Kinderbande

Verfolgung: Kinder rasten in BMW mit 200 Km/h nach Essen

Ein Polizeihubschrauber vom Typ „Hummel“ hat bei der Verfolgung von fünf Kindern geholfen. Die Bande floh in einem BMW von Köln nach Essen. Laut Polizei waren sie dabei bis zu 200 Stundenkilometer schnell.

Ein Polizeihubschrauber vom Typ „Hummel“ hat bei der Verfolgung von fünf Kindern geholfen. Die Bande floh in einem BMW von Köln nach Essen. Laut Polizei waren sie dabei bis zu 200 Stundenkilometer schnell.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Essen.  Eine Verfolgungsjagd zwischen einer Kinderbande und der Polizei endete in einem Essener Garten. Die Kinder fuhren bis zu 200 Stundenkilometer.

Die Essener Polizei hat am Sonntag zu nächtlicher Stunde in Kettwig fünf Klau-Kids im Alter zwischen 12 und 14 Jahren geschnappt. Die mutmaßliche Bande war zuvor in eine Gravis-Filiale in der Kölner Innenstadt eingebrochen und dann mit zeitweise 200 Stundenkilometern über die Autobahn geflüchtet.

Die entscheidende Rolle bei der spektakulären Verfolgung spielte ein Polizeihubschrauber. Die fünf Minderjährigen, die Elektronikartikel im Wert von mehreren Tausend Euro gestohlen haben sollen, sollten nach Polizeiangaben im Laufe des Sonntags wieder auf freien Fuß gesetzt und ihren Eltern übergeben werden. Die Familien sollen Zuwanderer aus dem EU-Land Rumänien sein.

Polizei verfolgte eine Kinderbande mit 200 Km/h über die Autobahn

Kettwig, Sonntagmorgen um 3.40 Uhr: Ulrich Hüskes wohnt mit Frau und Sohn in einer ruhigen Sackgasse in Kettwig vor der Brücke. Doch mit der Nachtruhe ist es schlagartig vorbei, als Polizeihubschrauber „Hummel“ über seinem Wohnhaus stehen bleibt, einen ohrenbetäubenden Lärm verursacht und die Siedlung in einen grellen Lichtkegel taucht. „Der Hubschrauber hat uns alle aus dem Schlaf gerissen“, berichtet Hüskes.

Wie sich später herausstellt, sind die Kölner Klau-Kids nach einer wilden Autobahn-Fahrt auf der A52 in Kettwig abgefahren. Doch dort warten schon etliche Streifenwagen der Essener Polizei, die von den Hubschrauber-Piloten rechtzeitig informiert worden sind. Offenbar wird der Fluchtwagen, ein silberfarbener 3er BMW, von den Essener Einsatzkräften in der Nähe des Ford-Autohauses gestellt. „Drei der fünf Insassen blieben im Fahrzeug, zwei mutmaßliche Täter flüchteten“, berichtet ein Kölner Polizeisprecher am Sonntag.

Hubschrauber „Hummel“ kreiste über Kettwig

Ulrich Hüskes, lange Jahre Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr, löscht im Haus vorsorglich das Licht, kontrolliert, ob alle Türen gut verschlossen sind. Dann stellt er sich ans Wohnzimmerfenster und wähnt sich in einem Actionfilm. „Es war wie im Kino, dabei war ja alles ganz real.“

Er sieht jede Menge Polizisten durch die Gärten laufen – die eine Hand am Pistolenhalfter, in der anderen Hand die Taschenlampe. Dann hört Hüskes, wie ein Polizist in seinem Vorgarten erleichtert schreit: „Hier ist einer.“ Dem Festgenommenen befiehlt er: „Leg dich auf den Boden, wo versteckt sich der andere?“

Augenzeuge sieht Festnahme in seinem Vorgarten: „Es war wie im Kino, nur real“

Hüskes schaut auf die Uhr. Es ist 3.44 Uhr, er verschickt aufgeregt eine Whatsapp-Nachricht. Noch eine Stunde wird „Hummel“ am nächtlichen Kettwiger Himmel stehen bleiben, dann ist auch der zweite Flüchtige geschnappt. Als die Einsatzkräfte den Fünf mit ihren Taschenlampen in die Gesichter leuchten, trauen sie ihren Augen nicht. Vier von ihnen sind erst 14 Jahre alt, der Jüngste ist nur 12 – noch ein Kind.

Angefangen hat der spektakuläre Polizeieinsatz um 2.45 Uhr in der Kölner City. Zeugen hören einen lauten Knall an der Gravis-Filiale. Offenbar ist die Glastür zu Bruch gegangen. Später sehen sie, wie dunkel gekleidete Personen aus dem Geschäft gelaufen kommen und mit dem BMW flüchten. Sie alarmieren sofort die Polizei. „Schon zehn Minuten später war das Auto auf der Autobahn A 57“, berichtet ein Polizeisprecher. Weitere fünf Minuten später, gegen 3 Uhr, übernimmt Polizeihubschrauber Hummel die Verfolgung.

Der Zwölfjährige wird befragt und nicht verhört – er ist strafunmündig

Beim Blick auf den Streifenwagen-Tacho sehen die Polizisten, wie schnell der BMW ist. „Die waren mit 200 Stundenkilometern unterwegs“, heißt es. Ständig wechseln die Tatverdächtigen die Autobahnspuren. Zuerst rasen sie Richtung Dormagen, dann geht’s auf die A44 und von dort auf die A52: zum Showdown nach Kettwig.

Im Laufe des Sonntags werden vier der fünf Klau-Kids im Essener Polizeipräsidium vernommen. Der Zwölfjährige darf nicht vernommen, sondern nur befragt werden. Er ist im Gegensatz zu den zwei Jahre Älteren nicht strafmündig. Am Nachmittag ist ordentlich was los am Präsidium. Eltern der Festgenommen sind gekommen, um die Kinder mitzunehmen. Eines sei sicher, so heißt es, keiner der mutmaßlichen Klau-Kids werde länger eingesperrt.

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