Zukunftsforschung

IKT Gelsenkirchen investiert 11 Millionen Euro in Starkregen-Prüfstand

Ministerin Ursula Heinen-Esser überbrachte Prof. Bert Bosseler, wissenschaftlicher Leiter des IKT (l.)  und Geschäftsführer Roland Waniek den Förderbescheid über 9,18 Millionen Euro für den Erweiterungsbau des Instituts.

Ministerin Ursula Heinen-Esser überbrachte Prof. Bert Bosseler, wissenschaftlicher Leiter des IKT (l.) und Geschäftsführer Roland Waniek den Förderbescheid über 9,18 Millionen Euro für den Erweiterungsbau des Instituts.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Das Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) baut den weltgrößten Starkregen-Prüfstand. In Gelsenkirchen werden Kanalprobleme simuliert.

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Schachtbauwerke und Kanalbauteile können sie bislang im IKT, im Institut für Unterirdische Infrastruktur im Maßstab 1:1 prüfen und testen, dabei ordentlich Grundwasserdruck aufbauen oder die Belastungen von schweren Lkw über einen Zeitraum von 30 Jahren und die Folgen für das Kanalnetz simulieren, so Bauingenieur Martin Liebscher. Die Großanlage 1 war bislang das Prunkstück des Instituts am Exterbruch. Bis 2021 wird ihr ein weiteres Großprojekt den Rang ablaufen.

NRW-Umweltministerin überbringt den Förderbescheid

Das IKT realisiert in Ückendorf den weltweit größten – und damit einmaligen – Prüfstand für Starkregen. Eine Hallenneubau wird dafür errichtet. Es ist die größte Investition des Instituts, seit es mit der Gründung im September vor 24 Jahren in den Neubau nach Ückendorf zog Gesamtinvestition: 11 Millionen Euro. 9,18 Millionen fließen als Fördersumme vom Land. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser überreichte den Förderbescheid persönlich.

Eine gewisse Grundaufregung ist Dienstag bei den Institutsmitarbeitern deutlich zu spüren. Und selbst für die Ministerin ist es ein besonderer Tag. „So hohe Förderbescheide geben wir in der Tat selten. Aber es ist ja auch ein besonderes Thema. Die Klimaanpassung liegt mir besonders am Herzen“, sagt Heinen-Esser und macht sich nach einer Stippvisite wieder auf den Weg. Weitere Termine warten.

Zukunft auf der wandgroßen Funktionsskizze

In der Halle zeigen die Instituts-Kräfte, womit sie sich alltags beschäftigen: Sickerschächte oder Seitenabläufe und Gullys haben sie aufgebaut, eine Berieselungsanlage wässert einen Prüfstand für wasserdurchlässiges Ökopflaster. Die Zukunft ist bislang nicht mehr als eine wandgroße Funktionsskizze: Sie zeigt die geplante Anlage, die helfen soll, die wachsenden Probleme durch Starkregen zu lösen.

Für IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek lautet die Forschungsfrage, wie künftig Schäden durch Starkregen abgemildert oder gar verhindert werden können. „Dafür müssen neue Ansätze her, neue Techniken und neue stadtplanerische Konzepte.“ Auf dem neuen zehn mal 20 Meter großen Prüfstand kann, wiederum 1:1, realitätsnah simuliert wird, wie Regenwasser auf Straßen, in Wohn- und Gewerbegebieten abfließt. Mit der neuen Einrichtung lassen sich Straßenabschnitte nachbilden, inklusive aller dazu gehöriger Einbauten wie Bordsteine, Rinnen, Gullys, Abwasserschächte und -leitungen sowie modernster Geräte zum Regenwasserrückhalt. Ein besonderer Clou: Sogar Straßenneigungen bis zehn Prozent sind möglich.

Starkregenmassen von 1000 Liter pro Sekunde

Die Versuchsaufbauten können in der Spitze Starkregenmassen von 1000 Liter pro Sekunde und Hektar ausgesetzt werden. „Damit könnte man ein Bundesliga-Spielfeld in einer guten Viertelstunde knöcheltief unter Wasser setzen“, so die Forscher, die ihre Messdaten und Videobilder künftig in Echtzeit visualisieren und im Internet übertragen können.

Gelsenkirchener Institut hat 50 Mitarbeiter

Rund 50 Mitarbeiter inklusive studentischer Hilfskräfte hat das Institut, das bundesweit Schulungen anbietet, Produkte prüft und längst international unterwegs ist, neuerdings auch mit einer Niederlassung im niederländischen Arnheim. Die Forschungsarbeit, so der kaufmännische Leiter Lutz Rometsch, läuft weitgehend projektfinanziert – 80 Prozent kommen vom Land, 20 Prozent von den Kommunen.

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