Armut

Viele „Tafel“-Kunden klagen über Verhalten von Migranten

Bürger, die am Freitag bei der Essens-Ausgabe der „Tafel“ in Essen warten – viele verstehen die Entscheidung der „Tafel“, neue Pässe nur noch an Deutsche zu vergeben.

Foto: STEFAN AREND

Bürger, die am Freitag bei der Essens-Ausgabe der „Tafel“ in Essen warten – viele verstehen die Entscheidung der „Tafel“, neue Pässe nur noch an Deutsche zu vergeben. Foto: STEFAN AREND

Essen.   Ortstermin: Bei der Essens-Ausgabe am Freitag erklären viele „Tafel“-Kunden, dass sich manche Migranten rücksichtslos verhielten.

Armut in Deutschland erkennt man nicht auf den ersten Blick. Die Männer und Frauen, die an diesem Freitagmorgen im eisigen Wind Schlange stehen, könnten auch Aldi-Kunden sein oder von Rewe. Doch sie halten geduldig die Kälte aus im Schatten des historischen Wasserturms in Essen-Huttrop, Steeler Straße. In der Nähe rauscht die A40.

Hier hat der Verein „Essener Tafel“ seinen Sitz, mehrmals in der Woche werden kostenlos Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben. Die „Essener Tafel“ (6000 Kunden) erlangte am Donnerstag schlagartig bundesweite Berühmtheit: Da wurde bekannt, dass sie seit Dezember neue Ausweise nur noch an Deutsche herausgibt. Zu viel Ärger mit Migranten habe es gegeben, hieß es – Gedrängel, Geschubse in den Schlangen. Deutsche Bedürftige würden sich an den Ausgabestellen nicht mehr wohlfühlen.

Manche hätten unverhältnismäßige Anspruchs-Haltung

„Wenn ich jetzt die Wahrheit sage, werd’ ich wieder in die rechte Ecke gestellt“, sagt am Freitag ein Mann Anfang 60, der seinen kurzrasierten Kopf unter einer dicken Kapuze vor dem Frost verbirgt. Der Mann ist „Tafel“-Kunde seit Jahren, und „manche Ausländer kommen hier mit dicken Autos an, nehmen die Sachen und verkaufen sie drei Ecken weiter.“ Ein anderer pflichtet ihm bei: „Einige haben eine Anspruchs-Haltung, das ist unglaublich. Werden wütend, wenn kein Hähnchenfleisch mehr da ist, sondern nur noch Schwein.“ Das wisse er nicht vom Hörensagen, das habe er selbst immer wieder so erlebt.

Gudrun (54) stellt ihren Trolley an die Seite, den Einkaufswagen auf zwei Rollen. „Es ist schon unfair“, sagt die gelernte Gärtnerin, die zuletzt als Altenpflegerin arbeitete. Wegen ihrer Bandscheibe konnte sie nicht mehr, rutschte in Hartz IV. „Da sind bei den Türken ja oft Familien bei mit vielen Kindern, die müssen ja auch satt werden.“ Andererseits: „Manche benehmen sich unmöglich.“

Senioren fühlen sich abgeschreckt

Ein 37-Jähriger mit grauer Wollmütze, die Hände knallrot vom Frost, sagt mit schniefender Nase: „Mir haben sie hier auch schon Schläge angedroht.“ Denn weit verbreitet sei das Handtuch-Liegestuhl-Prinzip: Früh mit dem Trolley kommen, den Einkaufswagen ganz nach vorn an die Ausgabestelle platzieren, dann nach Hause gehen – und pünktlich zum Ausgabestart wiederkommen. „Das sind die ganz Schlauen“, sagt der 37-Jährige bitter. Er selbst hat Maler und Lackierer gelernt, doch dann wurde er allergisch gegen Lösungsmittel, schulte um auf Altenpfleger, sucht gerade einen Job.

Armut in Deutschland, man erkennt sie ja doch: Nicht hier, in der „Tafel“-Schlange. Aber überall dort, wo Bedürftige Pfandflaschen aus öffentlichen Mülleimern ziehen. „Das sind die armen, alten Deutschen“, sagt ein Mann, „die in den Mülleimern suchen, weil sie längst nicht mehr herkommen.“ Und manche Migranten nähmen händevoll sogar die Blumen mit. Dabei gilt: Nur ein Sträußchen pro Kunde. Ja, auch Floristen beliefern die „Tafel“ mit dem, was von ihrem Verkauf übrig blieb.

Seniorin kommt extra von Überruhr nach Huttrop

Und die Ausländer hier in der Reihe? Sprechen nicht. Lächeln verlegen. Sagen in gebrochenem Deutsch, dass sie der Sprache nicht mächtig sind. Und stehen an, wie alle anderen auch.

„Wir wollen, dass die deutsche Oma weiter zu uns kommt“, sagte Jörg Sartor, der Chef der Essener Tafel, vor wenigen Tagen, um die drastische Entscheidung zu rechtfertigen. So eine wie die weißhaarige Frau in ihrer violetten Winterjacke. Sie ist 70, beim Gehen hilft ihr ein Rollator, früher war sie mal Verkäuferin in einem Feinkost-Fachgeschäft. Einerseits: „Dass sich die Ausländer daneben benehmen, hab’ ich noch nicht mitgekriegt.“ Andererseits: Sie kommt extra aus dem Stadtteil Überruhr her, um einmal wöchentlich Lebensmittel zu bekommen. Dabei gibt es bei ihr im Quartier auch eine Ausgabestelle. „Doch da fühle ich mich nicht mehr wohl.“ Zu viele junge Männer, die fremde Sprachen sprechen.

Update: Nach Krisensitzung am Dienstag: Der Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel bleibt vorerst bestehen. Nun soll ein Runder Tisch einberufen werden. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

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