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Willi Nowack erwägt seine Rückkehr in die Essener Politik

Dass mit ihm zu rechnen ist, auch nach seiner Zeit im Gefängnis, bewies der ehemalige Landtagsabgeordnete und Essener SPD-Frontmann Willi Nowack mit seinem Buch „Nachgetreten“, das vor vier Jahren auf den Markt kam.

Dass mit ihm zu rechnen ist, auch nach seiner Zeit im Gefängnis, bewies der ehemalige Landtagsabgeordnete und Essener SPD-Frontmann Willi Nowack mit seinem Buch „Nachgetreten“, das vor vier Jahren auf den Markt kam.

Foto: Ulrich von Born / FFS

Essen.  Willi Nowack war der mächtigste Mann der SPD, vielleicht der ganzen Stadt, bevor er tief fiel. Jetzt will er es noch mal wissen – vielleicht.

Vor ein paar Tagen erst haben die Genossen ihn noch gefeiert: 50 Jahre SPD-Mitglied! Es war eine Ehrung mit gebremstem Schaum, bei der man vorsichtshalber das Mikro nicht aus der Hand gab, schließlich ist die örtliche Sozialdemokratie heute größtenteils heilfroh, ihren alten Frontmann, Landtagsabgeordneten und Strippenzieher Willi Nowack, dessen man sich zwischendurch ja sogar per Parteiausschluss-Verfahren entledigen wollte, aus dem Verkehr gezogen zu haben. Wenn man sich da nur nicht täuscht: „Der Willi“, wie sie ihn überall nennen, erwägt nämlich seinen Weg zurück in die Politik.

„Schockschwerenot“ seufzen die einen, eher belustigt zeigen sich andere, seit das Gerücht von Nowacks möglicher Selbsteinwechslung auf dem politischen Spielfeld vor allem in Altenessen die Runde macht. Dabei gibt es durchaus auch (Ex-)Genossen, die der Rückkehr des schlitzohrigen Ex-Abgeordneten Positives abgewinnen können.

Nowack und die SPD – „die längste Beziehung meines Lebens“

Kommt da also was? Willi Nowack selbst ziert sich noch: Diese fünf Jahrzehnte währende Liaison mit der SPD, das sei halt „die längste Beziehung meines Lebens“, sagt er auf Anfrage. Aber in der Tat „denke ich über eine Veränderung nach“. Von mindestens drei, vier Gruppierungen sei er angesprochen worden, dort doch wieder politisch mitzumischen.

Dass derlei Nachfrage, so sie denn der Wahrheit entspricht, einen Altmeister der politischen Taktik bauchpinselt, bestreitet Nowack erst gar nicht: „Schön“ sei das, einerseits. Und werfe andererseits für ihn die Frage auf, „ob ich mir das alles noch mal antun soll, diesen ganzen Stress“. Der Mann wird im kommenden Jahr schließlich 70 Jahre alt, und überhaupt: „Ich bin kein Einzelkämpfer.“

Gerüchte über einen Eintritt ins „Sozial-Liberales-Bündnis Essen“

Will sagen: Es braucht schon eine Truppe, die ihn mitträgt, und da trifft es sich gut, dass dieser Tage in Essen eine neue Wählervereinigung gegründet wurde, eine, von der es im Norden der Stadt heißt, dass Nowack dort andocken wolle: „Sozial-Liberales-Bündnis Essen“, so nennt Ratsherr Peter Lotz (Ex-SPD, Ex-FDP) die Vereinigung, der er als Mitgründer seit ein paar Tagen vorsteht – mit Ehefrau Anja als Stellvertreterin, ein paar Mitstreitern und der festen Absicht, Kurs auf die Kommunalwahl 2020 in Essen zu nehmen.

Dass dies kein leichtes Unterfangen wird, liegt auf der Hand: Um – wie etwa das Essener Bürger Bündnis – flächendeckend bei der Wahl zum Stadtrat antreten zu können, müssten 41 Kandidaten gefunden und für jeden Wahlvorschlag 20 Unterstützer aus dem jeweiligen Wahlbezirk beigebracht werden – dazu 100 Unterschriften für die Reserveliste.

Mit SLB-Gründer Lotz ist die Wählervereinigung schon im Rat vertreten

Immerhin hat das Sozial-Liberales-Bündnis mit seinem Gründer Peter Lotz für die verbleibenden zehn Monate der alten Ratsperiode einen Sitz im Stadtparlament sicher. Und dies aus komfortabler Lage, denn Lotz schloss sich dieser Tage der Ratsfraktion Tierschutz/BAL an, die damit nun vier Mitglieder zählt, mit FDP, Linken und EBB zahlenmäßig gleichzieht und sich prompt in Tierschutz/SLB umbenannte. Unter diesem Namen sind jetzt mittlerweile Ex-Mitglieder von Grünen und AfD, SPD, FDP und EBB aktiv.

Ob Willi Nowack hier seine neue politische Heimat findet oder andernorts, wird sich zeigen. Im Kreise seiner alten Getreuen trauen sie ihm manches zu: „Reden kann er ja“, meint einer, und wenn er sich zuletzt auch meist im Hintergrund bewegte, hielt er immer wieder Kontakt zu Ratsmitgliedern. Wohin das führt? „Ich werde mich im neuen Jahr dazu äußern.“

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