Grüne Hauptstadt 2017

Warum Essen als Grüne Hauptstadt kein Widerspruch ist

Sie diskutierten über die Grüne Hauptstadt: Landschaftsarchitekt Andreas Kipar, Marco Clausen, Gründer der Prinzessinnengärten in Berlin, Theo Grütter, Direktor des Ruhrmuseums, Juliane von Hagen von stadtforschen.de und Moderator Sven Plöger.

Foto: Socrates Tassos

Sie diskutierten über die Grüne Hauptstadt: Landschaftsarchitekt Andreas Kipar, Marco Clausen, Gründer der Prinzessinnengärten in Berlin, Theo Grütter, Direktor des Ruhrmuseums, Juliane von Hagen von stadtforschen.de und Moderator Sven Plöger. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Eine Diskussionsrunde in der Kreuzeskirche widmete sich der Grünplanung in der Grünen Hauptstadt. Der Tenor: Grün ist in Essen Teil der Kultur.

Essen ist Grüne Hauptstadt Europas. Das klingt paradox. Eben deshalb lohnt es sich darüber nachzudenken. Was soll das Ganze? An Antworten auf diese Frage versuchte sich eine Diskussionsrunde am Donnerstagabend vor rund 200 Zuhörern in der Kreuzeskirche.

Essen hat viel zu sagen zum Thema Grün. Vielleicht mehr als jede andere Stadt. Grünplanung hat in Essen Tradition, oder wie es Theo Grütter, der Leiter des Ruhrmuseums, formulierte: „Grün ist Teil der Kultur.“

Robert Schmidt plante vor 100 Jahren Grünzüge

Vor 100 Jahren plante Robert Schmidt jene Grünzüge, die das Stadtbild bis heute prägen. Der spätere Siedlungsdirektor des RVR tat dies in dem Bewusstsein, dass die Menschen in dieser von Kohle- und Stahlindustrie geschundenen Stadt sprichwörtlich Luft zum Atmen brauchten.

Späterer Planergenerationen knüpften daran an, mit der Begrünung des Essener Nordens, der „Grünen 14“, in den 1980er Jahren, und Karl Ganser mit dem IBA-Emscherpark. Auch Essens „Neue Wege zum Wasser“ und die Renaturierung des Emschersystems stehen in dieser Tradition.

„Wir sind in der Lage zu reparieren“, formulierte Theo Grütter. Wenn dafür Bäume gefällt werden, weil neue Abwasserkanäle gebaut werden müssen, sei das kein Widerspruch.

Was sagt uns das? Essen kann Grünplanung. Die Freiräume, die sich in Form von Industriebrachen bieten, seien eine Riesenchance, ist Grütter überzeugt. Essen und das Ruhrgebiet hätten anderen Metropolregionen da etwas voraus.

Eines haben sie gemein. Landschaftsarchitekt Andreas Kipar nennt es die Renaissance des Urbanen. Es ist der Drang der Menschen zurück in die Städte. Eben das mache Grün so wertvoll.

Auch Essens Bevölkerung wächst wieder. Grün steht mehr und mehr in Konkurrenz zum Bedürfnis nach Wohnraum, der bezahlbar bleiben muss. Umso mehr komme es darauf an, „die DNA der Stadt wiederzuentdecken“, sagt Kipar. „Durch gut durchdachte und durchgrünte Stadtviertel.“

Gut durchdachte und durchgrünte Stadtviertel

Grün dient dabei nicht allein der Erholung und dem Klimaschutz. Marco Clausen, Gründer der Prinzessinnengärten in Berlin-Kreuzberg, wo auf einem 6000 Quadratmeter großen Brachgelände ein Nutzgarten für urbane Landwirtschaft entstanden ist, hat einen tiefgreifenden Wandel im Umgang mit städtischem Freiraum ausgemacht. Es ist der Wunsch Grün zur Selbstversorgung zu nutzen. Nicht hinter Hecken und Gartenzäunen wie im Schrebergarten, sondern im öffentlichen Raum als Gemeinschaftserlebnis.

Man müsse die Menschen auch machen lassen, formulierte Clausen an die Adresse der städtischen Behörden. Das setzt voraus, dass die Menschen auch mitmachen wollen, dass sie Verantwortung übernehmen. „Darin sind wir nicht so stark“, sagte Juliane von Hagen, die Gründerin von stadtforschen.de, in Anspielung an jene Zeiten, in denen Krupp und andere nicht nur Arbeitgeber waren, sondern Vermieter, Nahversorger, Kümmerer. . .

Der Eigeninitiative mag das nicht förderlich gewesen sein. Immerhin: Zehn Gemeinschaftsgärten gibt es inzwischen.

Grünplanung nicht allein Grün und Gruga überlassen

An die Stadt appellierte von Hagen die Grünplanung nicht allein Grün und Gruga zu überlassen. Es gehe darum, Ressort übergreifend zu denken, die Schulverwaltung sei mit einzubeziehen, die Sozialverwaltung und sicher nicht zuletzt die Bürger. Die Grüne Hauptstadt bietet dazu die Chance. „Warum machen wir nicht mit“, rief eine Zuhörerin in die Runde. Es sollte Ansporn für andere sein.

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