Gastronomie

Das Kneipensterben in Gelsenkirchen geht weiter

Ein Paradestammgast im „Flash Pub“ ist Frank Zapp. Thomas Nikutta (links) und seine Ex-Frau wollen das Lokal jedoch zum Jahresende schließen. Am „Burgers & Beer“ am Neumarkt sind die Lichter bereits aus.

Ein Paradestammgast im „Flash Pub“ ist Frank Zapp. Thomas Nikutta (links) und seine Ex-Frau wollen das Lokal jedoch zum Jahresende schließen. Am „Burgers & Beer“ am Neumarkt sind die Lichter bereits aus.

Foto: Martin Möller / Funke Foto ServicesFoto

Gelsenkirchen.  Die Gastronomie in Gelsenkirchen schwächelt. Am „Burgers & Beer“ sind die Türen zu. Wo sonst noch überall die Lichter ausgehen.

Die Gastronomielandschaft in der Gelsenkirchener City schrumpft weiter. Das „El Sombrero“ in der Arminstraße hat schon geschlossen – aus gesundheitlichen Gründen, wie es heißt –, das „Asia Pearl“ am Margarete-Zingler-Platz hat Insolvenz angemeldet, beim „Burgers & Beer“ am Neumarkt sind seit Wochen nach „Betriebsferien“ die Lichter aus, bereits 2018 schloss das traditionsreiche „Consilium“. Und zum 31. Dezember kündigt Thomas Nikutta das Ende des „Flash Pubs“ an der Von-Oven-Straße an.

Am „Flash Pub“ läuft der Pachtvertrag aus, von der Verlängerungsmöglichkeit wollten Thomas Nikutta und seine Ex-Frau – zuletzt Geschäftsführerin im Pub – keinen Gebrauch machen. „Es lohnt nicht mehr“, erklärt Nikutta. Es sei eine private Entscheidung und solle ein „Abschied mit Handschlag und erhobenen Hauptes“ werden, ohne wochenlange Schilder im Fenster „wegen Wasserschaden geschlossen“.

Positive Entwicklung bei Restaurants mit neuen Betreibern wie „Dyosmos“ und „Hirt“

City-Managerin Angela Bartels beobachtet die Entwicklung mit Besorgnis, sieht aber auch Positives: „Wir haben bei ,Dyosmos’ an der Rotthauser Straße und in der ,Tombola’ daneben und auch bei ,Hirt’ in der Arminstraße neue Besitzer und alle drei laufen sehr gut. Ich würde nicht von einer generellen Krise sprechen.“ Es sei aber schon sehr bedauerlich, dass so viele Gastro-Betriebe wie das „Burgers & Beer“ geschlossen seien. Ob und wenn ja welche Nachfolgelösung es am Neumarkt gebe, wisse sie nicht. Die Sparkasse Gelsenkirchen als Vermieterin des „Burgers & Beer“ sucht zwar nach eigenen Angaben nach einer Nachfolgelösung; von den Problemen in den Toilettenanlagen, über deren Geruch Kunden des Restaurants geklagt hatten, wisse man aber nichts. Den Innenausbau inklusive Toilettenanlage hatte der Pächter Alex Schlüter, der telefonisch nicht erreichbar ist, in Eigenregie übernommen.

Auch Wirtschaftsförderer ist besorgt wegen Entwicklung der Gastroszene

Auch Bernd Gebert von der Wirtschaftsförderung, die den Einzug des Burger-Teams im Sparkassengebäude freudig begleitet hatten, kann noch nichts Konkretes sagen. „Wir suchen eine Nachfolgelösung, aber mehr können wir erst in vielleicht zwei oder drei Wochen sagen,“ bedauert er. Auch er beobachtet die Entwicklung in der Gastroszene mit Sorge, „auch über die Stadtgrenze hinaus.“ Normale Kneipen zögen einfach weniger Kunden an, bei Events laufe es aber gut.

Im „Rosi“ läuft es weiterhin gut

Stefan Paetz vom „Rosi“ mag nicht ins Klagelied einstimmen. „Bei uns läuft es gut. An Wochenenden sind wir immer voll. Wir haben viele Stammkunden, aus anderen Städten wie Bochum lockt man freilich weniger Gäste nach Gelsenkirchen. Aber wenn mal einer auswärts kommt, ist er immer begeistert“, betont er. Events gibt es im „Rosi“ nur zu klassischen Terminen wie St. Patricks Day, Halloween und Weihnachten, das laufe sehr gut. „Aber sonst: Die Live-Musik ist eher mein eigenes Ding“, räumt er ein. Dass das ,Burgers & Beer’ zu ist, bedauert er. „Da gab es ja große Überschneidungen beim Publikum. Viele gingen erst dahin zum Essen und kamen danach zu uns.“

Thomas Nikutta, der sich künftig neben dem „Le Flair“ in Rotthausen und dem Feierabendmarkt um Events kümmern will, sieht das anders. „Die Leute kommen nicht mehr in die Kneipe. Die gehen zu Events und dann nach Hause. Auch das Public Viewing 2016 hat schon viel weniger gezogen als noch zur WM 2014. Rudelgucken macht man zu Hause. Oder auf Plätzen, wo man sein Getränk mitbringt.“ Mit Wehmut denke er an die Zeiten des Gelsen-Citysound zurück, wo bis zu 16 Gaststätten mit Live-Musikevents das Nachtleben in der Stadt beleben wollten. Aber die meisten Teilnehmer seien längst nicht mehr da.

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