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Ein Münsteraner (Platz 33) verteidigt Gelsenkirchen (#401)

Von wegen Gelsenkirchen ist nicht fahrradtauglich: Auch jenseits des Kanals lässt es sich hier gut radeln. Und leben, bestätigt ein Münsteraner auf Deutschlandreise im Radio.

Von wegen Gelsenkirchen ist nicht fahrradtauglich: Auch jenseits des Kanals lässt es sich hier gut radeln. Und leben, bestätigt ein Münsteraner auf Deutschlandreise im Radio.

Foto: Martin Möller / FFS

Gelsenkirchen.  Der Deutschlandfunk Kultur macht auf seiner Deutschlandtour mit einem 54-Minuten-Beitrag Station in Gelsenkirchen. Auf den Spuren von #401.

Die ZDF-Studie, die Gelsenkirchen in Sachen Lebensqualität auf den allerletzten Platz 401 setzte, erkor das RWI in Essen, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, zur „Unstatistik des Monats“. Auch der gebürtige Dattelner und mittlerweile in Münster beheimatete Journalist Heiner Wember, Mitarbeiter des Deutschlandfunks, konnte nicht fassen, dass eine Stadt mit dem Musiktheater im Revier, reicher Kulturszene, einem Fußball-Erstligisten und vielem mehr auf dem letzten Platz landete. „Sein“ Münster schaffte es in der Studie als beste NRW-Stadt auf Platz 33, klar vor Düsseldorf (Platz 101). Wember wollte es genauer wissen, schlug seinem Sender vor: „Ich begebe mich auf eine Reise aus dem ‘Himmel’ Münster in die ‘Hölle’ Gelsenkirchen.“ Es bedurfte keiner großen Überredungskunst. Das Ergebnis dieser viertägigen Reise ist nun am Sonntag ab 11.05 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur zu hören, 54 Minuten lang, in der Reihe Deutschlandrundfahrt. Der Titel der Sendung: Ruhrpott-Realismus.

Vier Tage unterwegs in der Stadt

Wember machte sich eigens ohne große Vorrecherche auf den Weg, wollte der Stadt und ihren Menschen unvoreingenommen begegnen. Lediglich Olivier Kruschinsky, den Ideengeber und Motor der #401-Kampagne, mit der die ganze Stadt inklusive Stadtspitze auf die Studie reagierte, kontaktierte er bereits im Vorfeld. Ansonsten ließ er sich vier Tage lang in der Stadt treiben. Schaute sich die „berüchtigte“ Bochumer Straße an und traf dort auf einen Bauingenieur aus Afghanistan, der ihm seine Geschichte erzählte und von der Unterstützung durch den deutsch-türkischen Freundschaftsverein. Dem ‘Wember daraufhin ebenfalls einen Besuch abstattete.

„Man kann hier durchaus auch Fahrradfahren“

Unterwegs war er auch mit dem Fahrrad – für einen Münsteraner eine Pflicht. „Natürlich ist es hier nicht so fahrradfreundlich wie in Münster. Aber man kann hier durchaus auch Fahrradfahren“, versichert Wember. Mit einer naturkundlich Bewanderten erradelte er sich die Gelsenkirchener Natur, im Wohnzimmer an der Kaue sprach er mit Open Stage-Aktiven und mit der Lama-Flüsterin Beate Pracht und einem ihrer Tiere begab er sich auf die Halde, um sich einen Überblick zu verschaffen. Den Chef des Traditions-Imbiß Janssen traf er zufällig, im Kleingartenverein Bismarckhain („Die Kleingartenkultur war mir wichtig!“) besuchte er den Pfad der Sinne, der vor allem auch für Menschen mit Sehbehinderungen angelegt wurde. Auch die Kriminalstatistik nahm er unter die Lupe. „Die Entwicklung ist doch gar nicht so schlecht für Gelsenkirchen“, stellte er fest.

Kulturell kann Münster nicht mithalten

Am Ende der Gelsenkirchen-Tour weiß er: Die Skepsis gegenüber der ZDF-Studie war durchaus angebracht. „Aber das war mir auch vorher klar. Die kulturelle Vielfalt und auch das Angebot an Großevents in Gelsenkirchen und im direkten Umfeld ist so groß, da kann Münster überhaupt nicht mithalten. Ich bin ja mit meiner Frau auch regelmäßig zu Veranstaltung in der Region – auch in Gelsenkirchen.“

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