Gastrokolumne

„Zum Kanonier“: Bodenständige Schankwirtschaft in Altenessen

Die Schankwirtschaft "Zum Kanonier" in Essen.

Die Schankwirtschaft "Zum Kanonier" in Essen.

Foto: STEFAN AREND

Essen.   In der Wirtschaft „Zum Kanonier“ wird die Bergarbeiter-Tradition groß geschrieben. Dem Ruf der bodenständigen Kneipe fühlt man sich verpflichtet.

„Glückauf“ steht in alten Lettern eingelassen in den Boden des Eingangs, und sofort weiß der Besucher: In der Schankwirtschaft „Zum Kanonier“ wird die Bergarbeiter-Tradition groß geschrieben.

Seit mehr als einem Jahrhundert wird hier, am Rande der Stadt im nördlichen Altenessen, Essen serviert und Bier ausgeschenkt. Viele Jahrzehnte lang waren vor allen die Steiger und Hauer des benachbarten Hansenschachtes der Zeche Fritz-Heinrich Stammgäste in der einstigen Zechenkneipe, löschten ihren Durst nach harter Maloche unter Tage. „Das waren goldene Zeiten für den Kanonier“, schwärmt der heutige Wirt Heiner Weller. Der hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Geschichte des Kanoniers zu bewahren, die auch die Geschichte seiner Familie ist. Seinem Großonkel gehörte das Grundstück, er baute das Haus, sein Vater war als Betriebsführer der Zeche gern gesehener Gast.

Bodenständige Kneipe ohne Schnickschnack

Dem Ruf der bodenständigen Kneipe fühlt sich der gelernte Koch verpflichtet. Die Speisekarte wie die Tagesgerichte kommen ohne überflüssigen Schnickschnack aus. Und noch etwas fällt auf: Veganer und Vegetarier kommen hier so gar nicht auf ihre Kosten. Denn Heiner Wellers Spezialität heißt Fleisch.

Deswegen entscheiden wir uns nach einem wunderbaren Tapas-Vorspeisenteller für ein 400(!) Gramm Ribeye-Steak, ein Lammcarrée und Koteletts vom spanischen Pata Negra Schwein (alle Gerichte um die 25 Euro).

Der Wirt fragt uns nicht nach der Garzeit; er weiß als Kenner am besten, wie lange sein Fleisch gebraten werden muss. Das zumindest ist bereits nach den ersten Bissen unser Eindruck: Die Qualität ist super, das Fleisch auf den Punkt perfekt. Beilagen wie saisonales Gemüse, Kartoffeln und Salat sind wirklich nur Beilagen – sie sind frisch und nicht überwürzt, damit sie bloß nicht vom intensiven Fleischgeschmack ablenken.

Frisch gezapftes Stauder und Anekdoten des Wirtes

Dazu gibt es natürlich ein frisch gezapftes Stauder und ein paar erheiternde Anekdoten des Wirtes. Der scheut sich auch nicht, von der benachbarten Kegelbahn einen echten Zeitzeugen zu uns zu bitten – ein ehemaliger Steiger, der uns im passenden Ruhrpottdeutsch die diversen Bergbau-Devotionalien, die im Speiseraum ausgestellt sind, erklärt.

Wir bleiben viel länger als geplant, genießen noch Kaffee, Schnaps und Nachtisch (ein herrliches Tartufo mit Espresso und Sahnehaube) und fahren glücklich nach Hause.

Zum Kanonier, Heßlerstr. 62, Öffnungszeiten Die. bis So., 18-24 Uhr, 333808, www.zum-kanonier.com

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik