils über Jahre begleitet, ein Vertrauensverhältnis sei entstanden. Auch die Eltern wussten die Betreuung durch die vertrauten Fahrer zu schätzen. Der Betriebsrat beklagt, dass der Verein vorher nicht das Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern gesucht habe. Der Betriebsausschuss, der die Funktion eines Wirtschaftsauschusses habe, hätte wiederholt um Auskunft gebeten. Martina Lenz: „Informationen haben wir nicht bekommen.“

Die Fahrer holen jugendliche Fußballer von ihrer Wohnung oder aus der Schule ab und bringen sie zum Training nach Gelsenkirchen. Das beginnt meistens um 18 Uhr. Nach der Übungseinheit werden die Nachwuchsspieler aus der Knappenschmiede vom Fahrerteam auch wieder nach Hause gebracht. Die Touren führten nach Gelsenkirchen, aber auch in viele Nachbarstädte wie Dorsten, Wuppertal oder Lüdenscheid.

Verschmutztes Kündigungsschreiben von Schalke 04 zufällig im Hausflur entdeckt

Vergünstigungen bei Einkäufen im S04-Fanshop oder beim Ticketerwerb sind den Fahrern bereits vor zwei Jahren gestrichen worden. Anfang des Jahres hat der Verein noch mehr als 20 neue Mercedes-Busse bestellt. Schalke 04 hatte den Fahrern per Boten die Kündigungen zugestellt. Ein Fahrer erinnert sich, dass er die Nachricht eher zufällig angeschmutzt im Hausflur gefunden habe.

Auch Schwerbehinderte gehörten zum Fahrpersonal. Das Integrationsamt, das vor der Kündigung angehört werden muss, ist zumindest in einem Fall erst nach erfolgter Kündigung informiert worden. In einem Interview hatte Alexander Jobst vor Beantragung des Kurzarbeitergeldes noch von der großen Solidarität der Schalker Familie gesprochen – insbesondere „in schwierigen Zeiten“.

Fahrer der Knappenschmiede: Entscheidung steht laut Schalke 04 bereits seit dem Jahreswechsel fest

Der Verein, so Schalke-Presseprecherin Anja Kleine-Wilde, hätte bereits zum Jahreswechsel 2019/2020 aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen beschlossen, den Fahrdienst der „Knappenschmiede“ zur neuen Saison 2020/2021 vollständig durch einen externen Dienstleister ausführen zu lassen. Nach dem Erlass des umfangreichen Trainings- und Spielverbots im Jungendfußball und dem Abbruch der Spielzeit 2019/2020 seien die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Anfang Mai in persönlichen Gesprächen in Kenntnis gesetzt worden.

„Anschließend“, so der Verein, „wurde der Betriebsrat informiert, bevor die Kündigungen Ende Mai ausgesprochen wurden. Der FC Schalke 04 ist bemüht, für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter individuelle Lösungen im Verein oder seinen Gesellschaften zu finden und hat dies teilweise bereits erreichen können.“

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