Roman

Das Roman-Debüt der Sopranistin Almuth Herbst – große Oper

Bekannt ist Almuth Herbst als Mezzosopranistin am Musiktheater im Revier, wo sie ab Samstag in der Oper „Mathis der Maler“ auf der Bühne steht. Nun hat sie  ihren ersten Roman vorgelegt –  aufgebaut wie eine große Oper.Foto:Martin Möller

Bekannt ist Almuth Herbst als Mezzosopranistin am Musiktheater im Revier, wo sie ab Samstag in der Oper „Mathis der Maler“ auf der Bühne steht. Nun hat sie ihren ersten Roman vorgelegt – aufgebaut wie eine große Oper.Foto:Martin Möller

Gelsenkirchen.   „Wintersaat“ heißt das 900 Seiten starke Historien-Drama und Roman-Debüt der Mezzosopranistin Almuth Herbst vom Musiktheater in Gelsenkirchen.

Diese Saat geht auf! Es bedarf nur weniger Seiten, und der Leser taucht unweigerlich ab in eine Welt aus mittelalterlichen Machenschaften, aus Leibeigenschaft und Adel, aus bösen Räubern, Mördern und braven Bürgern. „Wintersaat“, ein historischer Roman mitten aus dem tiefsten Münsterland, fesselt durch opulente Abenteuer und sensible Familien- und Liebesschicksale, bei denen sich das Große im Kleinen spiegelt.

Was das vor wenigen Tagen erschienene Buch zudem zu einem exotischen Erlebnis macht: Es stammt nicht aus der Feder einer klassischen Schriftstellerin, sondern einer klassischen Musikerin. Die großartige Opernsängerin Almuth Herbst vom Ensemble des Musiktheaters im Revier legt mit „Wintersaat“ ihr literarisches Erstlingswerk vor.

Beim Warten auf Vorsingen zu schreiben begonnen

„Hoffmanns Erzählung“: Aber besoffen bin ich von dir Dabei trägt die umfassend ausgebildete Mezzosopranistin, die vor ihrer Gesangskarriere zunächst Theologie studiert hatte, den Stoff schon sehr lange mit sich herum. Das Münsterland, das kennt sie schließlich wie ihre Westentasche. In Bocholt geboren, in Münster studiert, lebt sie heute in Olfen, gemeinsam mit ihrem Mann, dem Gitarristen Udo Herbst, in der historischen Füchtelner Ölmühle. Las alte Sagen und Legenden, und schrieb schließlich eigene, fantastische Geschichten auf: „Am Ende meines Gesangsstudiums“, erinnert sich die Sängerin an die Zeit vor gut zehn Jahren, „da tobte gerade die Finanzkrise und die Theater zögerten mit neuen Engagements.“

Einladungen zum Vorsingen blieben eine ganze, quälende Zeit lang aus. Während Almuth Herbst vor dem Telefon hockte und auf Angebote wartete, nutzte sie diese Phase äußerst kreativ. Und schrieb.

Auf den Spuren eines jungen, schnöseligen Adeligen

Und schrieb… Zunächst aber noch keinen zusammenhängenden Text, sondern kleine Erzählungen. Erst in den letzten Jahren setzte sie sich hin, recherchierte in Archiven und Bibliotheken und verwob Erfundenes mit Historischem zu einem großen Ganzen. Almuth Herbst lacht ihr ansteckendes, glockenklares Lachen, das die Sängerin verrät: „Ja, das Buch ist richtig dick geworden, dabei habe ich schon eine ganze Menge gekürzt!“ Auf fast 900 Seiten entfaltet die Autorin einen prallen Kosmos aus Historien-Drama, Zeit- und Familiengeschichte.

Vor den Augen des Lesers entfaltet sich ein Kaleidoskop an Figuren, deren Lebensgeschichten er für ein paar Jahrzehnte lang verfolgen darf. Der Entwicklungsroman setzt sich auf die Spur des halbwüchsigen, schnöseligen Adligen Jeremias, der Ende des 17. Jahrhunderts aus seiner privilegierten Welt gerissen und durch die Hölle gejagt wird und am Ende erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben.

Lyrisch-warme Sprache

Der Roman ist aufgebaut wie eine große Oper in einen ersten, zweiten und dritten Aufzug. Musikalische Zitate tauchen auf, aus Wagners „Tristan und Isolde“ etwa oder aus Korngolds „Die tote Stadt“, aber auch aus Rock- und Popsongs von Udo Lindenberg, den Toten Hosen, Nena oder David Bowie. Wer die aber nicht erkennt, der verliert nichts vom Genuss am Lesestoff. Almuth Herbsts lyrisch-warme Sprache fließt in einem mitreißenden Fluss leicht dahin, bleibt immer authentisch, nutzt auch moderne Begrifflichkeiten.

Lesungen in Buer und Horst

Auf der Bühne im Fokus zu stehen, ist die Operndiva gewohnt. Auf der Lesebühne aber „zusammen mit den Zuhörern durch meinen Kopf spazieren zu gehen“, das ist schon eine andere Hausnummer. Almuth Herbst lacht: „Das ist aufregend, da ist das Lampenfieber schon groß.“ Und die Nachfrage nach Lesungen ist derzeit riesig, allein bis März sind es zwei Dutzend.

Wer zuhören möchte: Almuth Herbst liest am 27. Oktober um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Kottmann an der Nienhofstraße in Buer. Dazu musiziert die Folk-Band Brisinga. Karten kosten 5 Euro, der Erlös geht an das SOS-Kinderdorf.

Eine weitere Lesung gibt es am Donnerstag, 16. November, um 19 Uhr im Schloss Horst in der Reihe „Debüt im Schloss“. Wer Almuth Herbst dazu als Opernsängerin erleben möchte: Ab 28. Oktober singt sie am Musiktheater die Gräfin in der Hindemith-Oper „Mathis der Maler“.

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