Mobilität

Warnung vor Verkehrsexperimenten in Rüttenscheid

Die Straßen in Rüttenscheid sind oft voll. Ein Eingriff in das Verkehrsgeflecht müsse aber wohlüberlegt sein, warnt Rolf Krane von der IGR, sonst könne man viel zerstören.

Die Straßen in Rüttenscheid sind oft voll. Ein Eingriff in das Verkehrsgeflecht müsse aber wohlüberlegt sein, warnt Rolf Krane von der IGR, sonst könne man viel zerstören.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Rüttenscheid.  Interessengemeinschaft Rüttenscheid kritisiert Forderung der Grünen nach einem Mobilitätskonzept. Bedarfsgerechte Entwicklung finde längst statt.

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Mehr Platz für Radfahrer, für Carsharing und die „Rü“ womöglich als Einbahnstraße: Die Grünen fordern ein Verkehrskonzept für Rüttenscheid, wollen eine Diskussion in der Bezirksvertretung und in Ausschüssen anstoßen. Doch im Stadtteil wundert man sich. Der Vorschlag der Partei erwecke „den Eindruck, als hätte sich hier nie jemand über verkehrliche Fragen Gedanken gemacht, als gäbe es gar keine Entwicklung oder als gäbe es einen akuten Anlass, unbedingt etwas zu ändern“, erklärt Rolf Krane, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR). „All das ist nicht der Fall.“

Die Ratsfraktion der Grünen erklärte in der vergangenen Woche, man wolle einen „Modellstadtteil für umweltfreundliche Mobilität“ schaffen. Das sei Rüttenscheid aber längst, glaubt Krane, der Fahrradboxen und Hunderte Fahrradständer, Ausnahmen für Radler bei Einbahnstraßen, elf Metropolradstationen, Elektroladestationen, das Carsharing-Angebot, neue Radwege wie auf der alten Bahntrasse und mehr Beispiele anführt. „All das wurde in letzter Zeit eingerichtet, wenn auch meist hochsubventioniert, extrem teuer und teils mit mäßiger Akzeptanz“, erklärt Krane.

Alle Verkehrsteilnehmer sollten berücksichtigen werden

Diese Entwicklung im Stadtteil, betont der IGR-Vorsitzende, sei auch zu begrüßen, die Interessengemeinschaft würde das auch seit langem intensiv unterstützen. Bedarfsorientiert sollte man in dieser Richtung auch weiterarbeiten. „An die Grenze stößt die Sympathie aber, wenn der Eindruck entsteht, dass es mehr gegen etwas geht als für etwas.“ Wer Autos aktiv ausbremsen wolle, um andere Verkehrsmittel zu fördern, dem würden wohl überzeugende Argumente für diese Alternativen fehlen, kritisiert Krane. „Politik ist nicht dazu da, die Menschen zu erziehen.“

In vielen Bereichen, das unterstreicht die Grünen-Ratsfraktion in ihrem Antrag, sei der Stadtteil bereits auf einem guten Weg. Alternativen zum Auto seien vorhanden, im Alltag könne man gut ohne auskommen. Deshalb wundert sich Rolf Krane, dass man sich doch gerade Rüttenscheid ausgesucht hat, um daraus einen „Modellstadtteil“ zu machen. Krane warnt als Kenner des Stadtteils davor, in „ein kompliziertes Geflecht sehr vieler unterschiedlicher Beteiligter einzugreifen“, in dem Autofahrer eben auch ihren Platz hätten. Man müsse alle Verkehrsteilnehmer in den Planungen berücksichtigen, wenn man nichts zerstören wolle. Das sei beim Vorhaben der Grünen allerdings nicht der Fall. Der Verkehr sei ein stadtweites Thema, deshalb sei es wenig sinnvoll, nur einen Stadtteil herauszugreifen.

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