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Bilderbuchkarriere von der kleinen Imbissbude zum Großhandel

Trotz der neuen Größe ist es auch ein Familienbetrieb geblieben: Enver Cagatay (r.) in seinem neuen Großhandel für Imbissbedarf.

Trotz der neuen Größe ist es auch ein Familienbetrieb geblieben: Enver Cagatay (r.) in seinem neuen Großhandel für Imbissbedarf.

Schalke.  Enver Cagatay kam als 17-Jähriger mit Nichts nach Deutschland – und baute binnen weniger Jahre einen Imbiss-Großhandel auf.

Sein Lieblingsland war schon immer Deutschland – und ist es auch geblieben. Mit jungen 17 Jahren kehrte Enver Cagatay seinem Heimatland Türkei den Rücken und machte sich völlig alleine auf den Weg. „Dieses Land ist schön, die Menschen sind nett, das war die richtige Entscheidung“, sagt er strahlend. Er ist mit einer deutschen Frau verheiratet, hat vier Kinder und eine rundum positive Ausstrahlung. „Meine Träume sind wahr geworden.“ Mittlerweile hat er auch selbst die deutsche Staatsangehörigkeit, scheint noch deutscher zu sein als viele andere: „Es kommt auf Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Vertrauen an“, sagt der 44-Jährige.

Mit diesen Charaktereigenschaften hat er eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Mit einer kleinen Imbissbude fing sein beruflicher Weg an, Ende Oktober 2017 eröffnete er an der Lockhofstraße 10 „EC Gastro“, einen Lebensmittelgroßhandel auf 1500 Quadratmetern mit einer Investition von einer halben Million Euro. Für Großhändler, Einzelhändler und Privatpersonen. Kaufen kann man preiswert ohne Registrierung, ohne besondere Karten, ohne Beschränkung.

Zwölf-Stunden-Tage waren die Regel

Die Strategie der kleinen Schritte ging vollkommen auf. „Man sollte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen, lieber langsam wachsen“, ist seine Überzeugung. Ungefähr vier Jahre hat er in seinem Imbiss gearbeitet. „Das ist wirklich harte Arbeit. Unter zwölf Stunden am Tag bin ich nicht weggekommen“, schildert Cagatay sein damaliges Leben.

Dann kaufte er sich einen gebrauchten Lieferwagen und belieferte Imbiss-Besitzer und Gastronomen in der Region, die er kannte. „Weil ich das Geld für das Auto nicht auf einmal auf den Tisch legen konnte, habe ich bei Bankeneinen Kredit von wenigen tausend Euro haben wollen. „Den habe ich aber nicht bekommen, weil ich selbstständig war. Geholfen hat mir keine Bank“, berichtet der Familienvater.

Die Banken wollten nicht mit Kredit helfen

Da er über die Preise von Lebensmitteln, Plastikbesteck und Tellern, Verpackungen und Getränken durch sein Imbissgeschäft bestens informiert war, stimmten seine Preise, die er seinen Kunden in dem Gastronomiebereich abnahm. Im Jahr 2013 ergab es sich, dass ein Bekannter von ihm, der ein Gastrounternehmen auf der Wilhelminenstraße hatte, aus Altersgründen aufhören wollte. Enver Cagatay wurde gefragt, ob er den Betrieb übernehmen wollte. Er wollte, hatte aber das Geld für die Übernahme nicht. „Wir einigten uns darauf, dass ich die Summe, die noch ausstand, in Raten abbezahle“, schildert der Macher. „Ohne Vertrag, ohne schriftliche Erklärung – nur auf Vertrauensbasis.“

Etwas über drei Jahre – bis Mitte dieses Jahres – arbeitete der Freund dann bei Cagatay als Angestellter, der 44-Jährige wiederum profitierte enorm von dessen Erfahrungsschatz. 2015 zog der Betrieb um nach Ückendorf, weil es zu eng geworden war. Jetzt, Ende Oktober 2017, ein weiterer Umzug wegen der enormen Expansion des Unternehmens.

Kunden sind auch Brautleute für Polterabende

Beliefert werden Pizzerien, Restaurants, Vereinslokale, Moscheen, Privatleute – alle Nationalitäten, eben alle, die Interesse haben. Beliebt ist EC Gastro auch bei türkischen Brautpaaren. „Bei Hochzeiten übernehmen ja in der Regel die Restaurants den gesamten Service. Aber traditionell muss die Braut den Polterabend gestalten, bezahlen und organisieren. Da sind wir ein gefragter Lieferant“, berichtet Sekretärin Aysel Calis.

Genug Arbeit für acht Beschäftigte

EC Gastro bietet alles rund um den Gastronomiebetrieb. Ob es frisches Gemüse ist wie Weiß- und Rotkohl, Zwiebeln, Petersilie und Dill, was die meisten Imbisse benötigen, ob es Pappschachteln sind, um Essen warm nach Hause zu bringen oder Wein, Gewürze, Soßen und Pizzabrettchen – es ist alles zu haben. Es gibt riesige Gefriertruhen und begehbare Kühl- und Gefrierhallen. Da blieb das Handwerk gleich in der Familie, denn ein Sohn hat im Bereich Klima- und Kühltechnik seinen Meister gemacht. Ein weiterer Sohn arbeitet ebenfalls im Unternehmen, ein Bruder von Enver Cagatay auch. Inklusive Chef gibt die Firma mittlerweile acht Beschäftigen Arbeit. Und das Ende der beruflichen Fahnenstange scheint noch lange nicht erreicht.

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