Stolpersteine

Ein Urenkel auf den Spuren der Vergangenheit

Vor dem Haus Bahnhofstraße 22 in Gelsenkirchen werden Stolpersteine zum Gedenken an die jüdische Familie Gompertz verlegt.

Foto: Martin Möller

Vor dem Haus Bahnhofstraße 22 in Gelsenkirchen werden Stolpersteine zum Gedenken an die jüdische Familie Gompertz verlegt. Foto: Martin Möller

Altstadt.   Ron Gompertz, Urenkel des Pelzhaus-Gründers Albert Gompertz, kommt zur Stolperstein-Verlegung. Er erforscht die Familiengeschichte.

Wenn Häuser sprechen könnten ... etwa über die Geschichte des Pelzhauses Gompertz, die auf Albert Gompertz zurückgeht. Der 1889 die Gelsenkirchenerin Sophie Rubens heiratete und 1889 das bekannte Pelzhaus an der damaligen Friedrichstraße (Schalker Straße) gründete. Das Pelzhaus florierte, zur weiteren Expansion mietete Albert Gompertz 1909 ein Geschäftshaus an der Bahnhofstraße 22, Ecke Klosterstraße, das er dann einige Jahre später auch kaufte.

Erste Stolpersteine auf der Bahnhofstraße

Aus seiner Ehe mit Sophie gingen fünf Kinder hervor, der älteste Sohn war Leo Gompertz – der Großvater von Ron Gompertz. Der Enkel kommt am 24. November zur Verlegung der von ihm gestifteten fünf Stolpersteine. Es sind die ersten Erinnerungssteine aus der Werkstatt des Künstlers Gunter Demnig, die auf der „Einkaufsmeile“ in der Altstadt verlegt werden.

Sie erinnern an Leo, Betty, Albert, Fritz und Rolf Gompertz, die 1939 und ‘40 noch rechtzeitig aus Nazi-Deutschland fliehen konnten und damit dem Holocaust entkamen. Ihr Weg führte über Holland in die USA. Das Haus an der Bahnhofstraße 22 aber ging im Zuge der so genannten „Arisierung“ am 7. Februar 1940 an Kaufmann Wilhelm Rüter . Er wurde als neuer „Eigentümer“ in das Grundbuch eingetragen. Das stattliche Eckhaus wurde 1944 durch Bombenangriffe zerstört. Rüter ließ es nach dem Krieg wieder aufbauen.

Recherchen für einen Roman mit Familienbezug

Ron Gompert lebt heute in London, hat einen amerikanischen und einen deutschen Pass. Aktuell recherchiert er für einen Roman mit Familienbezug. Denn: Sein Vater Albert hat den Holocaust überlebt – und Jahrzehnte später den Angriff auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001. Im Zuge seiner Forschungen hat Gompertz auch Kontakt zur Historikerin Andrea Niewerth aus Gladbeck, der Autorin des Buches „Gelsenkirchener Juden im Nationalsozialismus“. Sie begleitet ihn bei seiner Familienrecherche, „weil es meine Profession ist“, wie sie sagt. Im Juli hat sie Gompertz in London getroffen und bei dieser Gelegenheit erfahren, dass er Philip Kirsch angeschrieben, aber keine Antwort bekommen habe.

Hausbesitzer erschrocken über die Hausgeschichte

Gerne hätte er nämlich anlässlich der Stolperstein-Verlegung in Gelsenkirchen an der Wiege seiner Familie am 24. November die Angehörigen des früheren Hausbesitzers getroffen, um vielleicht noch etwas von früher zu erfahren.

„Ich könnte Herrn Gompertz gar keine Informationen geben“, sagte Kirsch auf Nachfrage der WAZ. Er betonte, er habe weder einen Anruf, noch Post, auch keine E-Mail von Ron Gompertz erhalten, sondern im Zusammenhang mit der Stolperstein-Verlegung nur Kontakt zu Organisator Andreas Jordan gehabt, mit dem er sich vor Ort getroffen habe. Kirsch sagte auch: „Im Zusammenhang mit der Vergangenheit des Hauses lagen mir keine Informationen vor. Der jüngeren Familie war nicht bekannt, dass Wilhelm Rüter diese Machenschaften mitgemacht hat. Wir sind erschrocken.“ Die Stolpersteine seien gut, bei der Verlegung sei er mit seiner Familie aber voraussichtlich im Urlaub.

Sehen, was sein Vater in seiner Kindheit sah

Gompertz hat sich in der E-Mail an Kirsch gewünscht, er würde gerne aus dem Haus schauen, sehen, „was mein Vater aus seinem Schlafzimmerfenster während seiner Kindheit sah.“ Kirsch signalisierte der WAZ, dass dies vom Laubengang des Hauses möglich sei.

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