Niederrheinpokal

Wie die Polizei im Niederrheinpokal RWE- und MSV-Hooligans trennen will

Die Polizei wird gewaltbereite Fans auch am 8. April filmen, wenn im Niederrheinpokal Rot-Weiss Essen und der MSV Duisburg aufeinandertreffen. Die Hooligans beider Fanszenen waren Anfang 2013 beim Derby-Cup in der Grugahalle in aller Öffentlichkeit aufeinander losgegangen.

Die Polizei wird gewaltbereite Fans auch am 8. April filmen, wenn im Niederrheinpokal Rot-Weiss Essen und der MSV Duisburg aufeinandertreffen. Die Hooligans beider Fanszenen waren Anfang 2013 beim Derby-Cup in der Grugahalle in aller Öffentlichkeit aufeinander losgegangen.

Foto: Michael Gohl

Essen.   Das Halbfinale im Niederrheinpokal zwischen Rot-Weiss Essen und MSV Duisburg ist nicht für Spieler und Fans ein Höhepunkt: Die Polizei erwartet am 8. April über 1000 gewaltbereite und Gewalt suchende Fans. Die provozieren sich seit Monaten mit Drohungen am Stadion des Rivalen.

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Der Pokalschlager gegen den MSV Duisburg am 8. April wird für Rot-Weiss Essen ein Lokalderby der Superlative: Das Halbfinale im Niederrheinpokal wird live im Fernsehen übertragen, der Sieger spielt im DFB Pokal – vielleicht ja gegen Schalke, Dortmund oder sogar die Bayern. Das 2013 eröffnete Stadion Essen ist gegen den Rivalen aus der Nachbarstadt das allererste Mal ausverkauft. Und Essen-Bergeborbeck wird seinen bislang wohl größten Polizeieinsatz erleben.

Denn die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) stuft die Begegnung als „Hochrisikospiel“ ein. Das letzte Zweitligaspiel 2007 befeuerte die Feindschaft beider Fanszenen: Die Zebras stiegen auf, die Essener ab, Hooligans lieferten sich eine regelrecht Hetzjagd. Nun drohen sich beide Seiten seit Januar, wie man es aus Italien und Südamerika kennt: An der Hafenstraße stellen Duisburger regelmäßig Kreuze und Grablichter auf, vor der MSV-Arena legten Essener vor dem jüngsten Heimspiel zwei Schweineköpfe am Fancontainer ab.

Alte Hauer, Rechte Schläger und Hools aus ganz Deutschland

So wird der Pokalhit selbst für Harald Hagen ein Spiel „mit besonderer Brisanz“. Dabei war er in den 90ern für die Einsätze bei BVB-Heimspielen verantwortlich. Seit Ende 2013 leitet er die Inspektion Essen-Nord – und am 8. April einen Großeinsatz. Hagen rechnet mit über 1000 Fans der Kategorien B (gewaltbereit, zum Beispiel viele Ultras) und C (Gewalt suchend, Hooligans): „Die Hools mobilisieren selbst alte Hauer um die 50, die schon lange nicht mehr im Stadion waren.“ Zudem reisen Schläger jeweils befreundeter Szenen aus ganz Deutschland an, die Essener etwa erwarten ihre rechtsradikalen Freunde aus Bremen.

Was all diese Kategorie-C-Fans wollen, nennt die Polizei „Drittortauseinandersetzung“: eine konspirativ verabredete Massenschlägerei fernab des Stadions. Und die Polizei wird versuchen, diese „dritte Halbzeit“ zu verhindern: mit Informationen vieler szenekundiger Beamte, „Gefährderansprachen“ und „Bereichsvertretungsverboten“. Die große Mehrheit der friedlichen Fans sieht Harald Hagen am 8. April durch die Gewalttäter aber nicht gefährdet: „Die wollen nur mit ihres Gleichen kämpfen.“ Anfang 2013 musste die Polizei Essener und Duisburger Hooligans trennen, als sie in aller Öffentlichkeit beim Derby-Cup in der Grugahalle aufeinander losgingen. Und zuletzt verletzten Hooligans aus Essen am 17. November während der Partie zwischen RWE II und MSV II Duisburger Fans, die Täter erhielten Stadionverbote.

Polizei setzt auf strikte Fantrennung und permanente Überwachung

Die Polizei begleitet das Niederrheinpokalspiel „mit einem Aufgebot auf hohem Bundesliganiveau“, sagt Hagen, der die Zahl der Einsatzkräfte ebenso wie taktische Details lieber für sich behält. Seine Strategie: strikte Fantrennung und permanente Überwachung. Damit die Beweissicherungstrupps an den Brennpunkten nicht im Dunkeln filmen müssen, war auch der Einsatzleiter dafür, das Spiel auf 18.35 Uhr vorzuverlegen.

Hagen erwartet mindestens 4200 Duisburger, in die beiden Entlastungszüge der Bahn passen jeweils 800 Fans. Die Züge werden wohl am S-Bahnhof Bergeborbeck halten, von dort sollen Shuttle-Busse die Duisburger zum Gästeblock bringen. An den „extrem strengen Kontrollen“ (Hagen) werden doppelt so viele Ordner beteiligt wie bei einem durchschnittlichen RWE-Heimspiel.

RWE-Chef Welling: MSV muss „sportlich wie finanziell gewinnen“ 

An der zweiten Herausforderung arbeiten Polizei, RWE und Stadtverwaltung seit Januar, so Hagen, „intensiv und gut zusammen“: Sie müssen das erste Mal über 20.000 Zuschauer sicher in ein neues Stadion bringen und dabei Verkehrschaos im Stadtnorden verhindern. Hagen rät allen Besuchern, mit dem ÖPNV anzureisen und allen Autofahrerin im Feierabendverkehr, an jenem Dienstagnachmittag einen großen Bogen um die Bottroper Straße und den Essener Norden zu machen.

Noch arbeiten Polizei, Stadt und RWE am Verkehrswegekonzept, der RWE-Vorsitzende Michael Welling ist aber schon jetzt optimistisch: „Das neue Stadion mit seinen Zuwegen ist ja schließlich für ausverkaufte Spiele in der zweiten Liga konzipiert.“

Bereits beim nächsten Heimspiel gegen Verl wird der neue Parkplatz an der WAZ-Westkurve (P2/P3) mit 690 Plätzen freigegeben, damit stehen dann rund 1700 Pkw- und 37 Bus-Parkplätze zur Verfügung. „Und unsere treuen Fans haben an den Straßen rund um die Hafenstraße eh alle ihre Stammparkplätze und das Parken dort seit 40 Jahren geübt“, weiß Welling.

1300 VIP-Karten und ein VIP-Zelt an der Haupttribüne

Der freut sich nicht nur über Extra-Einnahmen aus zusätzlicher Bandenwerbung durch die Fernsehübertragung des Spiels durch Sport1: RWE hat 1300 VIP-Plätze für das Niederrheinpokal-Halbfinale verkauft, vor der Haupttribüne baut der Club extra ein Zelt auf.

Was dem Vereinschef trotz der organisatorischen Mammutaufgabe und des polizeilichen Großeinsatzes besonders wichtig ist: „Wir freuen uns wie die Fans auf dieses Spiel.“ Es sei wie für die Mannschaft „auch für den Club eine Herausforderung“, aber auch „die Kirsche auf der Torte“. Zumal freilich der MSV gewinnen müsse, „sportlich wie finanziell“. Rot-Weiss Essen kann also gar nicht verlieren, im Spiel des Jahres.

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