Wettbewerb

Gelsenkirchens Lied für die Jewrovision 2017 in Karlsruhe

Die jüdische Gemeinde Gelsenkirchen schickt am Samstag die Gruppe „Chesed“ bei der Jewrovision 2017 in Karlsruhe ins Rennen.

Die jüdische Gemeinde Gelsenkirchen schickt am Samstag die Gruppe „Chesed“ bei der Jewrovision 2017 in Karlsruhe ins Rennen.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Die Glitzerwelt des Eurovision Song Contest gilt als Vorbild der Jewrovision, die am Samstag über die Bühne geht. Gelsenkirchen ist mit dabei.

Es glitzert, funkelt und leuchtet auf der Bühne, zu poppiger Musik wird eine abgefahrene Tanzaufführung geboten. Nein, diesmal ist nicht der „Eurovision Song Contest“ gemeint, bei dem sich Bands aus diversen europäischen Ländern alljährlich mit ausgefallenen Showauftritten duellieren. Hier geht es um den Ableger „Jewrovision“ – und diese Veranstaltung klingt nicht nur ganz ähnlich, sie ist auch genau so aufgebaut. Mit dem kleinen Unterschied, dass hier ausschließlich jüdische Teilnehmer gegeneinander antreten.

Breakdance für die große Show

Die „Jewrovision 2017“ findet an diesem Wochenende in Karlsruhe statt. Und auch die jüdische Gemeinde von Gelsenkirchen ist dabei groß vertreten: Sie schickt die Jugendgruppe „Chesed“ ins Rennen. „Chesed“ ist das hebräische Wort für die absolute Liebe, die keine Bedingungen stellt und keine Gegenleistung erwartet.

Von Liebe, Gemeinschaft und dem Zusammenleben von Juden aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen handelt auch das Lied, das die Jugendlichen bei ihren wöchentlichen Treffen in der Gemeinde gemeinsam getextet haben. „Zwei von uns singen den Song, auf Englisch und auf Deutsch“, erklärt Karina (15). Umgeben sind die beiden Gelsenkirchener Sängerinnen auf der Karlsruher Bühne heute von sieben Mädchen und sechs Jungs, die einer durchgetakteten Choreografie folgen – atemberaubend schnelle Breakdance-Bewegungen eingeschlossen.

Musik kommt vom Band – der Text ist selbst gedichtet

Alle weiblichen Teilnehmer tragen glänzende Jacken in den Farben Kupfer und Gold – und das hat einen ganz besonderen Grund. „Die Grundlage für unseren Song ist das Lied 24K Magic von Bruno Mars, und an diesem Goldthema haben wir uns orientiert, auch wenn unser Text natürlich etwas anders ist“, sagt die 15-Jährige Julia. Sie ist in Sachen „Jewrovision“ schon ein alter Hase, war schon mehrfach dabei. „Es geht nicht so sehr darum, den Wettbewerb zu gewinnen, sondern darum, andere jüdische Jugendliche zu treffen. Wir tauschen uns aus und haben immer viel Spaß zusammen“, erzählt sie.

Die 12-jährige Alina ist schon ganz aufgeregt, der Auftritt mit „Chesed“ in Karlsruhe wird ihr erster auf einer so großen Bühne sein. „Ich bin sehr gespannt“, sagt sie. Am Freitagmorgen startete der Bus in Richtung Schwarzwald, heute ab 20.45 Uhr heißt es dann: Daumen drücken für Chesed aus Gelsenkirchen. Wer mag, kann den Musik- und Tanzwettbewerb auch online im Live-Stream verfolgen auf jewrovision.de.

Die Sieger „gewinnen“ den nächsten Austragungsort

Und wer weiß? Vielleicht findet die Jewrovision 2018 in Gelsenkirchen statt – denn: „Austragungsort ist immer die Stadt, aus der die Siegergruppe stammt“, sagt Karina. Im vergangenen Jahr landete „Chesed“ im Mittelfeld auf Platz 14 – und war damit deutlich besser platziert als „Jamie-Lee“, die deutsche Teilnehmerin beim ESC. . .

>>Info: Die Jewrovision ist der größte jüdische Gesangs- und Tanzwettbewerb Deutschlands und Europas. Teilnehmen dürfen jüdische Kinder und Jugendliche zwischen elf und 19 Jahren.

Die „Jewrovision“ gibt es seit 2002, seit 2013 ist der Zentralrat der Juden in Deutschland offizieller Ausrichter. In diesem Jahr nehmen 1000 Jugendliche aus 45 Gemeinden teil.

Der Wettbewerb steht im Mittelpunkt einer Jugend-Begegnung (Mini-Machane), bei der alle Teilnehmer gemeinsam den Shabbat feiern, jüdische Traditionen vermittelt werden und der Zusammenhalt und die jüdische Identität der Jugendlichen gestärkt werden. Das Fest startete am Freitag, 17. Februar und endet am Sonntag, 19. Februar. Dann machen sich auch die Jugendlichen von „Chesed“ auf die Heimreise.