Krippen-Ausstellung

Die traditionelle Krippe in einem modernen Lichtgewand

Eine zeitgenössische Krippen-Installation steht in Gelsenkirchen in der Propsteikirche St. Augustinus. Die Propsteigemeinde hatte einen Wettbewerb zur Gestaltung einer neuen Weihnachtskrippe ausgelobt.

Eine zeitgenössische Krippen-Installation steht in Gelsenkirchen in der Propsteikirche St. Augustinus. Die Propsteigemeinde hatte einen Wettbewerb zur Gestaltung einer neuen Weihnachtskrippe ausgelobt.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Altstadt.  „Ars Liturgica“-Gewinnerin Sabine Reibeholz aus Wuppertal stellte am Samstag in St. Augustinus in Gelsenkirchen ihre Krippe vor.

Der Weihnachtsmarkt rund um die Propsteikirche St. Augustinus war am Samstagnachmittag schon gut besucht, als die mächtigen Glocken vom Turm zur Einkehr in das Gebäude riefen. Anlass war die feierliche Präsentation der neuen Krippe mit einem Adventssingen vieler Chöre aus den Pfarreien. In Ückendorf fand parallel das Kulturhappening „Licht an!“ statt, die zeitgenössische Krippen-Installation „Fürchtet Euch nicht“ von Sabine Reibeholz hätte gut und gerne ein herausragender Teil dieses sein können.

„Licht war ein prägender Gedanke, der mir zur Aufgabenstellung Krippe einfiel“, sagte die Gewinnerin der Ausschreibung „Ars Liturgica“, der Wettbewerb für sakrale Kunst wird vom Bistum Essen alle zwei Jahre ausgelobt. Beim Eintreten in die dreischiffige Kirche mit traditionellem Kreuzgewölbe, in der von Ferne aus der Apsis die bunten Kirchenfenster leuchten, steht nun ein vier Meter hoher Zylinder, eingetaucht in gleißendes, weißes Licht. Schattenspiele wie Scherenschnitte deuten Schäfer, die Heiligen Drei Könige, ein Kamel, kurz alle traditionellen Komponenten der Weihnachtsgeschichte an. https://www.waz.de/staedte/gelsenkirchen/die-krippe-in-st-augustinus-bekommt-ein-leuchtendes-pendant-id227051165.html

Betreten der Installation löst gemischte Gefühle aus

Doch umrundet der Besucher die geometrische Figur öffnet sich der Raum, von dessen Decke 3500 transparente Kanüle bis zum Boden reichen. Leichtes Unwohlsein beim Betreten der Installation von dicken Plastikschnüren, aber „Fürchtet Euch nicht“ ist die Losung. Durch das Verschieben der Bänder entstehen immer neue, individuelle Lichtspiele. „Ein Prozess der Immersion, des Eintauchens in eigene Gedanken“, beschrieb es Pastor Mirco Quint. „Man wird selbst zum Darsteller in der Erzählung“. Und so findet der Betrachter schließlich das leere Bett aus Stroh.

Gemeinsames Singen mit den Besuchern

„Ad te, Domine, levavi animam meam“, zu Dir Gott erhob ich meine Seele, der gregorianische Choral gesungen vom Männerchor St. Franziskus aus Bismarck schlug zum Auftakt der Feier den weitesten Bogen von der modernen Installation zum Ursprung der Kirchenmusik. Sonor und meditativ waren die entrückenden Klänge, passend zum Mysterium. Jedes musikalische Ensemble der zweistündigen Feier trug weitere Aspekte der Betrachtung herbei. Die Bewegung, „Oh Heiland reiß die Himmel auf“, das Vertreiben der Dunkelheit „Das Licht einer Kerze ist im Advent erwacht“. Hunderte Menschen sangen gemeinsam die traditionellen Lieder „Macht hoch die Tür“ und „Tochter Zion, freue Dich“.

Festliche Klänge kamen von der Empore, es spielten Wolfgang Ballhausen (Orgel) und Annabell Biallas (Trompete), die Adventszeit 2019 war eingeläutet, die erste Kerze entzündet. Die Krippe kann jederzeit besichtigt werden, es bleibt spannend zu beobachten, wie Gemeinde und Besucher die gelungene, moderne Installation annehmen.

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