Polizei

Warum ein Betrüger mit 24 Identitäten lange unentdeckt blieb

Der Mann hatte verschiedene Ausweise – in seinem Fall aus verschiedenen Ländern.

Der Mann hatte verschiedene Ausweise – in seinem Fall aus verschiedenen Ländern.

Foto: Udo Milbret/Symbolbild

Essen.   In Essen fiel der Polizei ein 48-jähriger Nigerianer auf, der mit 24 Identitäten registriert war. Polizeisprecher Peter Elke erklärt den Fall.

Auf stolze 24 Identitäten in den Polizei-Computern brachte es ein 48-jähriger Nigerianer, der sich vor einigen Tagen einer Polizeikontrolle in Essen-Altendorf auf rüde Art entziehen wollte und dabei zwei Beamte verletzte. Ein Gespräch mit dem Sprecher der Essener Polizei, Peter Elke.

Wie ist es möglich, dass jemand derart viele Schein-Identitäten hat, ohne dass dies bei Behörden auffällt?

Das geht, indem man Namen geringfügig verändert angibt, Schreibweisen variiert, Vor- und Nachnamen vertauscht, das Geburtsdatum manipuliert. Es gibt viele Möglichkeiten, seine Identität zu verschleiern.

Muss jemand nicht gültige Papiere vorweisen, wenn er bei der Polizei wegen einer Straftat registriert wird?

Ja, aber die Papiere können wechseln. Im vorliegenden Fall hat der Mann verschiedene Ausweise aus Nigeria, Frankreich und Deutschland vorgelegt, manchmal aber auch nur Bescheide, etwa von Sozialbehörden, ohne Lichtbild.

Wir können niemanden festnehmen, nur weil er keinen Ausweis bei sich führt. Gerade halboffizielle Dokumente sind mit Computerhilfe außerdem leicht zu fälschen.

Muss man befürchten, dass der Mann auch 24 Mal Sozialhilfeleistungen kassierte?

Darüber ist in den sozialen Medien spekuliert worden, das muss aber nicht sein, so hoffe ich jedenfalls. Es gab zwar schon Fälle, wo in mehreren Städten kassiert wurde. Darüber wissen wir im vorliegenden Fall aber nichts.

Warum ist es so leicht, die Behörden und sogar die Polizei an der Nase herumzuführen, was ja immer den Vorwurf des Staatsversagen nahelegt?

Das Problem mit den Mehrfach-Identitäten ist, dass die Behörden alle mit unterschiedlichen Computersystemen arbeiten und ihre Daten nicht abgleichen dürfen. Da ist der Datenschutz vor. Die Rechtsstaatlichkeit setzt natürlich auch der Polizei Grenzen, selbst wenn unser Bauchgefühl sagt: Da stimmt was nicht.

Würden Sie es begrüßen, wenn solche Gesetze fahndungsfreundlicher verändert würden?

Als Polizeibeamte würden wir es natürlich im Einzelfall schon begrüßen, wenn wir solche Verdachtsmomente im Sinne der Gefahrenabwehr per Datenabgleich effektiver verfolgen könnten.

Und wie ist es Ihnen schließlich gelungen, dem Mann doch auf die Schliche zu kommen?

Wir sind nicht untätig, haben Fingerabdrücke verglichen, auch körperliche Merkmale, die wir registriert hatten. So entstand ein Gesamtbild. Vorgeworfen werden dem Mann Vermögensdelikte und Betrügereien.

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