Gewalt

Fast täglich Attacken auf Polizisten in Gelsenkirchen

Gewalt gegen Polizisten ist mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme: Im vergangenen Jahr weist die Polizeistatistik 137 Angriffe auf Polizeibeamte in Gelsenkirchen aus. 

Gewalt gegen Polizisten ist mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme: Im vergangenen Jahr weist die Polizeistatistik 137 Angriffe auf Polizeibeamte in Gelsenkirchen aus. 

Foto: Carsten Rehder

Gelsenkirchen.   Fast täglich gibt es Angriffe auf Polizisten in Gelsenkirchen. 2017 wurden 352 Einsatzkräfte Opfer von Gewalt. In NRW werden Beamte statistisch gesehen sogar im Halbstundentakt attackiert.

Eine 14-Jährige spaziert durch eine Grünanlage in Ückendorf, fühlt sich von einem 36-jährigen Mann belästigt, alarmiert die Polizei. Was dann bei der Kontrolle passiert, ist ebenso erschütternd wie mittlerweile alltäglich: Der Verdächtige schlägt mit einem Stock auf die alarmierten Polizisten ein, greift sogar nach einer Dienstwaffe.

Kopfstöße und Faustschläge folgen – ein Polizist hat eine blutende Wunde. Erst danach gelingt es den beiden jungen Polizisten, beide 23 Jahre alt, den Mann zu überwältigen und in Gewahrsam zu nehmen. Bei der Durchsuchung finden die Beamten außerdem mehrere Messer.

Schläge, Schubsereien, Tritte oder Angriffe

Ein Einzelfall? Mitnichten. „Alle 30 Minuten wird in NRW ein Polizist oder eine Polizistin verbal oder körperlich angegriffen“, erklärte Arnold Plickert, Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), vor einigen Wochen. Zahlen des Landeskriminalamtes stützen diese Aussage. Die Zahl der Opfer stieg im Vergleich zum Vorjahr um fast acht Prozent auf insgesamt 18 039. Zwischen 2010 und 2017 lag die Steigerung sogar bei 90 Prozent.

Während die Gewaltdelikte in der Gesamtgesellschaft den Kriminalstatistiken zufolge abnimmt, steigt die Zahl der Angriffe auf Polizisten drastisch. Bei den Verstößen gibt es ein breites Spektrum: Schläge, Schubsereien, Tritte oder Angriffe mit Gegenständen.

Sieben Attacken auch auf Rettungsdienste

Gelsenkirchen bildet da keine Ausnahme. Im Gegenteil. „Im Prinzip wird hier täglich ein Beamter oder eine Beamtin Opfer von verbalen oder gewalttätigen Angriffen“, sagt der Polizeigewerkschafter Jörg Klink, er ist Vorsitzender der GdP-Kreisgruppe Gelsenkirchen.

Die örtliche Statistik zeigt es deutlich: Im Jahr 2011 wurden 145 Einsatzkräfte der Polizei Opfer von Übergriffen, 2017 sind es 352. Und auch die Attacken auf Rettungsdienste, ausgerechnet gegen die Helfer, die täglich Leben retten, gegen Anlass zur Besorgnis – es sind immerhin sieben.

Was der Polizei bei der Entwicklung besonders Sorge bereitet, ist die zunehmende Brutalität der Täter, die selbst bei Polizisten nicht mehr davor zurückschrecken, ein Messer zu ziehen. Die Gewerkschaft fordert daher Haftstrafen für Täter, die auf Polizisten losgehen. Es gebe zwar bereits einen neuen Straftatbestand, erklärt die Polizeigewerkschaft, der werde aber noch nicht intensiv genug von den Gerichten umgesetzt, so die Kritik der GdP.

Respektlosigkeit gegenüber der Polizei nimmt zu

So wurde der Angreifer aus dem Ückendorfer Park einen Tag nach der Attacke wieder auf freien Fuß gesetzt. Den Beschuldigten erwarten Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“, erklärt Polizeisprecher Thorsten Sziesze.

Sziesze ergänzt: „In Gelsenkirchen wurden Polizisten im vergangenen Jahr 137 mal angegriffen. 2016 waren es 132 Fälle. Die zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Polizisten und anderen Helfern ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das wir lösen müssen.“

Wichtig: Die Zahl der Attacken ist nicht gleichzusetzen mit den Zahl der Opfer. Bei einer Attacke, siehe den geschilderten Fall, können mehrere Polizisten verletzt werden.

Ein Polizist ist immer noch krankgeschrieben

Weitere Angaben zu dem 36-Jährigen Polizei-Angreifer, der offenbar mit mehreren Messern bewaffnet durch Ückendorf spazierte, kann Thorsten Sziesze mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Immerhin ist einer beiden angegriffenen Polizisten bereits wieder im Streifendienst. Der zweite Beamte ist indes noch krankgeschrieben – er erlitt einen Nasenbeinbruch.

Leserkommentare (4) Kommentar schreiben