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Wie „Kunstbaden“ in Essen dem Glück auf die Sprünge hilft

| Lesedauer: 3 Minuten
Eine Frau, ein Mann, ein Cello und der Sprungturm im Grugabad: Die stimmungsvolle Kulisse beim „Kunstbaden“ zieht das Publikum an.

Eine Frau, ein Mann, ein Cello und der Sprungturm im Grugabad: Die stimmungsvolle Kulisse beim „Kunstbaden“ zieht das Publikum an.

Foto: Charles Deichmann

Essen.  Musik und Literatur im Essener Grugabad. Katja Heinrich und Florian Hoheisel suchen das Glück – und finden ihr Publikum vor traumschöner Kulisse.

Ist das Glück? So ein warmer Frühsommerabend mit viel Musik und dem sanften Säuseln der Wasserpumpe, einer lauen Brise um und dem Picknick vor der Nase. Es gibt jedenfalls unpassendere Augenblicke, um dem Glück auf die Schliche zu kommen, als so ein sonnewonnewarmer Kunstbaden-Abend im Grugabad.

Die zwei, die das Glück an diesem Abend in Text und Ton umschreiben, sind die Schauspielerin Katja Heinrich und der Musiker Florian Hoheisel. Zu zweit sind sie das Duo „Wein, Weib und Cello“ und im Leben und auf der Bühne ein vertrautes Paar. In der Kunstbaden-Reihe von Jelena Ivanovic sind sind mittlerweile schon so etwas wie Publikumslieblinge geworden.

Eine literarische Wundertüte, garniert mit Songs von Edith Piaf bis Hildegard Knef

Es die Kunst, auch den kleinen Dingen des Lebens große Bedeutung zu geben, die das Publikum für gute zwei Stunden vielleicht ein bisschen glücklicher macht. Katja Heinrich denkt dabei klugerweise nicht daran, den Abend rund ums Glück mit Ratgeberpoesie und gestanzten Glücksformeln, mit Statistiken und Allerwelts-Philosophie zu garnieren. Stattdessen setzt die Schauspielerin einmal mehr auf Unerwartetes und Überraschendes und garniert die literarische Wundertüte mit Songs von Edith Piafs „ La vie en rose“ bis zu Hildegard Knefs „Eins und eins, das macht zwei“.

Das neue und mittlerweile schon 15. gemeinsame Programm ist vielleicht nicht ganz so anekdotisch wie die vergangenen Abende mit Themen der 20er und 30er Jahre, aber wieder ganz lebensklug, persönlich und herzerreichend ausgewählt: von Mascha Kalékos Gedicht „Sozusagen grundlos vergnügt“ bis zu Katja Oskamp famosem Fußpflegerinnen-Roman „Marzahn, mon amour“, von Loriot bis Wiglaf Droste, von Rose Ausländer bis Peter Turrini.

Herz und Schmerz gehören ja auch zum Glück dazu

Florian Hoheisel, sonst Mitglied der Essener Philharmoniker, spielt dazu Bach, Schostakowitsch und Freddy Mercury und macht das Instrument zum zweiten Erzähler. Ob das Violoncello nun das Instrument der großen Glücksgefühle ist, oder ob es uns doch vor allem als warme, dunkle Stimme der Melancholie umfängt, ist an diesem Abend einerlei. Herz und Schmerz gehören ja ohnehin untrennbar zum Glück oder helfen zumindest, diesen kurzen Moment überhaupt zu spüren.

So ist dieser Kunstbaden-Abend keine Anleitung zum Glücklichsein, aber ein guter Anlass zum gelösten Den-Moment-Genießen. Und vielleicht auch die Einladung, sich einfach mal wieder kopfüber ins Leben zu stürzen: Und sei es nur für einen Sprung vom wieder frisch eröffneten Grugabad-Sprungturm, den zumindest das Grugabad-Personal an diesem Abend ganz formvollendet vorführen kann.

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